Kapitel 30: Die Entscheidung

Es war Zeit, nach Hause zu gehen.

Horst stand vor dem Portal, das Alex aus der Hauptwelt geöffnet hatte — es war noch aktiv, stabil, wartend. Das türkise Licht pulsierte gleichmäßig, wie ein Herzschlag, wie eine Einladung. Auf der anderen Seite war ihr Keller. Das alte Regal. Das tropfende Heizungsrohr. Die Werkzeugkisten. Die Kellertreppe, die nach oben führte, zu Saskia und Leon und dem normalen Leben.

Er stand lange davor.

Die anderen hatten sich hinter ihm versammelt — Jason, Paul, Maria, das Superhelden-Team. Niemand sprach. Das Portal wartete. Es hatte die ganze Zeit gewartet, geduldig und still, während sie kämpften und verloren und gewannen und trauerten. Es war immer noch da.

Horst dachte an Alex. An das Gerät, das er gebaut hatte, das er in beiden Händen gehalten hatte, den Daumen über dem roten Knopf. An das Grinsen, das er gemacht hatte, als das Portal sich öffnete. An die Energie, die in ihm war — die Energie eines Menschen, der etwas Neues entdeckt hatte und es kaum erwarten konnte, es zu erkunden.

Er hatte es erkundet. Er hatte die Parallelwelt gesehen. Er hatte das Superhelden-Team kennengelernt. Er hatte eine Welt gerettet, die er nicht kannte, für Menschen, die er nicht kannte, weil es das Richtige war.

Das war Alex. Das würde immer Alex sein.

„Horst", sagte Jason leise.

Horst drehte sich um. Jason stand hinter ihm, die Arme leicht ausgebreitet, bereit. Das war Jason — immer bereit, immer da, immer der erste, der handelte, wenn Horst zögerte.

„Ich weiß", sagte Horst.

Aber es gab ein Problem.

„Alex ist tot", sagte Horst. Er sagte es ruhig, sachlich, weil es die Wahrheit war und weil die Wahrheit gesagt werden musste. „Er war derjenige, der das Portal bedient hat. Er kannte die Frequenzen, die Kalibrierung, die Feinheiten. Ich weiß nicht, wie man es von dieser Seite öffnet."

„Ich weiß es", sagte der Parallelwelt-Alex.

Er trat vor. Er hielt das Gerät in der Hand — das Gerät, das Alex aus der Hauptwelt mitgebracht hatte, das er fallen gelassen hatte, als die Masse ihn traf. Der Parallelwelt-Alex hatte es die ganze Zeit gehalten, seit Horst es aufgehoben hatte. Er hatte es analysiert, verstanden, in Gedanken auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.

„Ich habe es analysiert", sagte er. „Die Technologie ist dieselbe wie die, die Nick benutzt hat — modifiziert, aber dasselbe Grundprinzip. Ich kann das Portal von hier aus öffnen."

„Du kannst das Portal öffnen", sagte Horst. „Aber dann bist du auf dieser Seite."

„Ja." Der Parallelwelt-Alex nickte. „Das ist in Ordnung."

„Bist du sicher?"

Der Parallelwelt-Alex schaute auf das Gerät. Er dachte an den anderen Alex — an das Grab unter dem alten Baum, an die Hand auf dem Grabstein, an das Versprechen, das er gegeben hatte. Er dachte an Horsts Worte: *Er hat uns hierher gebracht. Er hat das Portal geöffnet. Und er ist gestorben, weil er versucht hat, es zu schließen, um uns zu schützen.*

„Ihr habt euren Alex verloren, weil er euch geholfen hat. Er ist gestorben, weil er versucht hat, das Portal zu schließen, um euch zu schützen." Der Parallelwelt-Alex schaute auf das Gerät. „Das wenigste, was ich tun kann, ist euch nach Hause zu bringen."

„Das ist nicht das wenigste", sagte Horst. „Das ist viel."

„Nein." Der Parallelwelt-Alex schüttelte den Kopf. „Das ist das Mindeste. Er hat sein Leben gegeben. Ich gebe ein paar Minuten meiner Zeit."

Horst schaute ihn an. Dieses Gesicht, das Alex' Gesicht war und doch nicht Alex' Gesicht. Diese Augen, die dieselben Züge hatten und doch eine andere Geschichte erzählten.

„Danke", sagte Horst.

„Nicht nötig", sagte der Parallelwelt-Alex.