Die Verurteilung von Horst hatte seine Freunde in eine tiefe Krise gestürzt. Die Niederlage vor Gericht und die Erkenntnis, wie mächtig und skrupellos Nick Lustig war, hatten sie demoralisiert. Doch nach der ersten Schockstarre keimte ein neuer, noch stärkerer Wille zum Widerstand auf. Sie konnten und wollten ihren Freund nicht in diesem Elend zurücklassen. Sie wussten, dass sie auf dem legalen Weg nichts mehr erreichen konnten. Das System hatte versagt. Wenn sie Horst helfen wollten, mussten sie die Regeln brechen.
Die Idee kam von Jason. „Wir müssen die Leute finden, die ihm geholfen haben“, sagte er bei einem ihrer Krisentreffen. „Die Männer in Schwarz, die euch bedroht haben. Die müssen doch irgendwo eine Schwachstelle haben.“ Es war ein verzweifelter Plan, aber es war der einzige, den sie hatten. Sie beschlossen, ihre Taktik zu ändern. Statt Nick direkt zu beobachten, wollten sie sich auf sein Umfeld konzentrieren, auf die zwielichtigen Gestalten, die ihn umgaben.
Ihre Suche führte sie in die Unterwelt der Stadt, in schäbige Bars und zwielichtige Etablissements, Orte, an denen Informationen eine Währung waren. Es war eine gefährliche Welt, in der sie sich nicht auskannten, aber ihre Verzweiflung machte sie mutig. Nach wochenlanger, frustrierender Suche stießen sie endlich auf eine Spur. Ein Barkeeper, dem Paul eine großzügige Summe Geld zugesteckt hatte, erzählte ihnen von einem Mann namens „Der Schatten“, einem berüchtigten Informationshändler, der für seine Diskretion und seine Verbindungen in alle Kreise der Gesellschaft bekannt war. Er sollte derjenige sein, der Nicks Drecksarbeit erledigte.
Die Kontaktaufnahme war kompliziert und riskant. Sie mussten über mehrere Mittelsmänner gehen, bis sie endlich ein Treffen arrangieren konnten. Der Treffpunkt war eine verlassene Lagerhalle am Rande des Industriehafens. Als der „Schatten“ aus der Dunkelheit trat, war er eine unscheinbare Gestalt, ein Mann mittleren Alters in einem unauffälligen Mantel. Doch seine Augen waren kalt und wachsam. Er hörte sich ihre Geschichte an, ohne eine Miene zu verziehen. „Informationen haben ihren Preis“, sagte er schließlich. Der Preis war hoch, er verlangte fast ihre gesamten Ersparnisse. Aber sie zögerten nicht. Es war ihre letzte Hoffnung. Sie zahlten. Der „Schatten“ nahm das Geld, nickte kurz und verschwand wieder in der Dunkelheit, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Die Freunde blieben allein in der kalten Lagerhalle zurück, unsicher, ob sie gerade den größten Fehler ihres Lebens begangen oder den ersten Schritt zur Rettung ihres Freundes getan hatten.