Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 27 von 59

Kapitel 24: Die Flucht

Der schrille Ton des Feueralarms war ohrenbetäubend und schmerzte in den Ohren, aber für Jason und Alex war er das schönste Geräusch der Welt. Er war das Signal für Chaos, ihre einzige Chance zur Flucht. Sie stürmten aus dem Labor, rannten an den beiden verdutzten Wachmännern vorbei und den langen Kellergang hinunter. Hinter ihnen hörten sie Rufe und das Geräusch von schweren Stiefeln auf dem Betonboden, aber sie wagten es nicht, sich umzudrehen.

Im Treppenhaus kamen ihnen bereits die ersten Angestellten entgegen, die pflichtbewusst, aber ohne Eile die Evakuierungswege suchten. Jason und Alex mischten sich unter die kleine Menge, ihre panischen Gesichter fielen in der allgemeinen Verwirrung nicht weiter auf. Sie rissen sich die Reinigungskittel vom Leib und warfen sie in eine Ecke. Nun waren sie nur noch zwei junge Männer in dunklen Pullovern, unauffällig und anonym.

Als sie die Lobby erreichten, herrschte dort bereits helle Aufregung. Der junge Wachmann vom Empfang telefonierte hektisch, während immer mehr Menschen aus den Aufzügen und Gängen strömten. Jason und Alex schoben sich durch die Menge in Richtung des Ausgangs. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er eine Ewigkeit dauern. Die Angst, dass ihnen jemand eine Hand auf die Schulter legen und sie aufhalten würde, war lähmend.

Endlich erreichten sie die gläserne Schiebetür und traten hinaus in die kühle Nachtluft. Sie atmeten tief durch, als wären sie aus dem Wasser aufgetaucht. Ohne sich umzusehen, rannten sie über die Straße zu der dunklen Gasse, in der der Van wartete. Die Tür wurde aufgerissen, bevor sie sie überhaupt erreicht hatten. Paul und Maria zogen sie hinein. „Fahr!“, schrie Jason, noch bevor die Tür richtig geschlossen war.

Paul trat das Gaspedal durch. Die Reifen quietschten auf dem Asphalt, als der Van aus der Gasse schoss und in den nächtlichen Verkehr eintauchte. Im Rückspiegel sahen sie die ersten Blaulichter in der Ferne auftauchen, die sich dem Bürogebäude näherten. Sie hatten es geschafft. Vorerst.

Im Inneren des Wagens herrschte eine Mischung aus Adrenalin, Erschöpfung und triumphaler Erleichterung. Alex hielt den kleinen USB-Stick in die Höhe wie eine Trophäe. „Wir haben es“, keuchte er. „Wir haben alles. Die Aufnahmen, die Pläne, alles.“ Maria, die am Steuer saß, damit Paul sich auf die Navigation konzentrieren konnte, warf einen kurzen Blick über die Schulter. „Seid ihr sicher?“

Alex nickte und steckte den Stick in den Laptop. Nach einem Moment des Ladens erschienen die Dateien auf dem Bildschirm. Sie klickten auf eines der Videos. Das leere, apathische Gesicht von Knossi starrte ihnen entgegen, während im Hintergrund die monotone Stimme von Dr. Finch zu hören war. Es war der unumstößliche Beweis. Sie hatten die Wahrheit in ihren Händen. Ein gefährliches, explosives Gut, das Nicks Imperium zum Einsturz bringen konnte, aber sie auch zur Zielscheibe Nummer eins machte.