Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 18 von 59

Kapitel 15a: Ein Funken Hoffnung in der Dunkelheit

Die Tage nach Horsts Verurteilung waren für seine Freunde eine Qual. Die Welt schien grau und bedeutungslos. Jede Schlagzeile, jeder hämische Online-Kommentar, jeder triumphierende Post von Nick Lustig war ein weiterer Stich ins Herz. Sie trafen sich in ihrer alten Einsatzzentrale, der Wohnung von Paul und Maria, aber die energiegeladene Atmosphäre von einst war einer bedrückenden Stille gewichen. Sie saßen zusammen, aber jeder war allein mit seiner Trauer und seiner Wut.

Am schlimmsten war das Gefühl der Ohnmacht. Sie hatten gekämpft und verloren. Das System, an das sie geglaubt hatten, hatte sie im Stich gelassen. Die Wahrheit hatte keine Rolle gespielt. Es zählte nur die überzeugendere Geschichte, und Nick hatte die bessere Geschichte erzählt.

„Ich kann das nicht akzeptieren“, sagte Jason eines Abends und durchbrach die Stille. Seine Stimme war rau, seine Augen rot vom Weinen und von schlaflosen Nächten. „Wir können ihn nicht einfach dort verrotten lassen. Das ist nicht das Ende.“

„Was sollen wir denn tun, Jason?“, erwiderte Maria mit müder Stimme. „Wir haben alles versucht. Wir haben mit der Polizei geredet, wir haben Beweise gesammelt. Nichts hat funktioniert. Es ist vorbei.“

„Nein!“, schrie Jason und sprang auf. „Es ist nicht vorbei, solange wir noch atmen! Wenn das System ihn nicht freilässt, dann holen wir ihn eben selbst da raus!“

Paul und Maria starrten ihn ungläubig an. „Willst du eine Gefängnisrevolte anzetteln?“, fragte Paul ungläubig. „Jason, sei vernünftig. Wir sind keine Actionhelden. Das ist die Realität.“

„Die Realität ist, dass unser Freund unschuldig im Gefängnis sitzt, während ein Monster da draußen sein Leben zerstört!“, konterte Jason. „Ich pfeife auf die Vernunft! Ich pfeife auf das System! Ich will meinen Freund zurück!“

In diesem Moment der Verzweiflung kam Alex ins Zimmer. Er hatte die letzten Tage ununterbrochen gearbeitet, hatte sich durch die digitalen Spuren des Falles gewühlt, auf der Suche nach irgendetwas, das sie übersehen hatten. „Vielleicht hat Jason recht“, sagte er leise. Alle drehten sich zu ihm um. „Nicht mit der Gefängnisrevolte“, fügte er schnell hinzu. „Aber damit, dass es noch nicht vorbei ist.“

Er breitete eine Reihe von Ausdrucken auf dem Tisch aus. Es waren komplexe Diagramme, die Netzwerkverbindungen und Datenflüsse zeigten. „Ich habe die Metadaten der angeblichen Beweis-E-Mail analysiert, die Nick dem Gericht vorgelegt hat. Sie ist eine Fälschung. Eine verdammt gute, aber eine Fälschung. Der Zeitstempel des Versands passt nicht zum Zeitstempel der Erstellung des Anhangs. Es gibt eine Diskrepanz von 3,7 Sekunden. Das ist unmöglich, wenn die Datei direkt angehängt und versendet wird. Jemand hat die Datei manipuliert, nachdem sie erstellt wurde.“

Ein Funken Hoffnung zündete in den Augen der Freunde. Es war nicht viel. Ein technisches Detail, das ein Gericht bereits ignoriert hatte. Aber es war etwas. Es war der Beweis, dass sie die ganze Zeit recht gehabt hatten. Und es war der erste Riss in der scheinbar perfekten Fassade von Nick Lustigs Lügengebäude.

„Das reicht nicht für eine Berufung“, sagte Paul, aber seine Stimme klang schon fester. „Aber es ist ein Anfang. Es ist ein Beweis, dass wir weitersuchen müssen.“

Jasons Wut wich einer neuen Entschlossenheit. „Okay, Tech-Boy“, sagte er zu Alex. „Was brauchen wir noch?“

„Wir brauchen den Ursprung der Fälschung“, erklärte Alex. „Wir müssen beweisen, wer die E-Mail manipuliert hat. Und dafür müssen wir an Nicks Computer. Wir müssen in die Höhle des Löwen.“ Der Plan war waghalsig, fast selbstmörderisch. Aber er war besser als kein Plan. Der Funken Hoffnung hatte sich in eine kleine, aber entschlossene Flamme verwandelt. Der Kampf um Kaiser Horst war noch nicht vorbei. Er hatte gerade erst begonnen.