Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 14 von 59

Kapitel 12: Das Urteil

Nach Leons Aussage war der Rest des Prozesses nur noch eine Farce. Dr. Wagners Schlussplädoyer war brillant, eine rhetorische Meisterleistung, in der er die Absurdität der Anklage und die offensichtlichen Motive für eine Verschwörung darlegte. Doch seine Worte verhallten im Angesicht des emotionalen Trümmerfeldes, das Leons Verrat hinterlassen hatte. Wie konnte ein Sohn so überzeugend lügen? Oder, die Frage, die sich die Geschworenen insgeheim stellten: Was, wenn er nicht log?

Die Beratung der Geschworenen dauerte nicht lange. Als sie den Gerichtssaal wieder betraten, war ihre Entscheidung in ihren versteinerten Mienen zu lesen. Horst saß wie gelähmt auf der Anklagebank. Er spürte die Blicke seiner Freunde auf sich, aber er konnte sie nicht erwidern. Sein ganzer Fokus lag auf dem Sprecher der Geschworenen, der sich erhob und ein Blatt Papier entfaltete.

„Im Namen des Volkes, wie lautet das Urteil der Geschworenen im Fall des Angeklagten Horst?“, fragte der Richter mit monotoner Stimme.

Der Sprecher der Geschworenen holte tief Luft. „In der Anklage des Drogenhandels in nicht geringer Menge... schuldig.“

Das Wort traf Horst wie ein physischer Schlag. Schuldig. Es hallte in seinem Kopf wider, ein Echo, das alle anderen Geräusche auslöschte. Er hörte Marias unterdrückten Schrei, hörte, wie Jason aufsprang und von Paul zurückgehalten wurde. Aber es fühlte sich an, als geschähe all das in einer anderen Welt. Seine Welt war in diesem Moment auf dieses eine, vernichtende Wort reduziert.

Der Richter ließ den Hammer fallen. Das Geräusch war endgültig. „Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.“ Sieben Jahre. Eine Zahl, so abstrakt und doch so endgültig. Sieben Jahre seines Lebens, gestohlen durch die Lügen eines Mannes, den er einst Freund nannte, und besiegelt durch den Verrat seines eigenen Sohnes.

Zwei Justizbeamte traten an ihn heran und legten ihm die Hände auf die Schultern. Er leistete keinen Widerstand. Wie in Trance ließ er sich abführen. Als er an der Bank seiner Freunde vorbeikam, hob er kurz den Blick. Er sah ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter. Es war der letzte Blick in die Freiheit. Im hinteren Teil des Saals, fast verborgen im Schatten, stand Nick Lustig. Ein kaum wahrnehmbares, triumphales Lächeln umspielte seine Lippen. Dann wurde Horst durch die schwere Tür geführt, die mit einem lauten Knall ins Schloss fiel und ihn von der Welt trennte. Der Kaiser war gefallen. Der Weg ins Gefängnis hatte begonnen.