Die erste Nacht ihrer selbsternannten Überwachungsmission war eine harte Lektion in der Realität des Spionagehandwerks. Sie hatten sich das alles so einfach vorgestellt, wie in einem Agentenfilm. Doch die Realität bestand aus stundenlangem, unbequemen Sitzen in einem kalten Auto, dem verzweifelten Versuch, durch beschlagene Scheiben etwas zu erkennen, und dem ständigen Kampf gegen die Müdigkeit. Sie hatten sich vor Nicks Wohnung postiert, in der Hoffnung, ihn bei einer unvorsichtigen Handlung zu ertappen. Doch Nick tat ihnen nicht den Gefallen. Er verließ seine Wohnung nicht. Die Lichter blieben aus. Es war, als wüsste er, dass sie da waren, und als würde er sich über ihre amateurhaften Bemühungen lustig machen.
Frustriert und durchgefroren brachen sie die Aktion im Morgengrauen ab. „Das bringt doch nichts“, knurrte Jason, als er sich die steifen Glieder rieb. „Wir brauchen einen besseren Plan. Wir müssen näher ran.“
Ihre nächste Idee war ebenso naiv wie gefährlich. Sie beschlossen, zu versuchen, in Nicks Müll nach Hinweisen zu suchen. In der folgenden Nacht schlichen sie sich in den Hinterhof des luxuriösen Apartmentkomplexes. Während Paul und Maria Schmiere standen, durchwühlten Jason und Alex die großen Müllcontainer. Der Gestank war widerlich, und das Gefühl der Demütigung, im Abfall eines anderen zu wühlen, nagte an ihnen. Sie fanden nichts als leere Champagnerflaschen, Verpackungen von teurem Essen und belanglose Werbepost. Es war eine weitere Sackgasse, eine weitere demütigende Niederlage.
Doch sie gaben nicht auf. Sie begannen, Nicks bekannte Routinen zu studieren. Sie wussten, dass er oft in einem bestimmten High-End-Restaurant zu Abend aß. Maria, die eleganteste der Gruppe, reservierte unter falschem Namen einen Tisch in der Nähe. Ausgestattet mit einem winzigen Mikrofon in ihrer Brosche, versuchte sie, seine Gespräche zu belauschen. Sie saß allein an ihrem Tisch, nippte an einem überteuerten Glas Wasser und tat so, als würde sie auf eine Verabredung warten. Nick saß nur wenige Tische entfernt, umgeben von einer Gruppe lachender, gut gekleideter Menschen. Maria konnte nur Wortfetzen aufschnappen. Es ging um Geschäfte, um Aktien, um oberflächliches Geplänkel. Nichts, was ihnen weiterhelfen konnte. Doch dann bemerkte sie den Blick eines der Männer an Nicks Tisch. Er sah sie nicht nur an, er musterte sie. Kalt, abschätzend, professionell. Es war derselbe Blick, den Paul und sie später bei der Begegnung mit den Männern in Schwarz sehen würden. Maria spürte eine Gänsehaut. Sie bezahlte ihre Rechnung und verließ das Restaurant so unauffällig wie möglich. Das Gefühl, ins Visier geraten zu sein, ließ sie nicht mehr los. Sie hatten die ersten Schatten am Rande von Nicks Welt bemerkt, und diese Schatten hatten zurückgeblickt.