Kapitel 4: Die Verhaftung

Die Kälte des Metalls an seinen Handgelenken fühlte sich surreal an. Horst wurde gegen die kalte Karosserie seines eigenen Wagens gedrückt, während die Polizisten methodisch seine Taschen leerten. Jede Bewegung, jedes Wort der Beamten schien wie in Zeitlupe abzulaufen. Er hörte das Knistern des Funkgeräts, das Rufen von Befehlen, aber alles drang nur gedämpft an sein Ohr. Sein Verstand raste und versuchte, das Unfassbare zu begreifen. Drogen. In seinem Auto. Es war ein Albtraum, aus dem er nicht erwachen konnte.

„Das ist nicht meins! Ich habe keine Ahnung, wie das da hinkommt!“, stammelte er, seine Stimme zitterte unkontrolliert. Doch seine Proteste verhallten ungehört. Für die Polizisten war er nur ein weiterer Verdächtiger, der seine Schuld leugnete. Der Fund der Drogen war für sie ein klarer Beweis. Sie drückten ihn auf den Rücksitz des Polizeiwagens, die Welt zog an ihm vorbei wie ein verschwommener Film. Er sah die Gesichter seiner Nachbarn, die neugierig aus den Fenstern spähten, das Blinzeln der Blaulichter, das sich in den Pfützen auf dem Asphalt spiegelte. Die Scham brannte in ihm wie Feuer.

Auf der Polizeiwache wurde er in einen kargen Vernehmungsraum gebracht. Der Geruch von kaltem Kaffee und Desinfektionsmittel hing in der Luft. Ein mürrischer Kriminalbeamter mit müden Augen stellte ihm immer wieder die gleichen Fragen. Woher die Drogen stammten. Für wen sie bestimmt waren. Wer seine Komplizen seien. Horst wiederholte gebetsmühlenartig seine Unschuld, aber seine Worte prallten an der unerschütterlichen Überzeugung des Beamten ab. „Das sagen sie alle“, war die einzige Antwort, die er bekam.

Er verlangte nach seinem Anwalt, Dr. Wagner. Die Stunden, die er in der Zelle verbrachte, bis sein Anwalt endlich eintraf, waren die längsten seines Lebens. Die grauen Betonwände schienen auf ihn zuzukrabbeln, die Stille wurde nur vom gelegentlichen Geräusch von Schritten auf dem Flur oder dem Zuschlagen einer Zellentür unterbrochen. Als Dr. Wagner endlich den Raum betrat, war sein Gesicht eine Maske aus Sorge und Entschlossenheit. Horst erzählte ihm alles, von seinem Verdacht gegen Nick, von der Falle, in die er getappt war.

Dr. Wagner hörte aufmerksam zu, machte sich Notizen und stellte gezielte Fragen. „Das ist eine ernste Angelegenheit, Horst“, sagte er mit ernster Stimme. „Der anonyme Tipp in Verbindung mit dem Fund macht die Sache sehr kompliziert. Es sieht nach einer gezielten Aktion aus. Wir müssen beweisen, dass Sie das Opfer einer Intrige sind.“ Doch die Beweislast war erdrückend. Horsts Fingerabdrücke waren zwar nicht auf dem Päckchen, aber das allein reichte nicht aus, um seine Unschuld zu beweisen. Die Staatsanwaltschaft war überzeugt, einen Drogenhändler auf frischer Tat ertappt zu haben. Der Haftrichter erließ einen Haftbefehl. Die schwere Eisentür der Zelle fiel hinter ihm ins Schloss und besiegelte sein Schicksal. Kaiser Horst, der gefeierte TikTok-Star, war nun ein Untersuchungshäftling, eingesperrt und der Willkür der Justiz ausgeliefert. Die Falle hatte zugeschnappt.