Kapitel 18b: Nicks Monolog

Nick ließ sie eintreten.

Das war das Beunruhigendste. Er ließ sie eintreten, ohne einen Alarm zu schlagen, ohne seine Verbündeten zu alarmieren, ohne irgendetwas zu tun. Er saß auf seinem umgekehrten Metallbehälter und wartete, als wäre er ein König, der Audienz gewährt.

„Ich habe euch erwartet", sagte er, als sie die Halle betraten.

„Das sagst du immer", sagte Horst.

„Und es stimmt immer." Nick stand auf. Er war ruhig, fast entspannt, als wäre das alles ein Spiel, dessen Ausgang er bereits kannte. „Ich wusste, dass ihr kommen würdet. Ich wusste, dass ihr einen Plan habt. Und ich weiß, dass ihr das Gegenmittel gefunden habt." Er schaute Moritz an. „Hitzestrahler. Clever."

Moritz erstarrte. „Wie...?"

„Ich habe eure Kommunikation abgehört", sagte Nick. „Seit ihr das Lagergebäude betreten habt." Er lächelte kalt. „Ihr habt vergessen, eure Frequenzen zu verschlüsseln. Ein Fehler, den ich in meiner Planung einkalkuliert habe."

Horst schaute Nick an. Er hatte Nick in sieben Staffeln gesehen — wütend, verzweifelt, brillant, gefährlich. Aber so hatte er ihn noch nie gesehen: ruhig. Vollständig ruhig. Als wäre die Wut, die ihn immer angetrieben hatte, verschwunden und durch etwas anderes ersetzt worden. Etwas Kälteres.

„Was willst du wirklich?", fragte Horst.

Nick schaute ihn an. Für einen Moment — nur einen kurzen Moment — war etwas in seinem Gesicht, das Horst nicht erwartet hatte. Nicht Wut, nicht Kälte. Etwas, das fast wie Erschöpfung aussah.

„Ich will, dass die Welt versteht", sagte Nick. „Dass nichts sicher ist. Dass die Vernetzung, auf die ihr so stolz seid, eine Schwachstelle ist. Dass jede Welt, die glaubt, sie ist unbesiegbar, falsch liegt."

„Das ist keine Antwort", sagte Horst.

„Nein." Nick schaute auf seine Hände. „Das ist eine Erklärung. Die Antwort ist komplizierter."

„Dann erkläre sie."

Nick schaute auf. „Warum?"

„Weil ich verstehen will", sagte Horst. „Nicht um dir recht zu geben. Sondern weil ich verstehen will, was einen Menschen dazu bringt, eine ganze Welt zu zerstören."

Nick schwieg einen Moment. Dann:

„Ich wurde in einer Welt geboren, die mir sagte, dass ich nicht gut genug bin. Nicht klug genug, nicht stark genug, nicht wichtig genug. Ich habe alles getan, was man mir gesagt hat — ich habe gelernt, gearbeitet, mich angepasst. Und es hat nichts geändert. Die Welt hat mich immer noch nicht gesehen."

„Also hast du beschlossen, sie zu zerstören."

„Ich habe beschlossen, dass sie mich sehen soll." Nick schaute Horst in die Augen. „Wenn man eine Welt zerstört, sieht sie einen. Das ist die einzige Möglichkeit."

Horst schaute ihn an. Er dachte an all die Momente, in denen er Nick gesehen hatte — nicht als Feind, sondern als Mensch. Als jemanden, der falsch abgebogen war, an einem Punkt, den man vielleicht hätte korrigieren können. Vielleicht. Vielleicht nicht.

„Das ist falsch", sagte Horst.

„Ich weiß", sagte Nick. „Aber es ist alles, was ich habe."

Dann hob er die Hand — und aus den Schatten der Halle traten zwölf Personen.