Sie fuhren die ganze Nacht, wechselten mehrmals das Fahrzeug und entsorgten ihre Handys, um nicht geortet werden zu können. Ihr neues Versteck war eine abgelegene Hütte in den Bergen, die einem Onkel von Maria gehörte. Abgeschnitten von der Welt, aber sicher vor Nicks Schergen, begannen sie, ihren nächsten Schritt zu planen. Sie hatten die Beweise, aber wie konnten sie sie an die Öffentlichkeit bringen, ohne dass Nick sie vorher abfangen und vernichten würde?
„Wir können nicht zur Polizei gehen“, sagte Paul. „Nick hat seine Leute überall. Die Beweise würden verschwinden, und wir gleich mit.“ Maria stimmte ihm zu. „Und die Medien sind auch keine Option. Er würde seine Anwälte auf sie hetzen und alles als Fälschung abtun, bevor die Geschichte überhaupt gedruckt ist.“
Die Lösung war so einfach wie genial. „Wir nutzen seine eigene Waffe gegen ihn“, sagte Jason. „Das Internet. Wir werden die Beweise nicht an eine zentrale Stelle geben. Wir werden sie überall gleichzeitig veröffentlichen.“
Der Plan war kühn. Sie würden die Videodateien und Dokumente auf Dutzende von File-Sharing-Plattformen und anonymen Servern hochladen. Dann würden sie die Links über ein Netzwerk von Bots und gefälschten Social-Media-Konten gleichzeitig in allen relevanten Foren, Kommentarspalten und auf den Profilen von Tausenden von Influencern verbreiten. Sie würden eine Flutwelle auslösen, die so groß und so schnell war, dass Nick sie unmöglich aufhalten konnte. Sie nannten die Operation „Tag der Wahrheit“.
Zwei Tage lang arbeiteten sie ununterbrochen. Alex, der Technikexperte, bereitete die digitale Infrastruktur vor, während die anderen die begleitenden Texte schrieben, die den Kontext erklärten und die Verbrechen von Nick Lustig und Dr. Finch detailliert beschrieben. Sie wählten einen Zeitpunkt für die Veröffentlichung, an dem die meisten Menschen online waren: Sonntagabend, 20:15 Uhr.
Als der Moment gekommen war, versammelten sie sich um den Laptop. Mit einem einzigen Klick setzte Alex das Programm in Gang. Auf dem Bildschirm sahen sie, wie die Links in Echtzeit im Internet explodierten. Es war, als hätten sie einen digitalen Damm gebrochen. Innerhalb von Minuten begannen die ersten Reaktionen einzutreffen. Die Hashtags #WahrheitFürHorst und #NickLustigExposed trendeten weltweit. Die Server der Nachrichtenportale brachen unter dem Ansturm der Zugriffe zusammen. Die Online-Welt hielt den Atem an und starrte auf die schreckliche Wahrheit, die nun für jeden sichtbar war.
In seinem hochmodernen Büro sah Nick Lustig fassungslos auf die Monitore, die ihm seinen eigenen Untergang zeigten. Er schrie, er tobte, er befahl seinen Leuten, die Verbreitung zu stoppen. Aber es war zu spät. Der Geist war aus der Flasche, das digitale Feuer brannte lichterloh und war nicht mehr zu löschen. Der Tag der Wahrheit war gekommen, und die Grundfesten von Nicks Lügenimperium begannen zu beben.
## Teil 4: Die Befreiung