Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 44 von 59

Kapitel 40: Die Schlange im Paradies

Der erste Schritt des neuen Plans war so einfach wie heimtückisch. Isabella musste einen Weg zurück in Horsts Leben finden. Sie wusste, dass ein direkter Ansatz scheitern würde. Nach allem, was geschehen war, würde Horst ihr mit tiefem Misstrauen begegnen. Also wählte sie den Weg, der am ehesten auf sein Mitgefühl abzielen würde: über ihren gemeinsamen Sohn, Leon.

Sie rief Horst an. Ihr Herz hämmerte, aber ihre Stimme, die sie stundenlang geübt hatte, klang brüchig und voller Reue. „Horst? Ich... ich weiß, ich bin die Letzte, von der du hören willst“, begann sie, eine gespielte Träne in der Stimme. „Aber ich habe alles mit angesehen. Was sie dir angetan haben. Und was ich... was ich zugelassen habe. Ich war so blind und verbittert. Ich schäme mich so sehr.“

Horst war am anderen Ende der Leitung still. Er war überrascht von dem Anruf, und seine erste Reaktion war ein tiefes, instinktives Misstrauen. Doch die Erwähnung ihrer Scham und Reue traf einen Nerv. Er, der selbst so viel durchgemacht hatte, war empfänglich für die Idee der Vergebung.

„Es geht mir nicht um mich“, fuhr Isabella fort, als sie seine Stille spürte. „Es geht um Leon. Er leidet so sehr. Er braucht uns beide, Horst. Er braucht eine Familie, die zusammenhält, auch wenn wir kein Paar mehr sind. Können wir uns bitte treffen? Nur um zu reden. Für Leon.“

Die Erwähnung seines Sohnes war der entscheidende Stoß. Horsts Herz wurde weich. Die Beziehung zu Leon war immer noch zerbrechlich, und er würde alles tun, um sie zu stärken. Gegen seinen eigenen, besseren Instinkt stimmte er einem Treffen zu.

Als er seinen Freunden davon erzählte, waren die Reaktionen heftig. „Bist du verrückt geworden?“, fuhr Jason ihn an. „Du willst dich mit dieser Schlange treffen? Nach allem, was passiert ist? Sie hat dich fallen lassen, als du sie am meisten gebraucht hättest!“ Paul und Maria waren ebenfalls skeptisch. „Sei vorsichtig, Horst“, warnte Paul. „Wir wissen nicht, was sie im Schilde führt. Nick hat sie nicht ohne Grund auf seiner Liste gehabt.“

Doch Horst blieb bei seiner Entscheidung. „Es geht um Leon“, wiederholte er. „Und vielleicht hat sie sich ja wirklich geändert. Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Es war der erste ernsthafte Riss in der sonst so harmonischen Einheit der Freunde. Sie verstanden seine Beweggründe, aber sie teilten seine Nachsicht nicht. Sie sahen die Gefahr, die er in seinem Wunsch nach Frieden und Versöhnung zu ignorieren schien.

Das Treffen fand in einem neutralen Café statt. Isabella spielte ihre Rolle perfekt. Sie weinte, sie entschuldigte sich, sie sprach von ihren Fehlern und ihrer Einsamkeit. Sie malte das Bild einer geläuterten Frau, die nichts weiter wollte, als die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Und Horst, dessen Herz zu groß war, um dauerhaften Groll zu hegen, begann ihr zu glauben. Er willigte ein, dass sie wieder ein Teil von Leons Leben werden und auch ihn gelegentlich sehen durfte. Die Schlange war im Paradies angekommen. Die Tür stand ihr offen, und sie war bereit, ihr Gift langsam und unmerklich zu versprühen.