Alex hatte das Portal in Horsts Keller aufgebaut.
Es war kein glamouröser Ort für ein interdimensionales Abenteuer. Zwischen dem alten Regal mit den Werkzeugkisten und dem Heizungsrohr, das seit Jahren tropfte und das Horst immer wieder vergaß zu reparieren, hatte Alex seine Ausrüstung aufgestellt: das Gerät in der Mitte, auf einem umgekehrten Eimer, verbunden durch dünne Kabel mit zwei Empfängerspulen, die er mit Klebeband an den Wänden befestigt hatte. Die Spulen sahen aus wie Antennen, und vielleicht waren sie das auch — Antennen für eine Frequenz, die kein normales Radio empfangen konnte.
Es war kurz nach Mitternacht. Saskia schlief. Leon schlief. Die ganze Wohnung schlief, und in der Stille des Kellers standen fünf Menschen und schauten auf ein Gerät, das vielleicht gar nichts tun würde.
Die einzige Lichtquelle war eine alte Kellerlampe, die ein gelbliches Licht warf und leise summte. Der Keller roch nach Staub und altem Holz und dem leichten Geruch von Heizöl. Horst hatte diesen Keller seit Jahren nicht richtig aufgeräumt. Er war froh darüber — zwischen den Regalen und Kisten gab es genug Platz für fünf Menschen und ein interdimensionales Portal.
„Bereit?", fragte Alex. Er hielt den Metallkasten in beiden Händen, den Daumen über dem roten Knopf.
„Bereit", sagten die anderen.
Alex drückte den roten Knopf.
Nichts passierte.
Die Spulen summten leise. Der Bildschirm des Geräts zeigte Zahlen, die sich veränderten. Aber in der Mitte des Kellers, wo das Portal sich öffnen sollte, war nichts außer Luft und Staub.
„Alex", sagte Horst.
„Einen Moment." Alex tippte auf dem kleinen Bildschirm. Seine Finger bewegten sich schnell, präzise. „Die Frequenz muss kalibriert werden. Das Echo ist schwächer als erwartet — die Energie hat sich in den Jahren verteilt."
„Das sagst du immer."
„Und es stimmt immer." Alex tippte weiter. Die Zahlen auf dem Bildschirm veränderten sich schneller. Die Spulen summten lauter, ein höheres Summen jetzt, fast ein Singen. „Die Energie ist da. Sie ist nur verstreut. Ich muss sie bündeln."
Jason schaute auf die Spulen. „Ist das sicher?"
„Definiere sicher."
„Explodiert nichts."
„Wahrscheinlich nicht."
„Das ist keine beruhigende Antwort."
„Nein", stimmte Alex zu. Er tippte noch einmal. Dann drückte er den Knopf erneut.
Diesmal passierte etwas.
In der Mitte des Kellers, genau zwischen dem Regal und dem Heizungsrohr, öffnete sich ein Riss in der Luft. Er war zunächst schmal wie ein Papierstreifen — kaum sichtbar, ein Flimmern, das man für eine Sehstörung hätte halten können. Dann wurde er breiter, wie eine Tür, die jemand langsam aufschiebt. Dann so groß wie ein Durchgang, durch den ein Mensch passte, und dann noch größer, bis er fast die gesamte Breite des Kellers einnahm.
Das Licht, das durch ihn schimmerte, war türkis.
Nicht das Türkis einer Lampe oder eines Bildschirms. Etwas Lebendigeres, Tieferes, als wäre die Farbe selbst eine Substanz. Es warf Schatten in den Keller, die sich bewegten, obwohl kein Wind wehte. Die Luft um das Portal herum war wärmer als der Rest des Kellers, und es roch nach etwas Fremdem — süßlich und metallisch zugleich.
„Das ist es", flüsterte Alex. Er starrte das Portal an mit dem Ausdruck eines Kindes, das zum ersten Mal Schnee sieht. „Das ist wirklich es."
Horst trat einen Schritt näher. Durch das Portal sah er eine Straße — aber eine Straße, die nicht wie die Straßen in ihrer Welt aussah. Die Gebäude dahinter waren höher, ihre Oberflächen leuchteten mit integrierten Lichtpanelen in sanften Farben. Am Himmel zogen Fahrzeuge vorbei, die keine Räder hatten — sie schwebten lautlos, ihre Unterseiten mit einem blauen Schimmer, in geordneten Bahnen wie Fische in einem Aquarium.
Es war Nacht auf der anderen Seite, aber keine dunkle Nacht. Die Stadt leuchtete.
„Eine Parallelwelt", sagte Maria leise. Ihre Stimme klang ehrfürchtig.
„Gehen wir", sagte Jason.
Horst schaute noch einmal zurück — auf die Kellertreppe, die nach oben führte, zu Saskia und Leon und dem normalen Leben. Dann schaute er nach vorne, durch das Portal, in die andere Welt.
„Gehen wir", sagte er.
Einer nach dem anderen traten sie durch das Portal. Horst zuerst, dann Jason, dann Paul, dann Maria. Alex zuletzt, das Gerät fest in der Hand, das er nicht losließ.
Das Portal schloss sich nicht hinter ihnen. Es blieb offen, ein türkises Leuchten in einem Keller in einer anderen Welt.
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