Teil 1 von 6 · ~14 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 5: Staffel 5: Flucht ohne Grenzen
Band 2, Staffel 5 – „Flucht ohne Grenzen"
Alle Namen und Charaktere in dieser Geschichte sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen
Personen sind nicht beabsichtigt.
Neue Charaktere
Neue Helden:
• Rafael – großer Mann mit Brille und Bart, ruhig und besonnen, ehemaliger
Sicherheitsberater, kennt Nordkorea aus einer früheren Mission
• Esther – Frau mit dunklen Haaren, schnell und entschlossen, spricht vier Sprachen, war
früher Journalistin in Krisengebieten
• Thomas – Mann mit Brille und Jacke, analytisch und direkt, kennt sich mit
Grenzübertritten und Schmugglerrouten aus
Neuer Bösewicht:
• Kevin – Sohn von Sandra (Horsts Ex-Frau), trägt immer Kopfhörer, kahl, Brille, kalt und
berechnend, hasst Kaiser Horst, weil er glaubt, dass Horst seine Mutter unglücklich
gemacht hat
Teil 5.1 – Der Sohn der Ex-Frau
Die Nachricht von Horsts Freilassung aus dem Gefängnis verbreitete sich schnell. Nicht
durch die Medien, nicht durch offizielle Kanäle, sondern durch das Netzwerk der Menschen,
die an dieser Geschichte beteiligt waren. Jeder, der einen Grund hatte, Horst zu
beobachten, wusste es innerhalb von Stunden.
Kevin wusste es innerhalb von zwanzig Minuten.
Er saß in seinem Zimmer, als die Nachricht auf seinem Handy erschien. Das Zimmer war
dunkel, die Vorhänge zugezogen, der einzige Lichtschein kam von zwei Monitoren, auf
denen Daten liefen. Kevin trug seine Kopfhörer, wie immer, aber die Musik war aus. Er
benutzte die Kopfhörer nicht zum Musikhören. Er benutzte sie, um die Welt draußen zu
dämpfen.
Er las die Nachricht zweimal. Dann legte er das Handy hin und schaute auf die Monitore.
Horst war frei.
Das war ein Problem.
Kevin war zweiundzwanzig Jahre alt und hatte die letzten vier Jahre damit verbracht,
seinen Stiefvater zu beobachten. Nicht weil er ihn liebte. Weil er ihn verstand. Weil er
wusste, wie Horst dachte, wie er plante, was ihn antrieb. Weil er seine Mutter kannte und
wusste, was Horst ihr angetan hatte, nicht durch Gewalt, nicht durch offene Grausamkeit,
sondern durch die Art, wie er immer zuerst an sich selbst dachte.
Es gab eine Erinnerung, die Kevin nicht losließ. Er war acht Jahre alt gewesen, und seine
Mutter hatte geweint, leise, in der Küche, mit dem Rücken zur Tür, weil sie dachte, er schlief.
Er hatte nicht geschlafen. Er hatte durch den Türspalt geschaut und gesehen, wie sie die
Hände um eine Kaffeetasse gefaltet hatte, als wäre die Wärme das Einzige, was sie noch
hielt. Horst war nicht da gewesen. Horst war nie da gewesen, wenn es darauf ankam. Er war
bei seinen Freunden gewesen, bei seinen Plänen, bei seinen Abenteuern, die er wichtiger
fand als das stille Weinen seiner Frau in der Küche.
Kevin hatte das nie vergessen. Nicht die Erinnerung selbst, sondern das Gefühl, das sie
hinterlassen hatte: die Erkenntnis, dass manche Menschen andere Menschen verbrauchen,
ohne es zu merken, und dass niemand sie dafür zur Rechenschaft zog.
Sandra hatte Horst geliebt. Das war das Problem gewesen. Sie hatte ihn so sehr geliebt,
dass sie sich selbst vergessen hatte, und als die Ehe auseinanderging, hatte sie nichts mehr
gehabt. Keine Identität, keine Freunde, keine Pläne. Nur Schmerz. Kevin hatte zugeschaut,
wie sie sich langsam wieder aufgebaut hatte, Monat für Monat, Jahr für Jahr, und er hatte
jeden Schritt bewundert, weil er wusste, wie schwer es war. Aber er hatte auch jeden Schritt
mit dem Wissen beobachtet, dass Horst schuld war. Dass Horst nie bezahlt hatte. Dass Horst
weitergelebt hatte, als wäre nichts gewesen.
Kevin hatte das gesehen. Er hatte es als Kind gesehen, und er hatte es als Jugendlicher
gesehen, und er hatte es als junger Erwachsener gesehen, und jedes Mal hatte er gedacht:
Das ist Horsts Schuld.
Ob das stimmte, war eine andere Frage. Aber Kevin glaubte es, und was man glaubt, formt,
wie man handelt. Und Kevin hatte vier Jahre damit verbracht, seine Überzeugung zu einer
Strategie zu machen.
Er stand auf und zog seine Jacke an. Er würde zu seiner Mutter fahren.
Sandra öffnete die Tür, als er klingelte. Sie sah müde aus, wie immer in letzter Zeit, die
Augen leicht gerötet, die Haare nicht gekämmt. Sie trug einen Morgenmantel, obwohl es
Nachmittag war.
"Kevin", sagte sie. "Ich habe nicht gewusst, dass du kommst."
"Ich weiß", sagte er. "Kann ich rein?"
Sie ließ ihn rein. Die Wohnung war ordentlich, aber kalt, die Art von Ordentlichkeit, die
entsteht, wenn man nichts anfasst, weil man keine Energie hat, Dinge zu bewegen.
Kevin setzte sich an den Küchentisch. Sandra machte Kaffee, weil das das war, was man tat,
wenn jemand kam.
"Er ist frei", sagte Kevin.
Sandra stellte die Kaffeekanne ab. "Ich weiß."
"Und?"
"Und nichts." Sie setzte sich ihm gegenüber. "Was soll ich sagen, Kevin? Er ist frei. Das
Gericht hat entschieden."
"Das Gericht hat entschieden, dass er unschuldig ist. Das bedeutet nicht, dass er es ist."
Sandra schaute ihn an. "Kevin."
"Was?"
"Er ist unschuldig. Das Video war gefälscht. Das haben Experten bestätigt."
"Experten, die seine Freunde gefunden haben."
"Experten, die das Gericht bestätigt hat." Sie trank ihren Kaffee. "Ich weiß, dass du ihn nicht
magst. Ich weiß, warum. Aber er hat mir nicht das angetan, was du denkst."
"Er hat dich unglücklich gemacht."
"Ich habe mich unglücklich gemacht." Sie sagte es ruhig, ohne Dramatik. "Das ist meine
Verantwortung, nicht seine."
Kevin schwieg. Das war nicht das, was er hören wollte. Das war nicht das, was er erwartet
hatte. Er hatte erwartet, dass seine Mutter wütend war, dass sie Bestätigung wollte, dass sie
ihm sagen würde: Du hast recht, er ist schuld.
Stattdessen saß sie da und trank Kaffee und sagte: Das ist meine Verantwortung.
"Ich habe Bilder", sagte Kevin.
Sandra schaute ihn an. "Was für Bilder?"
"Von ihm. Von seinen Freunden. Von allem, was er getan hat." Er zog sein Handy heraus und
legte es auf den Tisch. "Ich habe sie gesammelt. Seit Jahren."
Sandra schaute auf das Handy, dann auf Kevin. "Was willst du damit machen?"
"Ich weiß es noch nicht." Das war eine Lüge. Er wusste es genau. "Aber ich wollte, dass du
weißt, dass ich sie habe."
Sandra schob das Handy zurück zu ihm. "Kevin. Hör mir zu." Sie wartete, bis er sie
anschaute. "Lass es los. Was auch immer du planst, lass es los. Horst ist nicht dein Feind. Er
ist der Vater deines Halbbruders. Er ist ein Mensch, der Fehler gemacht hat. Wie wir alle."
Kevin nahm das Handy und steckte es in die Tasche. Er sagte nichts mehr.
Aber er ließ es nicht los.
Später, in seiner Wohnung, druckte er die Bilder aus. Alle Bilder, die er gesammelt hatte.
Horst, Jason, Paul, Maria, Alex, Leon. Jeder einzelne. Er legte sie auf den Tisch und schaute
sie an.
Dann holte er ein Feuerzeug.
Er verbrannte die Bilder nicht aus Wut. Er verbrannte sie aus Entschlossenheit. Weil das
Verbrennen von Bildern ein Ritual war, eine Handlung, die sagte: Das ist vorbei. Das ist
abgeschlossen. Jetzt fängt etwas Neues an.
Das Papier kräuselte sich, wurde braun, wurde schwarz, fiel zu Asche. Horsts Gesicht
verschwand zuerst. Dann Jasons. Dann Pauls. Dann Marias. Dann Alexs. Dann Leons.
Leon.
Kevin hielt inne, als Leons Bild brannte. Leon war sein Halbbruder. Das war eine Tatsache,
die er nie vergessen hatte, aber die er auch nie wirklich verarbeitet hatte. Ein Halbbruder,
den er nie getroffen hatte, der in einer anderen Welt aufgewachsen war, der Horsts Sohn
war und damit auf der anderen Seite stand.
Oder stand er auf der anderen Seite? Kevin hatte sich das manchmal gefragt. Leon war
dreizehn Jahre alt. Leon hatte keine Entscheidung getroffen, auf Horsts Seite zu stehen. Er
war einfach dort aufgewachsen. Das war etwas anderes.
Aber das änderte nichts an dem Plan.
Kevin schaute zu, wie Leons Bild zu Asche wurde, und dachte: Ich werde dir nichts antun.
Das ist nicht der Plan. Der Plan ist, deinen Vater zur Rechenschaft zu ziehen. Nicht dich.
Ob das stimmte, ob er dieses Versprechen halten konnte, wusste er nicht. Aber er dachte es,
und das war genug für den Moment.
Er schaute zu, wie die letzten Bilder brannten, und dachte an das, was als nächstes kam.
Er hatte Pläne. Nicht die Pläne seiner Mutter, die aufgehört hatte zu kämpfen. Nicht die
Pläne von Nick, der zu laut war und zu sichtbar und der deshalb immer scheiterte. Nicht die
Pläne von Viktor, der zu emotional war. Nicht die Pläne von Gregor, der zu komplex dachte.
Seine eigenen Pläne. Einfach, direkt, präzise.
Kevin hatte vier Jahre lang beobachtet. Er wusste, wie Horst dachte. Er wusste, was Horst
schützte. Er wusste, was Horst fürchtete.
Und er wusste, dass der beste Weg, jemanden zu treffen, nicht durch direkte Konfrontation
war. Sondern durch das, was man ihm wegnahm.
Er würde warten. Er war gut im Warten.
Und während er wartete, würde er beobachten.
Und während er beobachtete, würde er lernen.
Und wenn der richtige Moment kam, würde er handeln.
Das war Kevins Art.
Und Kevin war sehr gut in dem, was er tat.
Teil 5.2 – Der Plan und der Angriff des Kuseng
Drei Tage nach Horsts Freilassung trafen sich die Helden im Bunker. Nicht alle gleichzeitig,
sondern in kleinen Gruppen, weil der Bunker nicht groß genug war für alle auf einmal, und
weil Vorsicht wichtiger war als Effizienz.
Horst kam zuerst. Dann Jason und Paul. Dann Maria und Alex. Leon kam zuletzt, weil er
noch in der Schule gewesen war.
Sie setzten sich um den Tisch, der in der Mitte des Bunkers stand, und Paul öffnete seinen
Laptop.
"Ich habe die letzten drei Wochen genutzt", sagte Paul. "Während ihr im Gefängnis wart und
ich... nicht im Gefängnis war." Er machte eine kurze Pause. "Ich habe Nicks neues
Hauptquartier gefunden."
"Wo?", fragte Horst.
"Das ist das Problem." Paul drehte den Laptop, sodass alle den Bildschirm sehen konnten.
"Es ist kein fester Ort. Nick bewegt sich. Aber er hat ein Muster. Er kehrt immer zu
bestimmten Orten zurück. Und einer dieser Orte ist ein verlassenes Parkhaus am
Stadtrand."
"Das klingt wie eine Falle", sagte Jason.
"Das klingt genau wie eine Falle", sagte Paul. "Aber es ist trotzdem der beste Hinweis, den
wir haben."
Sie diskutierten. Horst hörte zu, stellte Fragen, ließ die anderen reden. Das war seine Art in
Planungsgesprächen: zuhören, bis er genug wusste, um eine Entscheidung zu treffen.
Jason wollte sofort handeln. Das war Jasons Art. Er saß nicht gerne still, wenn es etwas zu
tun gab, und das Warten auf den richtigen Moment war für ihn immer schwerer als der
Moment selbst. "Wir wissen, wo er ist. Wir gehen hin. Wir holen ihn."
"Und wenn es eine Falle ist?", fragte Paul.
"Dann kämpfen wir uns raus."
"Wir sind sechs", sagte Paul. "Nick hat mindestens zwanzig Leute."
"Dann kämpfen wir uns gegen zwanzig raus."
Maria schaute ihn an. "Jason."
"Was?"
"Wir kämpfen uns nicht gegen zwanzig raus. Das ist kein Film."
Jason lehnte sich zurück. Er wusste, dass sie recht hatte. Er wusste es immer, wenn Maria so
redete, mit dieser ruhigen Direktheit, die keine Diskussion zuließ. Aber das änderte nichts
daran, dass das Warten sich falsch anfühlte.
Alex sagte nichts, wie meistens. Er saß am Rand des Tisches und schaute auf die Karte, die
Paul ausgebreitet hatte. Seine Hände lagen flach auf dem Tisch, und Horst kannte dieses
Zeichen: Alex dachte nach, und wenn Alex nachdachte, war es besser, ihn nicht zu
unterbrechen.
Leon schrieb. Er schrieb alles mit, jede Idee, jeden Einwand, jede Zahl. Sein Notizbuch war
voll mit kleinen, präzisen Buchstaben, die niemand außer ihm lesen konnte, weil er eine
eigene Kurzschrift entwickelt hatte.
Die Entscheidung, die Horst traf, war: Wir gehen zum Parkhaus. Aber wir gehen vorbereitet.
Sie planten zwei Stunden. Wer geht, wer bleibt, welche Route, welche Ausrüstung, welche
Ausweichpläne. Leon saß dabei und schrieb mit, weil Leon immer mitschrieb.
Und dann, mitten in der Planung, öffnete sich die Tür des Bunkers.
Nicht langsam. Nicht vorsichtig. Mit einem Knall, der den Staub von den Wänden fallen ließ.
Tobias stand in der Tür.
Er war nicht allein. Hinter ihm standen vier Männer, die Horst nicht kannte, Männer mit der
Art von Körperhaltung, die sagte: Wir sind hier, um Schaden anzurichten.
"Tobias", sagte Horst.
"Horst." Tobias schaute ihn an. Er sah schlechter aus als beim letzten Mal, dünner, die
Augen tiefer in den Höhlen. "Ich bin nicht hier, um zu reden."
"Wofür bist du dann hier?"
"Nick hat mich geschickt." Tobias machte einen Schritt in den Bunker. "Er möchte, dass ihr
aufhört."
"Aufhört womit?"
"Aufhört, ihn zu suchen. Aufhört, Pläne zu machen. Aufhört, überhaupt noch relevant zu
sein." Er zog etwas aus der Tasche. Keine Waffe. Ein Dokument. "Er hat etwas vorbereitet.
Wenn ihr nicht aufhört, wird dieses Dokument an die Presse gehen."
Paul stand auf und nahm das Dokument. Er las es schnell, und sein Gesicht veränderte sich.
"Was ist das?", fragte Horst.
"Gefälschte Beweise", sagte Paul. "Wieder. Diesmal nicht ein Video. Dokumente.
Kontoauszüge, E-Mails, Fotos. Alles gefälscht, aber gut genug, um Zweifel zu säen."
"Zweifel an was?"
"An allem." Paul legte das Dokument auf den Tisch. "An dir, an Jason, an mir. An Leon."
Stille.
"An Leon", wiederholte Horst.
"Ja."
Horst schaute Tobias an. "Du weißt, was das bedeutet."
"Ich weiß, was Nick mir gesagt hat."
"Tobias." Horst stand auf. "Du weißt, dass das falsch ist. Du weißt, dass Leon dreizehn Jahre
alt ist. Du weißt, dass er nichts getan hat."
Tobias schaute ihn an, und für einen Moment, einen kurzen Moment, sah Horst etwas in
seinen Augen. Nicht Überzeugung. Zweifel.
Aber dann war es weg.
"Ich tue, was ich tun muss", sagte Tobias.
Was dann passierte, geschah schnell.
Die vier Männer hinter Tobias bewegten sich gleichzeitig. Jason reagierte als Erster, weil
Jason immer als Erster reagierte, wenn Gefahr kam. Er warf sich zur Seite, griff nach dem
nächsten schweren Gegenstand, einem Metallstuhl, und schwang ihn.
Paul zog Leon hinter sich.
Maria griff nach dem Laptop und warf ihn als Ablenkung.
Alex stand auf und stellte sich zwischen die Männer und Horst.
Der Kampf dauerte vielleicht zwei Minuten. Nicht weil die Helden gewannen, sondern weil
die Männer nicht hier waren, um zu kämpfen. Sie waren hier, um zu sperren. Und das taten
sie.
Nicht mit Ketten oder Schlössern. Mit Technik. Einer der Männer hatte ein Gerät, das er an
die Wand des Bunkers befestigte, und dann war die Tür zu. Nicht physisch, sondern
elektronisch. Das Gerät sendete ein Signal, das alle elektronischen Schlösser im Bunker
aktivierte.
Sie saßen fest.
Tobias stand in der Tür, die Männer hinter ihm. "Nick schickt euch Grüße", sagte er. "Und er
lässt euch ausrichten: Ihr habt drei Tage. Dann wird das Dokument veröffentlicht."
Dann gingen sie.
Die Tür schloss sich hinter ihnen.
Und die Helden saßen im Bunker.
"Gut", sagte Jason nach einer Pause.
"Gut?", fragte Maria.
"Gut, dass wir einen Notausgang haben." Er zeigte auf die Wand. "Hinter dem Regal. Ich
habe ihn vor zwei Monaten eingebaut, als niemand zugeschaut hat."
Paul schaute ihn an. "Du hast einen Notausgang eingebaut und niemandem gesagt?"
"Ich habe es jetzt gesagt."
Der Notausgang führte durch einen engen Tunnel, der hinter dem Bunker in einem alten
Kanalschacht endete. Sie krochen einer nach dem anderen hindurch, Leon zuerst, weil er
der Kleinste war, dann die anderen.
Als sie draußen waren, standen sie in einer Gasse, die nach Regen und Beton roch.
"Wir brauchen einen neuen Plan", sagte Horst.
"Wir brauchen einen neuen Ort", sagte Paul. "Der Bunker ist kompromittiert."
"Wir brauchen einen Weg, Tobias aufzuhalten", sagte Alex.
"Wir brauchen alle drei", sagte Leon.
Sie schauten ihn an.
"Zuerst einen neuen Ort. Dann einen Plan gegen das Dokument. Dann Tobias." Er schaute
auf seine Notizen. "In dieser Reihenfolge."
Horst nickte. "In dieser Reihenfolge."
Aber bevor sie irgendetwas tun konnten, klingelte Pauls Handy. Er schaute auf das Display
und runzelte die Stirn.
"Wer ist das?", fragte Horst.
"Eine unbekannte Nummer." Paul nahm ab. "Ja?"
Eine Pause.
"Verstanden." Er legte auf.
"Was?", fragte Jason.
"Jemand hat uns beobachtet. Jemand, der sagt, er kann helfen." Paul schaute auf das
Handy. "Er sagt, wir sollen in zwei Stunden am alten Bahnhof sein."
"Das klingt wie eine Falle", sagte Jason.
"Das klingt genau wie eine Falle", sagte Paul. "Aber wir haben gerade keine anderen
Optionen."
Sie gingen zum alten Bahnhof.