Die Tage nach dem Treffen mit dem „Schatten“ waren von einer nervenaufreibenden Ungewissheit geprägt. Die Freunde hatten alles auf eine Karte gesetzt und wussten nicht, ob sich ihre Investition auszahlen würde. Während sie warteten, breitete sich die Nachricht von Horsts Verurteilung in der Online-Welt wie ein Lauffeuer aus. Die Geschichte des gefallenen Kaisers war ein gefundenes Fressen für andere Content-Creator. Unter ihnen waren auch vier bekannte Gesichter der deutschen YouTube- und Twitch-Szene: Luca, ein charismatischer junger Entertainer, Knossi, der selbsternannte König des Internets, Monte, ein für seine direkte Art bekannter Streamer, und Speed, ein aufstrebender Gaming-Kanal.
Sie alle kannten Horst flüchtig aus der Szene und hatten seinen Aufstieg und Fall mit einer Mischung aus Faszination und professioneller Distanz verfolgt. Doch die Härte des Urteils und die dubiosen Umstände des Prozesses, insbesondere die Rolle von Nick Lustig, machten sie stutzig. In einem gemeinsamen Livestream diskutierten sie den Fall. „Da ist doch was faul“, sagte Monte in seiner gewohnt unverblümten Art. „Sieben Jahre für so eine dünne Beweislage? Und dieser Nick Lustig kommt mir vor wie eine Schlange.“ Knossi, der immer für Gerechtigkeit eintrat, stimmte ihm zu. „Wir haben eine riesige Reichweite. Wir können nicht einfach zusehen, wie jemand so fertiggemacht wird. Wir müssen da was machen, Leute!“
Luca und Speed waren ebenfalls überzeugt. Sie beschlossen, ihre eigene Recherche zu starten und ihre Communities zu mobilisieren. Sie riefen ihre Follower auf, ihnen alle Informationen zu schicken, die sie über Nick Lustig und den Fall finden konnten. Die Resonanz war gewaltig. Innerhalb weniger Stunden wurden sie mit Hinweisen, Gerüchten und Beobachtungen überflutet. Die vier neuen Spieler hatten das Feld betreten, und ihre immense Reichweite stellte für Nick Lustig eine unvorhergesehene und ernstzunehmende Bedrohung dar.
Genau in diesem Moment des aufkeimenden Widerstands erhielten Horsts Freunde eine verschlüsselte Nachricht. Sie enthielt nur eine Adresse und eine Uhrzeit. Es war die Information, für die sie bezahlt hatten. Der „Schatten“ hatte geliefert. Die Adresse führte sie zu einem unscheinbaren Bürogebäude in der Innenstadt. Es war der Sitz einer Firma, die offiziell als Sicherheitsdienstleister fungierte, aber in Wahrheit eine Fassade für Nicks illegale Operationen war. Es war die Zentrale seiner Macht, der Ort, an dem die Fäden zusammenliefen. Die Freunde wussten, dass sie nun einen entscheidenden Vorteil hatten. Sie hatten das Versteck der Spinne gefunden. Doch sie ahnten nicht, dass Nick durch das Auftauchen von Luca, Knossi, Monte und Speed bereits alarmiert war und seine nächsten, noch grausameren Schritte plante. Der Kampf ging in eine neue, noch gefährlichere Runde.
## Teil 3: Gehirnwäsche