Es war ein Dienstagmorgen, und Kaiser Horst saß in seinem Wohnzimmer, das er nach den Ereignissen der letzten Staffeln mühsam wieder aufgebaut hatte. Die Sonne schien durch die frischen Vorhänge — Saskia hatte sie letzte Woche aufgehängt, weiß mit kleinen blauen Streifen, weil sie sagte, die alten seien zu dunkel gewesen und hätten die ganze Wohnung wie einen Bunker aussehen lassen. Horst hatte ihr nicht widersprochen. Nach allem, was sie durchgemacht hatten, war ein heller Vorhang keine schlechte Idee.
Saskia hatte Kaffee gemacht. Der Geruch zog durch die Wohnung, warm und vertraut, und Horst saß am Küchentisch und hielt den Becher mit beiden Händen, als bräuchte er die Wärme. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Irgendwo bellte ein Hund. Normale Geräusche, normale Welt.
Für einen kurzen Moment — nur für einen kurzen, kostbaren Moment — fühlte sich das Leben normal an. Nicht die Art von normal, die man als selbstverständlich nimmt, wenn man sie nie verloren hat. Sondern die Art von normal, die man bewusst wahrnimmt, weil man weiß, wie schnell sie verschwinden kann. Horst hatte gelernt, solche Momente zu schätzen. Er hielt den Kaffeebecher, schaute aus dem Fenster, und dachte an nichts Besonderes.
„Horst, schau mal hier!"
Die Stimme kam aus dem Nebenzimmer. Alex. Horst kannte diesen Ton seit Jahren — aufgeregt, leicht überdreht, mit einem Unterton, der entweder eine großartige Entdeckung ankündigte oder eine katastrophale Idee. Meistens beides gleichzeitig. Alex hatte die Eigenschaft, Dinge zu entdecken, die niemand sonst entdeckt hätte, und dann sofort zu beschließen, dass man sie ausprobieren müsse. Das hatte ihnen in der Vergangenheit sowohl das Leben gerettet als auch in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht — manchmal beides in derselben Nacht.
Horst stellte seinen Kaffeebecher ab und schlurfte in Socken den Flur entlang. Alex hatte sich das Arbeitszimmer eingerichtet — eigentlich war es Horsts Arbeitszimmer, aber seit Alex regelmäßig vorbeikam, hatte es sich still und leise in Alex' Arbeitszimmer verwandelt. Drei Monitore standen auf dem Schreibtisch, verbunden durch ein Gewirr aus Kabeln, das Horst nie vollständig verstanden hatte. Leere Energydrink-Dosen bildeten eine kleine Armee auf dem Fensterbrett. Auf dem Boden lagen Ausdrucke, Schaltpläne, handgeschriebene Notizen auf karierten Zetteln, die überall verstreut waren wie Herbstblätter.
Alex saß in der Mitte dieses Chaos und wirkte vollkommen zufrieden. Er trug dasselbe Shirt wie gestern, hatte Augenringe, die darauf hindeuteten, dass er die Nacht durchgearbeitet hatte, und auf seinem Gesicht lag der Ausdruck eines Mannes, der gerade das Universum gelöst hat.
„Was ist?", fragte Horst.
„Das", sagte Alex und lehnte sich zurück, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, „ist das Interessanteste, was ich in meinem Leben gesehen habe."
Auf dem mittleren Monitor pulsierte ein kreisförmiges Muster aus türkisem Licht. Es drehte sich langsam um sich selbst, gleichmäßig, fast hypnotisch — wie ein Kreisel, der nie aufhört. Die Farbe war nicht das Türkis einer Lampe oder eines Bildschirms. Es war etwas Lebendigeres, Tieferes, als wäre die Farbe selbst eine Substanz.
Horst trat näher und beugte sich vor. Das Muster pulsierte in einem gleichmäßigen Rhythmus, fast wie ein Herzschlag.
„Was ist das?"
„Das ist ein Portalecho", sagte Alex. Er tippte etwas, und das Muster auf dem Bildschirm wurde größer, detaillierter. „Weißt du noch, als Rüdiger Gamm uns in Staffel 3 erzählt hat, dass Nick ein Portal benutzt hat? Um in eine andere Dimension zu gelangen?"
„Ja." Horst erinnerte sich. Es war eine der seltsameren Enthüllungen gewesen, mitten in einem ohnehin schon seltsamen Kapitel ihrer Geschichte. Damals hatte er es als eine von Rüdigers vielen verrückten Theorien abgetan.
„Rüdiger hat uns damals Daten gegeben. Koordinaten, Frequenzen, technische Spezifikationen. Ich habe sie nie vollständig analysiert, weil wir immer zu beschäftigt waren — immer irgendeine Krise, immer irgendein Problem." Alex tippte weiter. „Aber letzte Nacht hatte ich Zeit. Und ich habe etwas gefunden." Er zeigte auf den Bildschirm. „Die Koordinaten des Portals sind noch aktiv. Das Portal wurde nie vollständig geschlossen. Es ist wie eine Wunde, die nicht verheilt ist — die Energie ist noch da, sie pulsiert noch, schwach aber konstant."
Horst starrte auf das türkise Muster. Es pulsierte. Wie ein Herzschlag.
„Und?", sagte er langsam.
„Und ich habe die Frequenz rekonstruiert." Alex grinste. Das Grinsen eines Mannes, der weiß, dass er gleich etwas sagen wird, das jemand anderen beunruhigen wird, und der das genießt. „Theoretisch könnte man es wieder öffnen."
„Theoretisch."
„Ja. Aber ich habe auch eine praktische Lösung."
Horst schaute ihn an. Er schaute auf den Bildschirm. Er schaute wieder auf Alex. „Alex."
„Ja?"
„Wenn du mir jetzt sagst, dass du ein Gerät gebaut hast, das ein Portal in eine andere Dimension öffnet, dann sage ich dir, dass das eine sehr schlechte Idee ist."
„Das ist eine sehr schlechte Idee", stimmte Alex zu. „Aber es ist auch die interessanteste Idee, die ich je hatte."
Horst seufzte. Er kannte diesen Punkt in Gesprächen mit Alex — den Punkt, an dem man entweder aufgab oder sich einließ. Er hatte in den letzten Jahren gelernt, dass Aufgeben selten half. Alex machte die Dinge sowieso. Die Frage war nur, ob man dabei war oder nicht.
„Zeig mir das Gerät", sagte Horst.
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