Kapitel 2: Die Ruhe vor dem Sturm

Die Tage nach dem Freispruch waren für Horst wie ein seltsamer Traum. Einerseits war da die unendliche Erleichterung, dem juristischen Albtraum entkommen zu sein, andererseits lastete die Erinnerung an Nicks hämisches Grinsen wie eine dunkle Wolke über ihm. Er versuchte, zur Normalität zurückzukehren, sein Leben wieder aufzubauen. Seine treuen Freunde Jason, Paul, Maria und Alex wichen ihm dabei nicht von der Seite. Sie waren sein Fels in der Brandung, sein Anker in einer Welt, die ihm feindlich gesinnt schien.

Gemeinsam verbrachten sie viel Zeit, redeten stundenlang über das Geschehene und versuchten, die Wunden zu heilen, die der Verrat und die öffentlichen Anfeindungen hinterlassen hatten. Horst zog sich zunächst aus den sozialen Medien zurück. Der Gedanke, sich wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren, löste in ihm ein tiefes Unbehagen aus. Die Kommentarspalten, die einst voller Bewunderung und Zuspruch waren, waren nun ein Schlachtfeld voller Hass und Verachtung. Obwohl er freigesprochen worden war, hatte Nicks Kampagne ihre Spuren hinterlassen. Der Zweifel war gesät, und viele seiner ehemaligen Fans blieben misstrauisch.

Doch seine Freunde ermutigten ihn, nicht aufzugeben. „Du darfst dich nicht von diesem Hass unterkriegen lassen“, sagte Jason bei einem ihrer Treffen. „Du bist Kaiser Horst. Du hast so vielen Menschen Freude bereitet. Lass dir das nicht von einem verbitterten Neider kaputt machen.“ Paul, der eher der ruhige und besonnene Typ war, fügte hinzu: „Wir stehen hinter dir, Horst. Egal, was kommt.“ Maria und Alex nickten zustimmend. Ihre unerschütterliche Loyalität gab Horst neue Kraft.

Langsam, ganz langsam, begann er wieder, sich in die Öffentlichkeit zu wagen. Er postete zunächst nur harmlose Bilder, kleine Alltagsmomente, um zu sehen, wie die Reaktionen ausfallen würden. Es gab immer noch viele hasserfüllte Kommentare, aber es gab auch wieder Zuspruch. Alte Fans, die ihm die Treue gehalten hatten, meldeten sich zu Wort und verteidigten ihn gegen die Angriffe. Es war ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont.

Währenddessen schmiedete Nick Lustig im Verborgenen bereits seine nächsten Pläne. Der Freispruch hatte ihn rasend vor Wut gemacht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Horst sich so erfolgreich verteidigen könnte. Sein Hass auf seinen ehemaligen Kollegen war nun größer als je zuvor. Er sah Horsts langsames Comeback mit wachsender Verbitterung. In seinen Augen hatte Horst ihm alles genommen: den Ruhm, die Anerkennung, die Bewunderung der Fans. Er war besessen von dem Gedanken, Horst endgültig zu vernichten. Diesmal würde er keine Fehler machen. Er würde einen Plan schmieden, der so perfide und wasserdicht war, dass es für Horst kein Entkommen geben würde. Die Ruhe, in der sich Horst wog, war trügerisch. Es war die Stille vor einem Sturm, der mit unerbittlicher Gewalt über ihn hereinbrechen würde.