Das Chaos rund um das Penthouse war ihre einzige Chance. Während die Sondereinheiten der Polizei sich vorsichtig von Stockwerk zu Stockwerk vorarbeiteten und eine Sprengfalle nach der anderen entschärften, schlichen sich Horst, Jason und Alex durch den Hintereingang des Gebäudes, der zu den Lieferantenaufzügen und dem Müllraum führte. Die Gänge waren menschenleer; die gesamte Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf die oberen Stockwerke. Ihr Ziel war nicht das Penthouse. Sie wussten, dass Nick nicht dort sein würde. Er war ein Narzisst, der eine Bühne für seinen letzten Akt brauchte. Und es gab keine größere Bühne als das Dach des Gebäudes, hoch über der Stadt, die er zu beherrschen geglaubt hatte.
Sie erreichten das oberste Stockwerk über das Nottreppenhaus, ihre Schritte hallten an den Betonwänden wider. Die letzte Tür, die auf das Dach führte, war unverschlossen. Als sie sie öffneten, schlug ihnen der kalte Nachtwind entgegen, vermischt mit dem Dröhnen der Polizeihubschrauber, die das Gebäude umkreisten. Und da stand er. Mitten auf dem Dach, die Arme ausgebreitet, als würde er die Stadt umarmen. Nick Lustig. Sein teurer Anzug war zerknittert, sein Gesicht von der Anspannung und dem Schlafmangel der letzten Woche gezeichnet, aber in seinen Augen loderte ein wahnsinniges, triumphales Feuer.
„Ich wusste, dass ihr kommt“, rief er über den Lärm der Rotoren hinweg. „Die Helden wollen ihren großen Auftritt.“
„Es ist vorbei, Nick!“, schrie Horst ihm entgegen. „Gib auf!“
Nick lachte, ein schrilles, hysterisches Geräusch. „Vorbei? Oh, nein. Es hat gerade erst begonnen. Das ist mein Finale. Mein Meisterwerk.“ Er deutete mit einer dramatischen Geste auf die Stadt unter ihnen. „Seht ihr diese Lichter? Diese ahnungslose Stadt? Ich habe eine kleine Überraschung im Fundament dieses Gebäudes platziert. Genug Sprengstoff, um diesen ganzen Block in einen Krater zu verwandeln. Und der Zünder ist hier.“ Er hielt ein kleines Gerät in die Höhe, das an sein Herz gekoppelt war. „Mein Herzschlag ist der Zünder. Wenn mein Herz aufhört zu schlagen, aus welchem Grund auch immer, geht alles in die Luft.“
Das Entsetzen lähmte die drei Freunde. Das war sein Plan. Ein letzter, mörderischer Akt der Zerstörung, der ihn unsterblich machen sollte. Er wollte nicht nur untergehen, er wollte alle mit sich reißen.
„Du bist wahnsinnig!“, schrie Jason und machte einen Schritt auf ihn zu. „Nein“, erwiderte Nick mit einem kalten Lächeln. „Ich bin die Konsequenz. Ihr habt mir alles genommen. Meinen Ruhm, mein Imperium. Jetzt nehme ich euch eure heile Welt.“
In diesem Moment stürzte Jason los. Die Wut und der Hass überwältigten jede Vernunft. Er riss Nick zu Boden. Ein brutaler, verzweifelter Kampf entbrannte auf dem Dach, nur wenige Meter vom Abgrund entfernt. Horst und Alex versuchten, sie zu trennen, aber die beiden waren in ihrem Hass aufeinander verbissen. Sie rollten über den rauen Boden, immer näher an die Kante. In einem letzten, verzweifelten Kraftakt gelang es Nick, sich aufzurichten. Er stand taumelnd am Rand des Daches, Jason klammerte sich an seine Beine. Für einen schrecklichen Moment sahen sie sich in die Augen – der Jäger und der Gejagte, vereint in ihrem gegenseitigen Untergang. Dann verlor Nick das Gleichgewicht. Mit einem letzten, ungläubigen Schrei stürzte er rückwärts in die Tiefe. Jason konnte sich gerade noch an der Dachkante festhalten. Der Schrei verstummte. Unten auf der Straße gab es einen dumpfen Aufprall, der vom Lärm der Stadt verschluckt wurde. Stille. Dann ein ohrenbetäubender Knall. Eine gewaltige Explosion erschütterte das Fundament des Gebäudes. Nicks letzter Wille war erfüllt worden. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen.