Die Lagerhalle war ein Labyrinth aus rostigen Regalen, verrottenden Kisten und tiefen Schatten. Der Regen trommelte auf das Wellblechdach und erzeugte eine ohrenbetäubende, chaotische Symphonie, die den brutalen Kampf im Inneren untermalte. Jason und Nick waren in der Dunkelheit verschwunden, aber die Geräusche ihres Kampfes waren unmissverständlich: das Krachen von Metall, das Splittern von Holz, unterdrückte Schmerzensschreie und das heisere Keuchen zweier Männer, die bis zum Äußersten gingen.
Horst wollte ihnen nachstürzen, aber Paul und Hauptkommissar Richter hielten ihn zurück. „Nein!“, schrie Richter. „Das ist zu gefährlich! Meine Männer sichern das Gebäude!“ Doch sie alle wussten, dass dies kein normaler Polizeieinsatz mehr war. Es war ein persönliches Duell, ein Zweikampf, der seit dem ersten Verrat von Nick Lustig unausweichlich gewesen war.
Im Inneren der Halle hatte Jason die Pistole aus Nicks Hand geschlagen. Sie war irgendwo in der Dunkelheit verschwunden. Nun war es ein Kampf Mann gegen Mann. Es war kein eleganter Kampf, keine choreografierte Auseinandersetzung. Es war ein roher, animalischer Ringkampf auf Leben und Tod. Sie schlugen, traten und bissen, angetrieben von Jahren des aufgestauten Hasses und der Verzweiflung.
Nick war körperlich gezeichnet, aber sein Wahnsinn verlieh ihm eine unheimliche Kraft. Er lachte, während sie kämpften, ein keuchendes, blubberndes Geräusch, das aus seiner zerstörten Kehle kam. „Du hättest mich sterben lassen sollen, Jason!“, zischte er, als es ihm gelang, Jason zu Boden zu werfen. „Du kämpfst für einen Mann, der dich weggeworfen hat! Einen schwachen, pathetischen Narren!“
„Er ist mein Bruder!“, schrie Jason zurück und rammte seinen Kopf mit aller Kraft gegen Nicks Kinn. Nick taumelte zurück, Blut spritzte aus seinem Mund. Für einen Moment war er überrascht, und diese Sekunde der Unachtsamkeit nutzte Jason. Er rappelte sich auf und stürzte sich erneut auf seinen Gegner. Sie rollten über den schmutzigen Betonboden, vorbei an Pfützen aus Regenwasser und Öl, ihre Körper waren von Schlamm und Blut bedeckt.
Der Kampf führte sie tiefer in die Halle, zu einer alten, verrosteten Hebebühne, die über einer tiefen Wartungsgrube hing. Die korrodierten Ketten ächzten unter ihrem Gewicht, als sie darauf landeten. Die Plattform schwankte gefährlich. Unter ihnen gähnte ein schwarzes, rechteckiges Loch.
„Wir enden hier, Jason“, keuchte Nick, ein wahnsinniges Glitzern in seinem einen, sehenden Auge. „Gemeinsam. Das ist doch poetisch, oder?“ Er zog ein Messer aus seinem Stiefel, das er als letzte Waffe versteckt hatte. Die Klinge blitzte im spärlichen Licht auf, das durch die schmutzigen Fenster fiel. Er stach zu, aber Jason konnte im letzten Moment ausweichen. Die Klinge fuhr ihm durch den Ärmel seiner Jacke und riss eine tiefe Wunde in seinen Arm. Der Schmerz war blendend, aber das Adrenalin ließ ihn weiterkämpfen. Er wusste, dass dies der letzte Akt war. Einer von ihnen würde diese Halle nicht lebend verlassen.