Kapitel 21: Der Schuss

Nick hatte die Zeitmanipulation erwartet — er hatte die Fähigkeiten des Teams abgehört und analysiert. Aber er hatte nicht erwartet, dass Moritz ein zweites Gerät hatte. Das war die Variable, die er nicht einkalkuliert hatte.

Als die Zeit wieder normal lief — der Parallelwelt-Alex ließ die Hände sinken, erschöpft, kaum noch auf den Beinen — war Nick bereits in Bewegung. Er versuchte, hinter einem Metallbehälter Deckung zu suchen, schnell und präzise, wie jemand, der Kampfsituationen kannte.

Aber Moritz war schneller. Nicht durch Superkräfte — durch Präzision. Er hatte in den letzten Stunden nichts anderes getan als das Gerät zu bauen und sich vorzustellen, wie er es benutzen würde. Er hatte den Winkel berechnet, die Distanz, die Reaktionszeit. Er hatte alles durchgespielt.

Er drückte ab.

Der Hitzestrahler traf Nick in der Brust.

Nick schrie. Es war kein Schrei aus Schmerz — es war ein Schrei aus Überraschung und Wut, aus dem Moment, in dem ein Plan auseinanderfällt. Er taumelte. Griff sich an die Brust. Die schwarze Masse, die er produzieren wollte — die er bereits in seiner Lunge spürte, bereit, freigesetzt zu werden — verdampfte in der Hitze, bevor sie seinen Mund verlassen konnte.

Er fiel auf die Knie.

Die zwölf Bewaffneten zögerten. Ohne Nick, der sie dirigierte, ohne seine Stimme, seine Befehle, seine Präsenz, wussten sie nicht, was sie tun sollten. Sie waren keine Überzeugungstäter — sie waren Söldner, und Söldner kämpfen für Geld, nicht für Ideen.

Sawo nutzte den Moment. Er bewegte sich durch die Halle wie ein Sturm — nicht verletzend, aber überwältigend. Einer nach dem anderen landeten die Bewaffneten auf dem Boden, entwaffnet und kampfunfähig. Sawo war dabei so präzise, dass niemand ernsthaft verletzt wurde.

Ziegelstein band sie mit Kabeln, die er aus der Wand gerissen hatte, mit einer Geschwindigkeit, die die Bewaffneten nicht einmal wahrnehmen konnten.

Nick kniete immer noch auf dem Boden. Er hustete. Er versuchte, die schwarze Masse auszuatmen — aber nichts kam. Moritz' Gerät hatte die Proteinstrukturen in seinem Körper denaturiert. Die Waffe, die er jahrelang entwickelt hatte, die er in sich getragen hatte wie ein Geheimnis, war zerstört.

„Es ist vorbei", sagte Horst. Er trat auf Nick zu.

Nick schaute zu ihm auf. Sein Gesicht war verzerrt — nicht aus Schmerz, sondern aus einer Wut, die tiefer ging als alles, was Horst je bei ihm gesehen hatte. Eine Wut, die nicht aus diesem Moment kam, sondern aus Jahren. Aus allem, was er verloren hatte, aus allem, was er nie bekommen hatte, aus allem, was er nie verstanden hatte.

„Es ist nie vorbei", sagte Nick.

„Doch", sagte Horst. „Diesmal schon."

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