Kapitel 22: Die Verhaftung

Die Parallelwelt hatte ihre eigene Polizei — und Moritz hatte sie bereits alarmiert, in dem Moment, als die Zeitmanipulation begann. Innerhalb von Minuten war die Fabrikhalle umstellt. Fahrzeuge, die lautlos schwebten, positionierten sich um das Gebäude. Beamte in Schutzausrüstung betraten die Halle.

Nick und seine zwölf Verbündeten wurden abgeführt.

Die zwölf Söldner gaben keinen Widerstand mehr. Ohne Nick, ohne seine Führung, ohne das Geld, das ihnen versprochen worden war — denn wer zahlt Söldner, wenn der Auftraggeber verhaftet ist? — legten sie die Waffen nieder und ließen sich abführen. Profis bis zum Ende: Sie kämpften, wenn es sich lohnte, und sie kapitulierten, wenn es das nicht mehr tat.

Nick war anders.

Er ließ sich abführen, aber er schaute. Er schaute jeden an, der in seinem Blickfeld war — die Beamten, das Superhelden-Team, Horst. Besonders Horst. Sein Blick war nicht wütend, nicht verzweifelt. Er war ruhig. Berechnend. Als würde er bereits den nächsten Plan entwickeln, selbst in dem Moment, in dem der aktuelle Plan gescheitert war.

Nick schaute Horst an, als man ihm die Hände fesselte. Er schaute ihn lange an, ohne etwas zu sagen. Dann:

„Du weißt, dass das hier keine Auswirkungen auf deine Welt hat", sagte Nick. „Ich bin immer noch dort. Im Gefängnis. Aber ich komme raus."

„Nein", sagte Horst. „Das wirst du nicht."

„Du kannst nicht sicher sein."

„Doch." Horst trat einen Schritt näher. Er schaute Nick in die Augen — dieselben Augen, die er in sieben Staffeln gesehen hatte, dieselbe Intensität, dieselbe Entschlossenheit. „Weil wir immer da sein werden. Egal in welcher Welt. Egal in welcher Version. Wir werden immer da sein."

Nick schwieg einen Moment. Dann lächelte er — ein kleines, kaltes Lächeln, das Horst kannte. Das Lächeln, das sagte: *Ich habe noch nicht verloren. Ich verliere nie endgültig.*

„Interessant", sagte Nick. „Du glaubst wirklich, dass ihr gewinnt."

„Wir haben gewonnen", sagte Horst. „Heute. Hier. Das ist genug."

„Heute", sagte Nick. „Hier." Er ließ sich von den Beamten wegführen, ohne Widerstand. „Aber es gibt viele Tage. Und viele Welten."

Horst schaute ihm nach, bis er verschwunden war. Dann drehte er sich um.

Das Superhelden-Team stand hinter ihm — erschöpft, einige verletzt, alle stehend. Der Parallelwelt-Alex lehnte an einer Wand, die Augen halb geschlossen, die Erschöpfung der Zeitmanipulation noch in jedem Zug seines Gesichts. Tim war wieder sichtbar, aber blass. Sawo hatte einen Schnitt an der Wange — nicht von einer Kugel, sondern von einem Splitter, der bei dem Kampf geflogen war. Ziegelstein stand aufrecht, aber seine Hände zitterten leicht.

Und Moritz hielt das Backup-Gerät in der Hand — das Gerät, das er in einer Nacht gebaut hatte, das er in einem einzigen Schuss benutzt hatte. Es war jetzt leer, verbraucht, die Energie erschöpft. Er schaute es an, dann steckte er es in die Tasche.

„Gut gemacht", sagte Horst.

Niemand antwortete sofort. Sie schauten sich an — die Gruppe aus der Hauptwelt, das Superhelden-Team. Zwei Gruppen aus zwei verschiedenen Welten, die zusammen etwas getan hatten, das keine von ihnen allein hätte tun können.

Jason trat neben Horst. „Wir haben es geschafft."

„Ja."

„Nick ist verhaftet."

„Ja."

„Und die Masse?"

„Moritz hat das Gegenmittel. Die Behörden setzen es ein." Horst schaute auf die Halle — die leere Halle, die Metallbehälter, die alten Maschinen, die Lichter, die noch an den Kabeln hingen. „Es ist vorbei."

Jason nickte. Er sagte nichts mehr. Das war Jason — er wusste, wann Worte genug waren und wann Stille besser war.

Maria trat neben Horst. Sie schaute ihn an. „Und Alex?"

Horst schluckte. „Alex liegt draußen. Wir müssen ihn..." Er hörte auf. Er wusste, was er sagen wollte, aber er konnte es nicht aussprechen.

„Wir kümmern uns darum", sagte der Parallelwelt-Alex. Er hatte sich von der Wand gelöst und stand jetzt aufrecht, obwohl man die Erschöpfung noch in ihm sah. „Er wird ein würdiges Begräbnis bekommen. Das verspreche ich."

Horst schaute ihn an. Dieses Gesicht, das Alex' Gesicht war. Diese Augen, die Alex' Augen waren.

„Danke", sagte Horst.

# TEIL 5 – DIE NACHWIRKUNGEN