Es dauerte drei Tage, bis Alex alles zusammengebaut hatte.
Er arbeitete fast ohne Schlaf. Horst brachte ihm Essen, das er meistens kalt aß, weil er vergaß, es zu essen, solange es warm war. Zweimal fand Horst ihn eingeschlafen am Schreibtisch, das Gesicht auf der Tastatur, und ließ ihn schlafen, weil er wusste, dass Aufwecken nichts bringen würde — Alex würde nach fünf Minuten wieder an der Arbeit sein.
Jason half ihm, die Komponenten zu besorgen. Sie fuhren zu Rüdigers altem Labor, das die Behörden nach seiner Kooperation freigegeben hatten. Das Labor war leer geräumt worden — die wichtigen Geräte waren beschlagnahmt, die Unterlagen archiviert. Aber in den Schubladen und Regalen hatten sich Dinge angesammelt, die niemand für wertvoll gehalten hatte: alte Platinen, Frequenzgeneratoren, Kondensatoren, Spulen, Kabel in verschiedenen Längen, Metallgehäuse ohne Inhalt. Für einen normalen Menschen war es Schrott. Für Alex waren es Schätze.
„Weißt du eigentlich, was du da machst?", fragte Jason, als sie die Kisten ins Auto luden.
„Meistens ja", sagte Alex.
„Meistens."
„Das ist mehr als die meisten Leute."
Jason konnte nicht widersprechen.
Paul studierte die Unterlagen, die Rüdiger ihnen hinterlassen hatte. Er saß stundenlang am Küchentisch, die Seiten vor sich ausgebreitet, und machte sich Notizen in seinem kleinen schwarzen Notizbuch. Rüdigers Handschrift war klein und präzise, die Formeln komplex, aber Paul hatte immer eine Gabe gehabt, Muster zu erkennen, wo andere nur Chaos sahen. Er war kein Techniker wie Alex, aber er verstand Systeme — und ein Portal war letztlich auch ein System.
„Wenn das Portal wirklich noch aktiv ist", sagte Paul am zweiten Abend, als sie alle zusammen am Küchentisch saßen, „dann bedeutet das, dass die Verbindung zwischen den Welten nicht vollständig getrennt wurde. Es ist wie ein Tunnel, der eingestürzt ist, aber nicht zugemauert."
„Genau", sagte Alex aus dem Nebenzimmer, ohne aufzuschauen. „Man muss nur den Schutt wegräumen."
„Und wenn auf der anderen Seite jemand wartet?", fragte Paul.
Kurze Stille.
„Dann sagen wir Hallo", sagte Jason.
Maria bereitete Proviant vor, weil sie der Meinung war, dass man auch in Parallelwelten essen müsse. Sie packte Sandwiches in Frischhaltefolie, Energieriegel, Wasserflaschen und eine kleine Reiseapotheke mit Pflastern, Schmerzmitteln und Verbandsmaterial. Horst schaute ihr dabei zu und dachte, dass Maria immer die Praktischste von ihnen war. Während die anderen planten und theoretisierten und sich Sorgen machten, sorgte sie dafür, dass niemand verhungerte oder verblutete. Das war keine kleine Sache.
„Du glaubst wirklich, dass wir das tun werden", sagte Horst.
„Ich glaube, dass ihr das tun werdet", sagte Maria, ohne aufzuschauen. „Und ich glaube, dass ich dabei sein will."
Am dritten Morgen legte Alex das fertige Gerät auf den Küchentisch.
Es war ein handgroßer Kasten aus Metall und Platinen, mit einem kleinen Bildschirm und einem einzigen roten Knopf. Es sah aus wie etwas, das man auf einem Flohmarkt kaufen könnte — unscheinbar, fast lächerlich. Keine blinkenden Lichter, keine imposante Größe, keine sichtbaren Zeichen seiner Funktion. Aber es strahlte etwas aus, das Horst nicht benennen konnte. Eine Präsenz. Als wäre es mehr als die Summe seiner Teile.
„Das ist es?", fragte Jason.
„Das ist es", sagte Alex.
„Das sieht aus wie eine Fernbedienung."
„Fernbedienungen sind unterschätzt."
„Ich komme mit", sagte Jason. Er sagte es nicht als Frage, sondern als Feststellung, mit dem Tonfall eines Mannes, der bereits entschieden hat.
„Ich auch", sagte Paul.
„Und ich", sagte Maria. Sie hatte den Rucksack mit dem Proviant bereits auf dem Rücken.
Horst schaute sie alle an. Jason mit verschränkten Armen und dem Gesichtsausdruck, der sagte, dass er bereits entschieden hatte. Paul mit seinem Notizbuch in der Hand, bereit, alles aufzuschreiben. Maria mit dem Rucksack, bereit, alle zu versorgen. Und Alex, der das Gerät hielt und aussah wie ein Kind am Weihnachtsmorgen.
„Wir wissen nicht, was uns dort erwartet", sagte Horst.
„Wir wissen nie, was uns erwartet", sagte Jason. „Das hat uns bisher auch nicht aufgehalten."
Horst musste lachen. Es stimmte. Sie hatten Roboter überlebt, korrupte Polizisten, einen Bunker, Nicks gesamte Armee, Verrat von innen, psychologische Kriegsführung und mehr. Eine Parallelwelt konnte nicht schlimmer sein.
Konnte sie nicht.
„Gut", sagte er. „Aber wir sagen niemandem etwas. Saskia würde mir den Kopf abreißen."
„Saskia würde uns allen den Kopf abreißen", korrigierte Maria.
„Dann sagen wir niemandem etwas."
Alex hob das Gerät. „Dann gehen wir heute Nacht."
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