Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 12 von 59

Kapitel 10: Der Verrat des Sohnes

Die Gehirnwäsche war vollendet. Leon war nicht länger der unsichere, verletzte Teenager, sondern ein Werkzeug in Nicks Händen, geschliffen von Hass und Rachegelüsten. Nick überzeugte ihn, dass der einzige Weg, sich von der Schande seines Vaters zu befreien, darin bestand, aktiv bei dessen endgültiger Vernichtung mitzuhelfen. „Du musst der Welt zeigen, dass du nicht so bist wie er“, flüsterte Nick ihm ein, seine Worte waren wie Gift, das langsam in Leons Seele sickerte. „Sammle alles, was du finden kannst. Jede Information, jedes Detail aus seinem Leben, das uns helfen kann, ihn für immer hinter Gitter zu bringen.“

Angetrieben von seinem neu gefundenen Hass und dem Wunsch, sich von der Last des Namens „Horst“ zu befreien, willigte Leon ein. Er nutzte die Tatsache, dass er als Sohn immer noch Zugang zum Haus seines Vaters hatte. Unter dem Vorwand, persönliche Gegenstände abholen zu wollen, verschaffte er sich Zutritt. Das Haus, das einst ein Ort der Kindheitserinnerungen war, wurde für ihn zu einem Tatort, den es zu durchsuchen galt. Mit kalter Entschlossenheit durchwühlte er die persönlichen Sachen seines Vaters. Er kopierte Dateien von dessen Computer, fotografierte Dokumente und suchte nach allem, was auch nur im Entferntesten verdächtig wirken könnte.

Er fand alte Geschäftspapiere, private Briefe, Notizen. Nichts davon war wirklich belastend, aber in Nicks Händen konnte jedes harmlose Detail zu einer Waffe umfunktioniert werden. Leon sammelte alles und übergab es seinem neuen Mentor. Nick nahm die Informationen gierig entgegen. Er wusste, dass er das Material nur geschickt verdrehen und aus dem Kontext reißen musste, um es der Staatsanwaltschaft als Beweis für Horsts angeblich kriminelle Machenschaften zu präsentieren. Der Verrat des eigenen Sohnes war der letzte Nagel im Sarg von Kaiser Horsts Verteidigung. Es war ein Schlag, von dem er sich nur schwer erholen würde, ein Zeugnis, gegen das selbst der beste Anwalt kaum ankommen konnte. Die Mauern des Gefängnisses schienen für Horst nun endgültig unüberwindbar zu werden.