Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 52 von 59

Kapitel 48: Die Entlarvung der Schlange

Die emotionale Wiedervereinigung wurde jäh unterbrochen, als Isabella ins Zimmer trat. Ihr Gesicht, das eben noch besorgte Mütterlichkeit ausgestrahlt hatte, war nun eine kalte, harte Maske. „Was soll das werden?“, zischte sie. „Eine Gruppenumarmung? Habt ihr vergessen, wie ihr ihn alle im Stich gelassen habt?“

Doch ihre Worte verfingen nicht mehr. Horst, gestärkt durch die Anwesenheit seiner wahren Freunde, trat ihr mit einer neuen, ruhigen Festigkeit entgegen. „Es ist vorbei, Isabella. Ich weiß jetzt, was hier gespielt wird.“

Isabella lachte ein kurzes, verächtliches Lachen. „Du weißt gar nichts, Horst. Du bist ein gebrochener Mann, der Geister sieht. Deine ‚Freunde‘ hier haben dich doch erst in diese Paranoia getrieben.“

In diesem Moment flackerte das Licht im Raum. Der Fernseher sprang an und zeigte ein Live-Bild von draußen, auf dem sich Polizeiwagen der Wohnung näherten. Eine verzerrte Stimme, die von Lilith, dröhnte aus den Lautsprechern: „Sie sind umzingelt. Gebt auf. Ihr seid allein.“ Es war ein letzter, verzweifelter Versuch, Horst zu verunsichern, ihn glauben zu lassen, seine Freunde hätten ihn in eine Falle gelockt.

Doch diesmal waren sie vorbereitet. Alex hatte sein Handy gezückt und war in einer Videokonferenz mit Speed. „Ich sehe es“, sagte Speed aus dem Lautsprecher. „Sie greift auf das lokale Netzwerk zu. Ich leite den Traffic um und schneide sie ab. Gebt mir zehn Sekunden.“ Auf dem Fernseher flackerte das Bild, die Sirenen verstummten, und stattdessen erschien das Logo eines Kinderkanals. Die Lichter gingen wieder normal an. Die digitale Bedrohung war, zumindest für den Moment, neutralisiert.

Die Entlarvung war komplett. Isabellas Gesicht entgleiste. Die gespielte Sorge wich einer Fratze aus purem, unverfälschtem Hass. „Ihr Narren!“, schrie sie. „Ihr glaubt, ihr hättet gewonnen? Das ist erst der Anfang! Er wird euch alle vernichten!“

„Er?“, fragte Paul leise. „Du meinst Nick.“

Isabellas Augen funkelten. „Er hat überlebt! Er ist stärker als je zuvor! Und er hat mir gezeigt, was du wirklich bist, Horst! Ein kleiner, unbedeutender Mann, der durch Zufall berühmt wurde und alles Glück der Welt für sich beansprucht, während andere, die es mehr verdient hätten, leer ausgehen! Ich hasse dich! Ich hasse dich für alles, was du hast und was ich nie haben werde!“

In ihrer rasenden Wut griff sie nach einer schweren Vase auf dem Beistelltisch und schleuderte sie auf Horst. Jason warf sich dazwischen und wehrte den Wurf mit dem Arm ab. Die Vase zerschellte an der Wand. Bevor Isabella erneut angreifen konnte, wurde sie von Paul und Jason gepackt und festgehalten. Sie wand sich und schrie, eine Furie, deren Maske endgültig gefallen war.

Maria hatte bereits die Polizei gerufen. Diesmal die echte. Als die Beamten eintrafen, fanden sie eine tobende Isabella und vier erschöpfte, aber entschlossene Freunde vor. Die Schlange war entlarvt und unschädlich gemacht. Der erste Pfeiler von Nicks neuem Imperium war gebrochen. Aber sie wussten, dass die beiden anderen, der Geist in der Maschine und das Monster in den Schatten, immer noch da draußen waren.