Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 36 von 59

Kapitel 32: Der Untergang

Die Explosion im Fundament war keine gewöhnliche Detonation. Nick hatte sie mit diabolischer Präzision geplant. Es war keine einzelne, gewaltige Explosion, die das Gebäude sofort in Schutt und Asche gelegt hätte. Stattdessen war es eine Kettenreaktion von kleineren, strategisch platzierten Ladungen, die die tragenden Säulen des Wolkenkratzers eine nach der anderen sprengten. Das Gebäude stürzte nicht einfach in sich zusammen. Es begann zu sinken, in sich zu zerfallen wie ein sterbendes Tier.

Auf dem Dach wurden Horst, Jason und Alex von den Füßen gerissen. Der Boden unter ihnen erzitterte und neigte sich in einem schrecklichen Winkel. Alles, was nicht niet- und nagelfest war – Lüftungsanlagen, Antennen, lose Kieselsteine – rutschte dem Abgrund entgegen. Jason, der immer noch halb über der Kante hing, wurde von Alex und Horst im letzten Moment gepackt und zurück auf die schwankende Plattform gezerrt.

„Wir müssen hier runter!“, schrie Alex und versuchte, den Lärm des berstenden Betons und des splitternden Glases zu übertönen. Sie krochen auf allen Vieren zur Tür des Treppenhauses, während das Dach unter ihnen in Wellen auf und ab wog. Der Himmel, eben noch von den Lichtern der Hubschrauber erfüllt, war nun von einer riesigen Staubwolke verdunkelt, die aus den unteren Stockwerken aufstieg.

Sie erreichten die Tür und stolperten ins Treppenhaus. Doch auch hier herrschte das Chaos. Die Wände hatten Risse, durch die Staub und Rauch drangen. Die Notbeleuchtung flackerte und erlosch dann ganz. In völliger Dunkelheit, nur geleitet von den Schreien der wenigen anderen Menschen, die im Gebäude gefangen waren, und dem Instinkt, nach unten zu fliehen, stolperten sie die Treppen hinab. Jeder Schritt war ein Risiko. Ganze Abschnitte der Treppe waren bereits weggebrochen und zwangen sie, über gähnende Abgründe zu springen.

Das Gebäude ächzte und stöhnte um sie herum wie ein lebendiges Wesen in seinen Todeszügen. Metallträger bogen sich mit einem ohrenbetäubenden Kreischen, ganze Stockwerke fielen in sich zusammen und lösten eine Druckwelle aus, die sie fast von den Beinen riss. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, ein verzweifelter Kampf ums Überleben inmitten des totalen Zusammenbruchs.

Als sie endlich das Erdgeschoss erreichten, war die Lobby nicht wiederzuerkennen. Die elegante Glasfassade war zerborsten, die Decke teilweise eingestürzt. Draußen sahen sie das flackernde Blaulicht der Einsatzfahrzeuge, hörten die Sirenen und die Schreie der Menschen auf der Straße. Mit letzter Kraft kämpften sie sich durch die Trümmer und hinaus ins Freie, nur wenige Sekunden bevor der Rest des gewaltigen Gebäudes mit einem donnernden Grollen endgültig in sich zusammenfiel und eine riesige Staubwolke freisetzte, die die umliegenden Straßen in eine gespenstische, graue Dunkelheit hüllte. Sie hatten überlebt. Aber der Anblick des riesigen Trümmerfeldes, wo eben noch ein Wolkenkratzer gestanden hatte, brannte sich für immer in ihr Gedächtnis. Nick Lustig hatte sein Finale bekommen. Er hatte sein eigenes Haus zerstört und war unter dessen Trümmern begraben worden.