Teil 2 von 6 · ~13 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 5: Staffel 5: Flucht ohne Grenzen
Und dort warteten drei Menschen, die sie noch nie gesehen hatten.
Teil 5.3 – Nordkorea und die Flucht
Der Mann, der am alten Bahnhof wartete, hieß Rafael. Er war groß, hatte eine Brille und
einen Bart, und er stand mit der Ruhe eines Menschen, der viele gefährliche Situationen
überlebt hatte und deshalb aufgehört hatte, sich über sie aufzuregen.
Neben ihm stand eine Frau, die sich als Esther vorstellte. Dunkle Haare, schnelle Augen, die
Art von Aufmerksamkeit, die sagte: Ich bemerke alles. Und ein Mann namens Thomas, der
eine Jacke trug und sofort anfing, Fragen zu stellen, präzise Fragen, die zeigten, dass er
bereits viel wusste.
"Wer seid ihr?", fragte Horst.
"Menschen, die das gleiche Problem haben wie ihr", sagte Rafael. "Tobias. Nick. Das
Netzwerk."
"Warum sollten wir euch vertrauen?"
"Das solltet ihr nicht." Rafael sagte es ohne Umschweife. "Nicht sofort. Aber wir haben
Informationen, die ihr braucht, und ihr habt Fähigkeiten, die wir brauchen. Das ist kein
Vertrauen. Das ist Pragmatismus."
Horst schaute ihn an. Dann schaute er auf Jason, der leicht nickte. Dann auf Paul, der die
Schultern hob. Dann auf Leon, der Rafael beobachtete mit der Intensität, die er für
Menschen reservierte, die er noch nicht einschätzen konnte.
"Was für Informationen?", fragte Horst.
"Tobias hat einen Plan", sagte Rafael. "Nicht nur das Dokument. Das Dokument ist die
Ablenkung. Der eigentliche Plan ist, euch aus dem Land zu bringen. Weit weg. Irgendwo, wo
ihr keinen Einfluss mehr habt."
"Wohin?"
"Nordkorea."
Stille.
"Nordkorea", wiederholte Jason.
"Ja." Rafael öffnete eine Tasche und holte eine Karte heraus. "Tobias hat Kontakte. Nicht
direkte Kontakte, aber über Mittelsmänner. Er hat einen Weg gefunden, euch dorthin zu
bringen. Offiziell als Journalisten, die über die Grenzregion berichten."
"Und dann?"
"Und dann seid ihr dort. Und kommt nicht mehr raus."
Horst schaute auf die Karte. "Wie weißt du das?"
"Weil ich einer der Mittelsmänner war." Rafael sagte es ohne Entschuldigung. "Ich habe die
Kontakte hergestellt, bevor ich wusste, wofür sie benutzt werden sollten. Als ich es
herausfand, habe ich mich geweigert. Das hat Konsequenzen gehabt."
Er zog seinen Ärmel hoch. Eine Narbe, frisch, noch rosa.
"Ich bin nicht mehr auf Tobias' Seite", sagte er. "Falls das die Frage war."
Sie redeten noch eine Stunde. Rafael, Esther und Thomas erklärten, was sie wussten. Die
Helden stellten Fragen. Leon schrieb mit.
Am Ende sagte Horst: "Wir arbeiten zusammen. Aber ihr macht, was wir sagen."
"Nein", sagte Rafael.
"Nein?"
"Wir arbeiten zusammen. Gleichberechtigt. Ihr macht nicht, was wir sagen, und wir machen
nicht, was ihr sagt. Wir entscheiden gemeinsam." Er schaute Horst an. "Das ist die einzige
Art, wie das funktioniert."
Horst dachte nach. Dann nickte er.
"Gleichberechtigt."
Was sie nicht wussten, was keiner von ihnen wusste, war, dass Tobias seinen Plan bereits in
Gang gesetzt hatte. Nicht in zwei Tagen, nicht in einer Woche. Jetzt.
Die Männer kamen um Mitternacht.
Nicht zum Bahnhof, weil der Bahnhof leer war. Sondern zu den Wohnungen. Zu Jasons
Wohnung, zu Pauls Wohnung, zu Marias Wohnung. Zu Horsts Wohnung.
Sie fanden niemanden, weil die Helden nicht mehr dort waren. Aber sie fanden Dokumente,
Laptops, persönliche Gegenstände. Und sie nahmen alles mit.
Und dann, am nächsten Morgen, erschienen die Helden auf einer Liste. Einer offiziellen
Liste, die an die Botschaft weitergeleitet wurde. Eine Liste von Journalisten, die für einen
Austausch zwischen Deutschland und der Demokratischen Volksrepublik Korea vorgesehen
waren.
Tobias hatte schnell gearbeitet.
Zu schnell.
Bevor die Helden reagieren konnten, bevor Rafael seine Kontakte nutzen konnte, bevor
irgendjemand einen Plan machen konnte, wurden sie abgeholt. Nicht gewaltsam, nicht mit
Waffen. Mit Papieren. Offiziellen Papieren, die besagten, dass sie freiwillig an einem
Austauschprogramm teilnahmen.
Und dann saßen sie in einem Flugzeug.
Und das Flugzeug flog nach Osten.
Die Ankunft in Pjöngjang war surreal. Der Flughafen war sauber und leer, die Art von
Leerheit, die entsteht, wenn ein Ort für Besucher hergerichtet wird, nicht für Menschen, die
dort leben. Uniformierte Männer standen an jeder Ecke. Kameras an jeder Wand.
Ein Offizieller begrüßte sie. Er sprach Deutsch, gut, mit einem leichten Akzent. Er erklärte,
dass sie in einem Gästehaus untergebracht würden, dass sie morgen mit ihrem Programm
beginnen würden, dass sie sich an die Regeln halten sollten.
Die Regeln waren lang.
Horst hörte zu und dachte: Wie kommen wir hier raus?
Rafael stand neben ihm und dachte das Gleiche.
Das Gästehaus war komfortabel, was bedeutete: Es gab Betten und Essen und warmes
Wasser. Aber es gab keine Fenster, die sich öffnen ließen. Es gab keine Telefone. Es gab
keine Internetverbindung.
Es gab Bewacher.
Nicht sichtbare Bewacher, die mit Gewehren an der Tür standen. Unsichtbare Bewacher, die
in Zimmern saßen und Gespräche aufzeichneten.
Horst wusste das, weil Rafael es ihm sagte, leise, mit dem Mund fast geschlossen, während
sie so taten, als würden sie die Speisekarte lesen.
"Wir haben drei Tage", sagte Rafael. "Danach werden sie merken, dass wir keine echten
Journalisten sind."
"Und dann?"
"Dann werden wir nicht mehr Gäste sein."
Sie planten in der Nacht, mit Gesten und geschriebenen Notizen, die sie danach zerrissen.
Rafael kannte Nordkorea. Er wusste, wie die Grenzen funktionierten, welche Routen
möglich waren, welche Kontakte er noch hatte.
Esther sprach Koreanisch. Nicht perfekt, aber gut genug. Das war wichtig.
Thomas kannte Schmugglerrouten. Er hatte sie nie selbst benutzt, aber er hatte darüber
geschrieben, als er noch Journalist gewesen war.
Leon sagte: "Ich kann die Sicherheitssysteme analysieren. Wenn wir die Muster der
Bewacher kennen, können wir Lücken finden."
Horst schaute ihn an. "Du bist dreizehn."
"Ich weiß." Leon schaute zurück. "Aber ich bin gut darin."
Am zweiten Tag begannen sie, die Muster zu beobachten. Wann die Bewacher wechselten.
Wann die Kameras sich bewegten. Wann die Türen offen waren.
Am dritten Tag hatten sie einen Plan.
Der Plan war nicht gut. Gute Pläne brauchten Zeit, und Zeit hatten sie nicht. Der Plan war:
Esther lenkt ab, Rafael und Thomas öffnen den Weg, Horst und die anderen folgen.
"Was ist mit Leon?", fragte Maria.
"Leon kommt mit mir", sagte Horst.
"Ich kann selbst laufen", sagte Leon.
"Das weiß ich. Du kommst trotzdem mit mir."
Die Flucht begann um drei Uhr morgens, weil drei Uhr morgens die Zeit war, in der die
Aufmerksamkeit am niedrigsten war. Esther sprach mit dem Bewacher an der Tür, auf
Koreanisch, eine Geschichte über einen medizinischen Notfall. Der Bewacher war jung und
unsicher und ließ sie durch.
Dann liefen sie.
Nicht durch die Hauptstraßen. Durch Hintergassen, durch Lücken zwischen Gebäuden,
durch Wege, die Rafael auf einer Karte markiert hatte, die er auswendig gelernt hatte, weil
er die Karte nicht mitnehmen konnte.
Die erste Stunde war die gefährlichste. Sie hörten Rufe hinter sich, Scheinwerfer, die Wände
beleuchteten. Einmal mussten sie sich in einem Keller verstecken, der nach Kohl und altem
Holz roch, und zwanzig Minuten warten, bis die Schritte über ihnen verschwanden.
Leon saß neben Horst im Dunkeln und sagte nichts. Er atmete ruhig, was Horst bemerkte,
weil er selbst nicht ruhig atmete.
"Hast du Angst?", flüsterte Horst.
"Ja", sagte Leon.
"Ich auch."
"Ich weiß." Eine Pause. "Das macht es besser."
Sie erreichten die Grenzregion am nächsten Morgen. Nicht die Grenze selbst, sondern die
Region davor, die Zone, in der die Kontrollen weniger dicht waren, weil die Ressourcen
nicht für alles reichten.
Rafael kannte einen Mann. Natürlich kannte er einen Mann. Rafael kannte immer
jemanden. Der Mann hieß nicht, oder wenn er einen Namen hatte, nannte er ihn nicht. Er
war alt und klein und hatte die Augen eines Menschen, der viele Geheimnisse kannte und
keines davon vergessen hatte.
Er brachte sie über die Grenze. Nicht durch einen offiziellen Übergang, nicht durch einen
Tunnel, sondern durch einen Weg, der durch ein Waldstück führte und der auf keiner Karte
eingezeichnet war.
Auf der anderen Seite war China.
China war nicht sicher. Aber es war sicherer als Nordkorea.
Sie liefen weiter.
Die nächsten Tage waren eine Reihe von Grenzen, Ländern, Entscheidungen. China nach
Russland. Russland nach Finnland. Finnland nach Deutschland.
Nicht direkt, nicht einfach. Mit Umwegen, mit Verstecken, mit Nächten in Scheunen und
verlassenen Gebäuden und einmal in einem Fischerboot, das nach Salz und Motor roch.
In China verbrachten sie zwei Nächte in einem Haus, das Rafael kannte, irgendwo in einer
Kleinstadt, deren Namen er ihnen nicht sagte. Die Frau, die das Haus bewohnte, war alt und
sprach kein Deutsch und kein Englisch, aber sie kochte Essen und stellte keine Fragen, und
das war alles, was sie brauchten. Jason schlief zwölf Stunden durch. Maria wusch ihre
Kleider im Waschbecken. Paul lud seinen Laptop an einer Steckdose auf und versuchte,
Informationen über die Lage in Deutschland zu bekommen, aber das Internet war langsam
und gefiltert und gab wenig her.
Leon saß auf dem Boden des kleinen Zimmers und schrieb in sein Notizbuch. Er schrieb
alles auf, was passiert war, in der Reihenfolge, in der es passiert war. Nicht weil er es
vergessen könnte, sondern weil das Aufschreiben ihm half, die Dinge zu sortieren. Wenn die
Dinge aufgeschrieben waren, hatten sie eine Form. Und Dinge mit Form waren weniger
bedrohlich als Dinge ohne Form.
Horst schaute ihm zu. Er dachte: Mein Sohn ist dreizehn Jahre alt und schreibt in einem
fremden Land in ein Notizbuch, und er ist ruhiger als ich.
Das war gleichzeitig der stolzeste und der traurigste Gedanke, den Horst je gehabt hatte.
In Russland wurden sie fast aufgehalten. Ein Grenzposten, der zu genau hinschaute, ein
Dokument, das nicht ganz stimmte. Thomas redete sich heraus, auf Russisch, mit einer
Geschichte, die so detailliert war, dass der Grenzbeamte sie glaubte, weil niemand eine so
detaillierte Geschichte erfinden würde.
Aber der Grenzbeamte hatte einen Kollegen gerufen, und der Kollege hatte Fragen gestellt,
und Esther hatte auf Russisch geantwortet, und Rafael hatte auf Russisch geantwortet, und
am Ende hatten sie die Grenze passiert, aber Horsts Herz hatte noch eine Stunde lang zu
schnell geschlagen.
Die Nacht in der Scheune war die schwerste. Nicht weil die Scheune kalt war, obwohl sie
kalt war. Sondern weil Jason in der Nacht aufgewacht war und nicht mehr einschlafen
konnte, und weil er Horst geweckt hatte, und weil sie dann im Dunkeln gesessen und
geredet hatten, leise, um die anderen nicht zu wecken.
"Glaubst du, dass wir das schaffen?", hatte Jason gefragt.
"Ja", hatte Horst gesagt.
"Warum?"
"Weil wir es bisher immer geschafft haben."
"Das ist kein Argument."
"Nein", hatte Horst zugegeben. "Aber es ist das Einzige, was ich habe."
Jason hatte geschwiegen. Dann: "Ich möchte, dass das irgendwann aufhört."
"Ich auch."
"Wann hört es auf?"
"Wenn wir es aufhören lassen." Horst hatte in die Dunkelheit geschaut. "Wenn wir aufhören
zu rennen und anfangen, die Richtung zu bestimmen."
Jason hatte nichts mehr gesagt. Aber er hatte sich hingelegt und die Augen geschlossen,
und irgendwann hatte er geschlafen.
In Finnland atmeten sie zum ersten Mal durch.
Sie saßen in einem kleinen Café in Helsinki, und jemand bestellte Kaffee, und der Kaffee
war heiß und gut, und niemand sagte etwas, weil manchmal Stille das Richtige war.
Leon schaute aus dem Fenster auf die Straße. Normale Menschen, die normale Dinge taten.
Einkaufen, spazieren gehen, mit Hunden laufen.
"Wir kommen nach Hause", sagte er.
"Ja", sagte Horst.
"Und dann?"
"Und dann fangen wir wieder an."
Leon nickte. Er trank seinen Kaffee, der zu heiß war, und verzog das Gesicht, und das war
das Normalste, was Horst seit Wochen gesehen hatte.
Sie flogen von Helsinki nach Frankfurt. Mit echten Pässen, die Rafael irgendwie organisiert
hatte, von irgendwo, auf eine Art, die Horst nicht fragte, weil manche Fragen keine
Antworten brauchten.
Als das Flugzeug landete, schaute Horst aus dem Fenster auf das vertraute Grau des
deutschen Himmels.
Zuhause.
Nicht sicher. Nicht einfach. Aber zuhause.
Und das war genug, um weiterzumachen.
Teil 5.4 – Stichzicke, Erdnusszicke und die zerstörten
Häuser
Sie kamen am frühen Morgen nach Hause. Nicht alle zusammen, sondern in kleinen
Gruppen, weil das sicherer war. Horst und Leon zuerst. Dann Jason und Paul. Dann Maria
und Alex. Rafael, Esther und Thomas fuhren zu einer Wohnung, die Rafael kannte, irgendwo
im Norden der Stadt.
Horst öffnete die Tür zu seiner Wohnung und stand still.
Die Wohnung war zerstört.
Nicht verwüstet, nicht durchwühlt. Zerstört. Systematisch, methodisch, mit einer
Gründlichkeit, die Zeit gebraucht hatte. Möbel umgeworfen, Bilder von den Wänden
gerissen, Schränke geöffnet und geleert. Das Sofa aufgeschlitzt. Der Fernseher in Stücke
geschlagen.
Leon stand hinter ihm und sagte nichts.
"Stichzicke und Erdnusszicke", sagte Horst.
"Woher weißt du das?"
Horst zeigte auf die Wand. Dort, in roter Farbe, stand ein Zeichen. Kein Wort, kein Satz. Ein
Zeichen, das die beiden immer hinterließen, wenn sie wollten, dass man wusste, dass sie es
gewesen waren.
Er rief Jason an. Jason war bereits in seiner Wohnung. Auch zerstört.
Er rief Paul an. Auch zerstört.
Maria. Auch zerstört.
Alex. Auch zerstört.
Sie hatten alle ihre Wohnungen verloren. Alles, was sie dort gelassen hatten, war entweder
zerstört oder mitgenommen worden.
Jason rief an und sagte nichts. Er hielt das Telefon ans Ohr und schwieg, und Horst hörte im
Hintergrund Schritte, Jasons Schritte, die durch die zerstörte Wohnung gingen.
Dann sagte Jason: "Sie haben das Foto genommen."
"Welches Foto?"
"Das einzige, das ich von meiner Mutter hatte." Eine Pause. "Das einzige."
Horst sagte nichts. Es gab nichts zu sagen.
Maria rief an und klang ruhig, zu ruhig, die Art von Ruhe, die entsteht, wenn man sich
entschieden hat, nicht zusammenzubrechen. "Sie haben alles mitgenommen, was ich an
Dokumenten hatte. Reisepass, Geburtsurkunde, alles."
"Wir können das ersetzen."
"Ich weiß." Eine Pause. "Aber das dauert. Und wir haben keine Zeit."
Alex schrieb eine Nachricht. Keine Anrufe, weil Alex nie anrief, wenn er etwas Schwieriges
sagen musste. Die Nachricht war kurz: Meine Wohnung ist weg. Ich bin okay. Was jetzt?
Horst stand in seiner zerstörten Wohnung und dachte nach. Nicht mit Wut, weil Wut keine
nützliche Reaktion war. Mit Kalkül.
Stichzicke und Erdnusszicke hatten das getan, während die Helden in Nordkorea waren.
Das war kein Zufall. Das war koordiniert. Tobias hatte sie nach Nordkorea geschickt, und
Stichzicke und Erdnusszicke hatten die Zeit genutzt.
"Was jetzt?", fragte Leon.
"Wir brauchen einen neuen Ort."
"Den alten Bunker können wir nicht mehr benutzen."
"Nein." Horst schaute sich in der zerstörten Wohnung um. "Aber Nick hat einen alten
Bunker. Und Nick ist gerade damit beschäftigt, sich auf die Konfrontation vorzubereiten."
"Du willst in Nicks Bunker?"
"Ich will in Nicks alten Bunker. Den, den wir bereits kennen. Den, den er verlassen hat, als er
sein neues Hauptquartier aufgebaut hat." Horst schaute Leon an. "Erinnerst du dich an die
Karte, die Paul gemacht hat?"
"Ja."
"Dann ruf Paul an."
Sie trafen sich eine Stunde später. Alle neun, die Helden und die drei Neuen. In einem Café,
weil das Café öffentlich war und öffentliche Orte manchmal sicherer waren als private, weil
niemand eine Szene machen wollte.
Paul hatte die Karte. Er legte sie auf den Tisch, und sie schauten alle darauf.
"Nicks alter Bunker", sagte Paul. "Hier." Er zeigte auf einen Punkt. "Er hat ihn vor zwei
Jahren verlassen. Aber die Struktur ist noch intakt. Ich habe es überprüft."
"Wie hast du das überprüft?", fragte Rafael.
"Ich habe Satellitendaten analysiert." Paul schaute ihn an. "Das ist mein Job."
"Dein Job ist Satellitendaten analysieren?"
"Mein Job ist Informationen finden. Satellitendaten sind eine Art von Informationen."
Rafael nickte. "Gut."
Sie fuhren zum alten Bunker. Er lag am Stadtrand, unter einem Gebäude, das offiziell ein
Lagerhaus war. Der Eingang war versteckt hinter einer Metallwand, die wie ein Teil der