Die Parallelwelt empfing sie mit einem Schlag warmer Luft.
Horst trat durch das Portal und spürte sofort den Unterschied — nicht nur die Wärme, sondern etwas Subtileres, eine andere Qualität der Luft, als wäre sie leichter oder dichter oder beides gleichzeitig. Der Geruch war fremd: süßlich und metallisch zugleich, wie Regen auf heißem Asphalt, aber mit einer fremden Note darunter, etwas Chemisches, fast wie Ozon nach einem Gewitter. Es war nicht unangenehm. Es war einfach anders.
Sie standen auf einem Bürgersteig. Unter ihren Füßen war Pflaster — aber ein Pflaster, das leicht leuchtete, mit dünnen Linien aus bläulichem Licht, die wie ein Raster durch die Steine liefen. Straßenbeleuchtung, in den Boden integriert. Die Straße vor ihnen war breit und ruhig. Es war Nacht, aber der Himmel war nicht dunkel: Überall in der Stadt leuchteten Gebäude, und ihr Licht warf einen diffusen Schein in die Wolken.
Die schwebenden Fahrzeuge, die Horst durch das Portal gesehen hatte, bewegten sich in geordneten Bahnen durch die Luft, lautlos und gleichmäßig. Keine Motoren, keine Abgase, keine Geräusche außer einem leisen Summen, das man eher spürte als hörte.
Jason trat neben Horst und schaute nach oben. „Schwebende Autos", sagte er.
„Ja."
„Okay." Jason nickte, als würde er das in einer inneren Liste abhaken. „Okay."
„Niemand schaut uns an", bemerkte Paul. Er hatte sein Notizbuch bereits in der Hand. Er schrieb schon — schnell, in seiner kleinen, präzisen Handschrift, die Eindrücke festhaltend, bevor sie verblassten.
„Weil wir genauso aussehen wie sie", sagte Maria. Sie schaute die Straße entlang. Menschen gingen vorbei, gekleidet in Kleidung, die ein bisschen futuristischer wirkte als zu Hause — glattere Stoffe, klarere Linien, aber keine Raumanzüge oder Uniformen. Normale Menschen in einer normalen Stadt, die zufällig ein bisschen weiter in der Zukunft lebte. „Wir sind in einer Parallelwelt, nicht auf einem anderen Planeten."
„Trotzdem sollten wir vorsichtig sein", sagte Horst. Er schaute sich um und versuchte, die Orientierung zu behalten. Die Straße, auf der sie standen, verlief parallel zu einer breiteren Hauptstraße, auf der mehr Verkehr war — schwebende Autos, Fußgänger, vereinzelt Fahrräder mit Rädern, die den Boden nicht berührten.
Alex hielt das Gerät in der Hand und schaute auf den kleinen Bildschirm. „Das Portal ist noch aktiv. Es ist stabil. Wir können jederzeit zurück." Er klang erleichtert.
„Gut." Horst schaute die anderen an. „Jetzt müssen wir herausfinden, wo wir sind und ob es hier eine Version von uns gibt."
„Und wenn ja", sagte Jason, „ob sie uns mögen."
„Und wenn sie uns nicht mögen", sagte Maria, „haben wir Sandwiches. Das hilft meistens."
Horst schaute die Straße entlang. Die Stadt war schön — das war das erste Wort, das ihm einfiel. Nicht futuristisch im Sinne von kalt und steril, sondern lebendig. Die Gebäude hatten Farbe, die Straßen hatten Grün, die Menschen hatten Gesichter, die lachten und sprachen und lebten. Es war eine Stadt, die funktionierte — nicht trotz ihrer Technologie, sondern mit ihr.
Er dachte kurz daran, wie seltsam das war: in einer anderen Welt zu stehen, die dieselbe war und doch nicht dieselbe. Dieselbe Sprache, dieselben Gesichter, dieselbe Grundstruktur des Lebens — aber alles ein bisschen anders. Ein bisschen weiter. Ein bisschen mehr.
„Wir sollten uns nicht zu lange aufhalten", sagte Moritz — dann korrigierte er sich. Moritz war nicht dabei. Moritz war in der Hauptwelt. Hier gab es keinen Moritz, keinen Jason, keinen Paul, keine Maria. Hier gab es nur die Versionen, die diese Welt hervorgebracht hatte.
„Wir sollten uns bewegen", sagte Horst. „Bevor jemand bemerkt, dass wir nicht von hier sind."
„Wie sollen sie das bemerken?", fragte Jason.
„Ich weiß es nicht. Aber ich möchte es nicht herausfinden."
Sie gingen die Straße entlang. Vorsichtig, die Umgebung beobachtend, versuchend, nicht wie Touristen aus einer anderen Dimension auszusehen.