Teil 1 von 6 · ~14 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 4: Staffel 4: Der Schatten des Unbekannten
Band 2, Staffel 4: Der Schatten des
Unbekannten
Alle Namen und Charaktere in dieser Geschichte sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen
Personen sind nicht beabsichtigt.
Teil 4.1 – Rückkehr in den Alltag
Der Escape Room hatte sie fünf Stunden festgehalten. Fünf Stunden, in denen jede Tür eine
Falle gewesen war, jeder Hinweis eine Lüge, jeder vermeintliche Ausweg in eine neue
Kammer geführt hatte, die enger war als die vorherige. Sie hatten sich nicht aufgegeben.
Das war das Einzige, was zählte.
Als die letzte Tür aufging und die Nachtluft sie traf, blieben sie alle kurz stehen. Niemand
sagte etwas. Horst atmete tief ein, die kalte Luft brannte in der Lunge, und er schaute auf
seine Freunde. Jason hatte eine Schnittwunde am Unterarm, die er mit einem Streifen
seines Hemdes abgebunden hatte. Paul hinkte leicht, das linke Knie geschwollen von einem
Sturz in der zweiten Kammer. Maria hielt sich den rechten Arm, nicht gebrochen, aber
gezerrt. Alex hatte einen Schnitt über der Augenbraue, der nicht mehr blutete, aber hässlich
aussah. Leon stand neben Horst und schaute geradeaus, das Gesicht leer auf die Art, die
bedeutete, dass er alles verarbeitete, was er nicht zeigen wollte.
Sie gingen. Nicht schnell, nicht langsam. Einfach weg von diesem Ort.
Das Taxi, das Jason rief, kam nach zwölf Minuten. Zwölf Minuten, in denen sie auf einer
Betontreppe saßen und schwiegen. Der Fahrer schaute sie an, als er ankam, sagte aber
nichts. Vielleicht hatte er schon Schlimmeres gesehen. Vielleicht war es ihm egal. Beides
war in Ordnung.
Sie fuhren zu Horsts Wohnung, weil die groß genug war und weil niemand allein sein wollte,
auch wenn niemand das sagte. Horst machte Tee, weil ihm nichts Besseres einfiel und weil
die Bewegung gut war, etwas zu tun, etwas Normales. Jason ließ sich die Wunde am Arm
von Maria verbinden, die trotz ihres gezogenen Muskels ruhige Hände hatte. Paul saß am
Tisch und schrieb in sein Notizbuch, nicht weil er Notizen brauchte, sondern weil Schreiben
für Paul das war, was Tee für Horst war. Leon saß auf dem Sofa und schaute auf sein Handy,
ohne es wirklich zu benutzen.
Alex sagte als Erster etwas Sinnvolles: "Wir müssen reden."
"Nicht heute Nacht", sagte Horst.
Alex schaute ihn an. "Wann dann?"
"Morgen. Heute schlafen."
Das war kein Befehl. Es war eine Bitte. Und alle verstanden das, weil sie Horst kannten und
weil sie alle erschöpft waren auf eine Art, die tiefer ging als körperliche Müdigkeit.
Die nächsten drei Tage versuchten sie, normal zu sein.
Das war schwieriger als alles, was sie im Escape Room getan hatten.
Horst stand morgens auf und machte Frühstück. Echtes Frühstück, nicht nur Kaffee,
sondern Eier und Toast und Orangensaft, weil das die Art von Frühstück war, die seine
Mutter immer gemacht hatte, und weil er in den letzten Wochen nicht daran gedacht hatte,
sich selbst zu ernähren wie ein Mensch. Leon aß mit ihm, schweigend meistens, aber da,
und das war genug.
Jason ging laufen. Jeden Morgen, sechs Uhr, eine Stunde, egal wie das Wetter war. Er hatte
das früher auch gemacht, vor allem dem, und er hatte aufgehört, als die Dinge kompliziert
geworden waren, und jetzt machte er es wieder, weil er merkte, dass er es gebraucht hatte.
Die Bewegung, die Luft, die Stille der frühen Morgenstunden, in der die Stadt noch nicht
aufgewacht war.
Paul arbeitete. Das war Pauls Art, normal zu sein. Er saß an seinem Computer und
analysierte Daten, die er in den letzten Wochen gesammelt hatte, Verbindungen zwischen
Personen, Geldflüsse, Kommunikationsmuster. Er machte das nicht für einen konkreten
Plan. Er machte es, weil Verstehen für Paul das war, was Laufen für Jason war.
Maria rief ihre Schwester an. Das war ungewöhnlich, weil Maria selten über ihr Privatleben
sprach und weil die Beziehung zu ihrer Schwester kompliziert war auf eine Art, die sie nie
erklärt hatte. Aber sie rief an, und das Gespräch dauerte zwei Stunden, und danach sah sie
anders aus, nicht besser oder schlechter, aber anders, als hätte sie etwas abgelegt.
Alex spielte Fußball. Allein, auf dem Platz hinter dem Bunker, wo niemand ihn störte. Er
schoss Bälle gegen die Wand, immer wieder, bis seine Arme schmerzten und sein Atem
rasselnd war. Das war nicht elegant und nicht produktiv, aber es half.
Leon las. Er hatte ein Buch aus der Schule mitgenommen, ein dickes, das er eigentlich für
den Unterricht brauchte, aber er las es nicht für die Schule. Er las es, weil die Welt im Buch
Regeln hatte, die er verstand, und weil das gut war.
Am vierten Tag trafen sie sich im Bunker.
Nicht weil jemand es geplant hatte. Sondern weil alle zur gleichen Zeit dort ankamen,
unabhängig voneinander, als hätten sie alle gespürt, dass es Zeit war.
Paul hatte seine Notizen ausgebreitet. Nicht auf dem Tisch, sondern an der Wand, mit
Klebestreifen, Verbindungslinien zwischen Namen und Daten und Orten. Es sah chaotisch
aus, aber Horst kannte Paul gut genug, um zu wissen, dass es das nicht war.
"Ich habe siebzehn", sagte Paul.
"Siebzehn was?", fragte Jason.
"Siebzehn aktive Bedrohungen. Siebzehn Personen oder Gruppen, die uns oder jemandem,
der mit uns verbunden ist, schaden wollen. Ich habe sie alle identifiziert, so gut ich kann."
Er zeigte auf die Wand. Siebzehn Namen oder Bezeichnungen, jeder mit einer kurzen Notiz
daneben.
Nick Lustieg. Viktor Lustieg. Sandra, Horsts Ex-Frau. Stichzicke. Erdnusszicke. Das Mädchen,
Lilith, siebzehn Jahre alt. Tobias, Alexs Cousin. Und zehn weitere, manche mit Namen,
manche nur mit Beschreibungen: der Fahrer, der Financier, die Frau mit den roten Haaren,
der Mann mit der Narbe.
Siebzehn.
Horst schaute auf die Wand und dachte, dass das viel war. Zu viel, um es direkt anzugehen.
Zu viel, um es zu ignorieren.
"Was wissen wir über jeden einzelnen?", fragte er.
"Unterschiedlich viel", sagte Paul. "Über Nick wissen wir am meisten. Über die letzten fünf
wissen wir fast nichts."
"Fangen wir mit dem an, was wir wissen", sagte Horst.
Sie arbeiteten vier Stunden. Paul erklärte, was er gefunden hatte. Jason stellte Fragen, die
praktisch waren und die auf Lücken in Pauls Analyse hinwiesen. Maria ergänzte
Informationen, die sie aus ihren eigenen Quellen hatte. Alex hörte zu und machte
gelegentlich Anmerkungen, die überraschend präzise waren.
Leon saß dabei und hörte zu. Er sprach nicht viel, aber er stellte eine Frage, die alle kurz
zum Schweigen brachte.
"Wer beobachtet uns?"
Alle schauten ihn an.
"Ich meine", sagte Leon, "wir reden darüber, wen wir beobachten und was wir über sie
wissen. Aber weiß jemand, wer uns beobachtet? Außer denen, die wir kennen?"
Stille.
Paul schaute auf seine Notizen. "Ich habe keine Hinweise auf eine unbekannte
Beobachtung."
"Aber das bedeutet nicht, dass es keine gibt", sagte Leon.
Horst schaute seinen Sohn an. Dreizehn Jahre alt, und er stellte die Frage, die keiner von
ihnen gestellt hatte.
"Nein", sagte Horst. "Das bedeutet es nicht."
Sie schwiegen alle. Und in dieser Stille, die ein paar Sekunden dauerte und die sich länger
anfühlte, wusste keiner von ihnen, dass die Antwort auf Leons Frage in diesem Moment auf
dem Dach des Gebäudes gegenüber saß und durch ein Fernglas auf das Bunker-Fenster
schaute.
Der Mann, der sich Moin nannte, hatte keine Ghostface-Maske. Noch nicht. Er trug eine
graue Jacke und hatte das Fernglas ruhig in den Händen, und er beobachtete sie mit der
Geduld von jemandem, der es gewohnt war zu warten.
Er hatte sie seit drei Wochen beobachtet. Er kannte ihre Routinen, ihre Schwächen, ihre
Verbindungen zueinander. Er wusste, wann Horst frühstückte und wann Jason lief und
wann Paul arbeitete. Er wusste, dass Leon das Klügste in der Gruppe war, auch wenn die
anderen das noch nicht vollständig erkannt hatten.
Er wusste alles, was er wissen musste.
Und er wartete noch. Nicht weil er nicht bereit war. Sondern weil der richtige Moment noch
nicht gekommen war.
Der richtige Moment würde kommen. Er kam immer.
Wortanzahl nach Teil 4.1: ca. 1.450 Wörter
Teil 4.2 – Die Pläne der Bösen
Siebzehn Menschen, die alle Rache wollten. Siebzehn Menschen, die alle allein arbeiteten,
weil das Netzwerk zerfallen war und weil keiner dem anderen mehr vertraute. Siebzehn
Menschen, die alle auf ihre eigene Art gefährlich waren.
Nick Lustieg saß in seiner neuen Wohnung, die er unter einem falschen Namen gemietet
hatte, und schrieb Listen. Das war Nicks Art zu denken: Listen, Pläne, Schritte. Er schrieb
auf, was er hatte, was er brauchte, was er tun musste. Er hatte seinen Vater zurück, und das
war mehr, als er erwartet hatte. Viktor war nicht mehr der Mann, der er gewesen war, bevor
er verhaftet worden war. Er war härter geworden, kälter, präziser. Das war gut. Das war
genau das, was Nick brauchte.
Sein Plan war einfach. Nicht elegant, nicht subtil, aber einfach: Kaiser Horst vernichten.
Nicht töten. Vernichten. Seinen Ruf, seine Freiheit, seine Beziehungen. Ihn in ein Gefängnis
bringen, aus dem er nicht herauskommt. Ihn so darstellen, dass niemand ihm glaubt, wenn
er die Wahrheit sagt.
Dafür brauchte er Zeit und Technologie. Beides hatte er.
Viktor Lustieg saß in einem anderen Teil der Stadt und dachte nach. Er dachte nicht in
Listen. Er dachte in Strukturen, in Verbindungen, in Abhängigkeiten. Er hatte in den Jahren
im Gefängnis viel Zeit gehabt, nachzudenken, und er hatte diese Zeit genutzt. Er hatte
Fehler analysiert, seine eigenen und die anderer. Er hatte verstanden, wo er falsch gelegen
hatte.
Er hatte zu direkt gehandelt. Zu sichtbar. Das war sein Fehler gewesen. Diesmal würde er
unsichtbar bleiben. Diesmal würde er durch andere handeln, durch Menschen, die nichts
mit ihm in Verbindung gebracht werden konnten.
Er hatte bereits drei solcher Menschen identifiziert. Alle drei hatten Gründe, Kaiser Horst zu
schaden. Alle drei wussten nicht voneinander. Viktor würde sie alle benutzen, ohne dass
einer von ihnen wusste, dass er benutzt wurde.
Das war eleganter. Das war besser.
Sandra, Horsts Ex-Frau, saß in ihrer Wohnung und trank Wein. Das war neu, das Wein
trinken, weil sie früher nicht getrunken hatte, aber die letzten Monate hatten etwas in ihr
verändert. Sie dachte an Leon. Sie dachte an das, was sie geplant hatte, und an das, was sie
dann getan hatte, als sie die Polizei angerufen hatte, und sie wusste nicht, ob das die
richtige Entscheidung gewesen war.
Aber sie dachte auch an Horst. An die Art, wie er sie behandelt hatte, an die Jahre, in denen
sie sich unsichtbar gefühlt hatte, an die Entscheidungen, die er getroffen hatte, ohne sie zu
fragen. Die Wut war noch da. Sie war kleiner geworden, aber sie war noch da.
Sie hatte keinen konkreten Plan. Aber sie hatte die Entschlossenheit, dass es nicht so
bleiben konnte, wie es war.
Stichzicke und Erdnusszicke arbeiteten zusammen, weil sie immer zusammengearbeitet
hatten und weil keiner von ihnen allein besonders effektiv war. Sie hatten ein Ziel: die
Gruppe um Horst so schwächen, dass sie keine Bedrohung mehr darstellte. Nicht töten, das
war zu riskant. Aber verletzen, einschüchtern, destabilisieren.
Sie hatten bereits einen Plan. Er war nicht subtil, aber er war effektiv. Sie würden warten,
bis die Gruppe sich sicher fühlte, und dann zuschlagen, an einem Ort und zu einer Zeit, die
sie wählten.
Lilith, siebzehn Jahre alt, saß in ihrem Zimmer und schaute auf ihr Handy. Sie hatte in den
letzten Wochen viel nachgedacht. Nicht über Rache, nicht wirklich. Sondern über sich
selbst, über das, was sie getan hatte, über die Entscheidungen, die sie getroffen hatte.
Sie war siebzehn. Sie hatte Menschen verletzt. Sie hatte Dinge getan, die sie nicht
rückgängig machen konnte.
Aber sie hatte auch etwas anderes gespürt, in den Momenten, in denen sie nicht gehandelt
hatte, sondern nur beobachtet. Sie hatte gespürt, dass das, was sie tat, nicht das war, was
sie sein wollte. Dass die Wut, die sie antrieb, nicht ihre eigene war, sondern etwas, das ihr
gegeben worden war, von Menschen, die sie benutzt hatten.
Sie wusste noch nicht, was sie damit anfangen sollte. Aber sie dachte darüber nach.
Tobias, Alexs Cousin, hatte einen einfachen Plan: Alex konfrontieren. Nicht mit Gewalt,
nicht mehr. Sondern mit der Wahrheit. Mit allem, was Alex ihm angetan hatte, mit allen
Entscheidungen, die Alex getroffen hatte, die Tobias' Leben zerstört hatten. Er wollte, dass
Alex verstand. Er wollte, dass Alex litt, nicht körperlich, sondern auf die Art, die tiefer ging.
Er hatte einen Brief geschrieben. Zehn Seiten, handgeschrieben, in denen er alles
aufgeschrieben hatte. Er hatte ihn noch nicht abgeschickt. Aber er würde es tun.
Die anderen zehn hatten alle ihre eigenen Pläne, ihre eigenen Wunden, ihre eigenen
Gründe. Manche waren gefährlich, manche waren verzweifelt, manche waren beides.
Keiner von ihnen arbeitete mit den anderen zusammen, weil das Netzwerk zerfallen war
und weil Vertrauen das Erste war, das zerstört wurde, wenn ein Netzwerk zerfiel.
Siebzehn Menschen, siebzehn Pläne, siebzehn verschiedene Arten, Schaden anzurichten.
Und keiner von ihnen wusste von Moin.
Das war das Interessante. Das war das, was die Situation so gefährlich machte. Nicht die
siebzehn, die Horst und seine Freunde kannte. Sondern der eine, den keiner kannte.
Moin hatte alle siebzehn beobachtet. Er kannte ihre Pläne, ihre Schwächen, ihre
Verbindungen. Er kannte sie besser, als sie sich selbst kannten. Und er hatte entschieden,
keinen von ihnen zu benutzen. Nicht weil er es nicht konnte, sondern weil er es nicht
brauchte.
Er hatte seinen eigenen Plan. Und sein Plan war besser als alle siebzehn zusammen.
Der Financier, den Paul als einen der unbekannten Akteure identifiziert hatte, war
tatsächlich ein Geschäftsmann, der Horst aus einem anderen Grund hasste: Horst hatte vor
Jahren in einem Prozess ausgesagt, der den Financier Millionen gekostet hatte. Der
Financier hatte nicht vergessen. Er hatte gewartet. Und jetzt, da Horst geschwächt war, sah
er seine Gelegenheit.
Er hatte Geld. Viel Geld. Und Geld konnte viele Dinge kaufen, auch Informationen, auch
Einfluss, auch Menschen, die bereit waren, Dinge zu tun, die andere nicht taten.
Er hatte bereits begonnen, Informationen zu sammeln. Nicht über Horst direkt, sondern
über Horsts Verbindungen, über die Menschen um ihn herum, über die Schwachstellen in
seinem Netzwerk.
Die Frau mit den roten Haaren war eine Journalistin, die eine Geschichte über Horst
schreiben wollte. Nicht weil sie ihn hasste, sondern weil sie eine Geschichte brauchte und
weil Horst interessant war. Sie hatte Quellen, die ihr Dinge erzählt hatten, die nicht
stimmten, aber die gut klangen, und sie hatte noch nicht überprüft, ob sie stimmten, weil
die Geschichte zu gut war, um sie zu überprüfen.
Das war gefährlich auf eine andere Art. Nicht die Art von Gefahr, die man sah. Die Art, die
man nicht sah, bis es zu spät war.
Der Mann mit der Narbe hatte einen persönlichen Grund, der nichts mit Horst zu tun hatte
und alles mit Jason. Jason hatte vor Jahren etwas getan, das dem Mann mit der Narbe das
Leben zerstört hatte, und der Mann hatte nicht vergessen. Er hatte gewartet, wie Viktor
gewartet hatte, mit der Geduld von jemandem, der weiß, dass der richtige Moment kommt.
Siebzehn Menschen. Siebzehn Pläne. Siebzehn Arten von Gefahr.
Und alle von ihnen, ohne es zu wissen, wurden von einem einzigen Mann beobachtet, der
auf dem Dach eines Gebäudes saß und durch ein Fernglas schaute und wartete.
Wortanzahl nach Teil 4.2: ca. 2.750 Wörter (kumulativ)
Teil 4.3 – Das Deepfake
Nick hatte drei Wochen gebraucht, um das Material zusammenzustellen. Drei Wochen, in
denen er Videos gesammelt hatte, Aufnahmen von Horst, aus verschiedenen Quellen,
öffentliche Auftritte, Überwachungskameras, private Videos, die er durch Kontakte
bekommen hatte. Drei Wochen, in denen er mit einem Techniker zusammengearbeitet
hatte, der gut war, sehr gut, gut genug, dass das Ergebnis überzeugend war.
Das Video zeigte Kaiser Horst, wie er einen Mann schlug. Nicht einmal, nicht zweimal,
sondern wiederholt, systematisch, bis der Mann am Boden lag. Das Video zeigte Horsts
Gesicht, klar, unverkennbar. Es zeigte seine Hände. Es zeigte den Mann am Boden, der sich
nicht mehr bewegte.
Der Mann am Boden war real. Er war tot. Er war vor zwei Wochen in einem anderen Teil der
Stadt gefunden worden, und die Polizei hatte keinen Verdächtigen.
Jetzt hatten sie einen.
Nick schickte das Video an drei verschiedene Empfänger gleichzeitig: die Polizei, eine
Nachrichtenredaktion und den Financier, der es an weitere Kontakte weiterleitete.
Innerhalb von sechs Stunden war das Video überall.
Horst erfuhr davon durch einen Anruf von Paul, der es zuerst sah.
"Es gibt ein Video", sagte Paul. Seine Stimme war ruhig, aber Horst kannte Paul gut genug,
um zu wissen, dass ruhig nicht bedeutete, dass alles in Ordnung war.
"Was für ein Video?"
"Von dir. Es zeigt dich, wie du jemanden schlägst. Den Mann, der vor zwei Wochen tot
gefunden wurde."
Stille.
"Ich war das nicht", sagte Horst.
"Ich weiß", sagte Paul. "Aber das Video ist sehr gut. Sehr überzeugend."
"Wie gut?"
"Gut genug, dass die Polizei bereits einen Haftbefehl beantragt hat."