Kapitel 25b: Was ist anders

Am Abend, als die Aufregung sich gelegt hatte und das Superhelden-Team im Hauptquartier saß, begann ein Gespräch, das Horst nicht erwartet hatte.

Es begann mit einer Frage von Sawo.

„Wie ist eure Welt?", fragte er. Er saß auf dem Boden, die Beine überkreuzt, den Rücken an die Wand gelehnt. Er schaute Horst an, direkt und offen, wie jemand, der wirklich wissen will, nicht nur höflich fragt.

Horst dachte nach. „Normal", sagte er schließlich.

„Normal wie?"

„Keine schwebenden Autos. Keine Superkräfte. Keine Helden, die die Welt retten." Horst schaute auf seine Hände. „Normale Menschen, die normale Probleme haben. Arbeit, Familie, Geld, Gesundheit. Die üblichen Dinge."

„Und Nick?", fragte Tim. Er war wieder sichtbar — er hatte sich in eine Ecke gesetzt und schaute zu, wie er es immer tat. Beobachtend, still.

„Nick ist ein Krimineller in unserer Welt", sagte Horst. „Kein Supervillain. Kein Mastermind mit biologischen Waffen. Einfach jemand, der falsch abgebogen ist und immer tiefer in das Falsche gegangen ist."

„Aber er ist gefährlich", sagte der Parallelwelt-Alex.

„Ja. Sehr." Horst schaute auf. „In sieben Staffeln hat er uns immer wieder überrascht. Immer wieder neue Pläne, neue Ressourcen, neue Ideen. Er ist nicht aufzuhalten, weil er aufgeben würde — er ist aufzuhalten, weil man immer besser sein muss als er."

„Und ihr seid besser", sagte Sawo.

„Manchmal." Horst lächelte leicht. „Manchmal gerade so."

Paul hatte sein Notizbuch auf dem Schoß und schrieb. Er hatte die ganze Zeit geschrieben — nicht alles, was gesagt wurde, aber die Dinge, die ihm wichtig erschienen. Die Dinge, die er nicht vergessen wollte.

„Darf ich etwas fragen?", sagte Paul.

Alle schauten ihn an. Paul fragte selten. Er beobachtete, er schrieb, er analysierte — aber er fragte selten.

„Natürlich", sagte Tim.

„Ihr habt Superkräfte", sagte Paul. „Ihr könnt Dinge tun, die normale Menschen nicht können. Ihr könnt die Welt retten auf eine Art, die wir nie könnten." Er schaute Tim an. „Aber ihr habt trotzdem Angst. Ich habe es gesehen — heute, im Kampf. Ihr hattet Angst."

Tim schwieg einen Moment. Dann: „Ja."

„Warum?"

„Weil Superkräfte nicht bedeuten, dass man unverwundbar ist", sagte Tim. „Ich kann unsichtbar werden. Aber ich kann immer noch sterben. Ich kann immer noch jemanden verlieren." Er schaute auf seine Hände. „Superkräfte machen einen nicht unbesiegbar. Sie machen einen nur... anders."

„Und manchmal einsamer", sagte Ziegelstein leise.

Alle schauten ihn an. Ziegelstein sprach selten über sich selbst — er war derjenige, der handelte, nicht der, der sprach. Aber jetzt schaute er auf seine Hände, die immer noch leicht zitterten.

„Wenn man so schnell ist wie ich", sagte er, „lebt man in einem anderen Tempo als alle anderen. Man sieht die Welt in Zeitlupe. Man sieht, wie langsam alles ist. Wie viel Zeit vergeht, während andere noch reagieren." Er schaute auf. „Das ist manchmal sehr einsam."

Maria schaute ihn an. „Wir sind füreinander schnell", sagte sie. „Wenn jemand fällt, sind wir da. Nicht weil wir Superkräfte haben — sondern weil wir da sind. Das ist dasselbe, was du machst. Nur ohne Superkräfte."

Ziegelstein schaute sie an. Er sagte nichts. Aber etwas in seinem Gesicht veränderte sich — eine Spannung, die sich löste, ein Knoten, der sich öffnete.

„Das ist eine gute Art, das zu sagen", sagte er schließlich.

Jason schaute Sawo an. „Du bist unverwundbar. Wie fühlt sich das an?"

Sawo dachte nach. „Wie eine Verantwortung", sagte er. „Wenn man nicht verletzt werden kann, muss man derjenige sein, der sich in den Weg stellt. Immer. Wenn jemand in Gefahr ist, bin ich derjenige, der davor steht." Er schaute auf seine Hände. „Das ist manchmal schwer. Nicht weil es gefährlich ist — sondern weil man nie aufhören kann."

„Wir hören auch nie auf", sagte Jason. „Wir haben keine Superkräfte, aber wir hören nie auf."

„Ich weiß." Sawo schaute ihn an. „Das ist das Respektabelste, was ich je gesehen habe."

Jason schaute ihn an. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Also sagte er nichts. Er nickte einfach.

Horst schaute die Gruppe an — seine Freunde, das Superhelden-Team, zwei Welten in einem Raum. Er dachte an Alex, der nicht mehr da war. Er dachte an den Parallelwelt-Alex, der ihn ersetzte, ohne ihn zu ersetzen. Er dachte an Nick, der abgeführt worden war, und an die Frage, die Nick gestellt hatte: *Du glaubst wirklich, dass ihr gewinnt.*

Er glaubte es. Nicht weil sie immer gewannen — sie gewannen nicht immer. Nicht weil sie unbesiegbar waren — sie waren nicht unbesiegbar. Sondern weil sie zusammen waren. Weil sie füreinander da waren. Weil das, was sie hatten, stärker war als alles, was Nick je haben würde.

Das war genug.