Der Gestank von verbranntem Fleisch und feuchter Erde hing schwer in der Luft des verlassenen Bunkers. Es war ein Geruch, den Nick Lustig mittlerweile als sein eigenes, abstoßendes Parfüm betrachtete. Jeder Atemzug war eine schmerzhafte Erinnerung an sein grandioses Versagen, an den Tag, an dem sein perfekt konstruiertes Lügengebäude in sich zusammengefallen war und ihn unter den Trümmern seines eigenen Hauses begraben hatte. Doch er hatte überlebt, wenn man dieses elende Dasein als Leben bezeichnen konnte. Die Flammen hatten sein Gesicht zu einer grotesken Fratse aus wulstigem Narbengewebe und entstellten Zügen verformt, aber sein Hass, dieser reine, unverfälschte Hass, war reiner und stärker als je zuvor. Er war das Einzige, was ihn noch am Leben hielt, die einzige Kraft, die ihn in dieser feuchten, kalten Dunkelheit antrieb.
Er saß an einem rostigen Metalltisch, das kalte, flackernde Licht einer einzelnen Glühbirne warf lange, tanzende Schatten an die feuchten Betonwände. Vor ihm lag ein chaotisches Sammelsurium aus alten Zeitungsartikeln, ausgedruckten Webseiten und hastig hingekritzelten Notizen, die alle einen einzigen Namen trugen: Mr. Beast. Ein Lächeln, das eher ein schmerzhaftes, unkontrolliertes Zucken seiner vernarbten Lippen war, huschte über sein entstelltes Gesicht. Dieser amerikanische YouTube-Star, dieser selbstgerechte Philanthrop mit dem strahlenden Lächeln und den Millionen von blinden, ergebenen Anhängern, war der Schlüssel. Er war die perfekte, ahnungslose Marionette für seinen neuen, noch teuflischeren, noch umfassenderen Plan. Ein Plan, der weit über die bloße Zerstörung von Kaiser Horst hinausging.
Wochenlang hatte Nick im Verborgenen gehaust, hatte jede noch so kleine Information über Mr. Beast aufgesogen wie ein trockener Schwamm. Er kannte seine täglichen Routinen, seine engsten Vertrauten, seine verborgenen Ängste. Er wusste, dass Mr. Beast eine fast kindliche Schwäche für das Spektakuläre, für das scheinbar Unmögliche hatte. Und genau das würde Nick ihm bieten, eine Show, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengen würde.
Sein Blick wanderte zu dem seltsamen, unförmigen Gerät, das in der dunkelsten Ecke des Bunkers stand, notdürftig abgedeckt mit einer schmutzigen, zerschlissenen Plane. Er hatte es unter Einsatz seines Lebens aus den noch rauchenden Trümmern seines Hauses geborgen, ein unschätzbares Überbleibsel der mysteriösen Technologie, die ihm sein anonymer, aber unglaublich mächtiger Gönner vor langer Zeit zugespielt hatte. Es war ein kompliziertes, unverständliches Geflecht aus unbekannten, schimmernden Metallen, pulsierenden, organisch wirkenden Lichtern und leise surrenden Spulen. Ein Gerät, dessen wahres Potenzial er bisher nur erahnen konnte, ein Gerät, das in der Lage war, die fundamentalen Gesetze der Realität zu durchbrechen und Portale in andere, unbekannte Dimensionen zu öffnen.
Bisher hatte er sich nicht getraut, es zu aktivieren. Die Risiken waren unkalkulierbar. Doch jetzt, in seiner abgrundtiefen Verzweiflung und seinem alles verzehrenden Verlangen nach Rache, war er bereit, absolut alles zu riskieren. Er stand langsam auf, zog die Plane von dem Gerät, und ein leises, rhythmisches, fast herzschlagähnliches Summen erfüllte den Raum, als die Lichter auf der Oberfläche des Geräts in einem hypnotisierenden Muster zu pulsieren begannen.
Nick legte eine zitternde Hand auf die kühle, glatte Metalloberfläche. Eine Welle von roher, unkontrollierbarer Energie durchfuhr ihn, eine berauschende, gefährliche Mischung aus unvorstellbarer Macht und aufkeimendem Wahnsinn. Er schloss die Augen und konzentrierte sich mit all seiner Willenskraft auf sein Ziel. Er dachte an Mr. Beast, an sein strahlendes, naives Lächeln, an seine gigantische Reichweite und seinen Einfluss. Er stellte sich vor, wie er diesen Mann brechen, seinen Willen unterwerfen und ihn zu seinem willenlosen Werkzeug machen würde, um Kaiser Horst endgültig zu vernichten.
Ein lautes, ohrenbetäubendes Knacken riss ihn aus seinen blutrünstigen Gedanken. Die Lichter auf dem Gerät flackerten wild auf, und in der Mitte des Raumes begann die Luft zu flimmern und zu zerreißen. Ein Riss in der Realität selbst tat sich auf, ein wirbelnder, chaotischer Strudel aus Farben und Formen, der ein leises, unheimliches, vielstimmiges Flüstern ausstieß. Nick starrte wie gebannt in das Portal. Er wusste nicht, was ihn auf der anderen Seite erwartete, aber das war ihm gleichgültig. Alles, was zählte, war seine Rache. Er trat einen Schritt näher an den Abgrund, sein entstelltes Gesicht wurde von dem unheimlichen, pulsierenden Licht des Portals beleuchtet. Ein diabolisches, triumphierendes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. "Mr. Beast", flüsterte er, seine Stimme ein heiseres Krächzen, "mach dich bereit für die Show deines Lebens." Die Dunkelheit des Portals schien ihm zu antworten, ein stilles Versprechen auf unvorstellbare Macht und grenzenloses Chaos. Nick Lustig war zurück, und dieses Mal würde ihn nichts aufhalten können. Sein Schatten würde sich über die Welt legen, und Kaiser Horst würde der Erste sein, der in dieser neuen Finsternis untergeht. Der Königsmacher war gefallen, doch aus seiner Asche erhob sich ein Dämon, dessen Durst nach Rache unstillbar war. Die Saga von Kaiser Horst hatte gerade erst eine neue, düstere Wendung genommen.
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Die Lichter der Gala blendeten, ein Meer aus Diamanten und Seide, in dem sich die Elite der Social-Media-Welt sonnte. Doch inmitten des opulenten Scheins lauerte ein Schatten, eine Dunkelheit, die darauf brannte, alles zu verschlingen. Nick Lustig, dessen Gesicht hinter einer makellosen Maske aus Silikon und Prothesen verborgen war, bewegte sich mit einer geschmeidigen Eleganz durch die Menge, die seine wahre, vernarbte Fratze Lügen strafte. Sein Blick, kalt und berechnend, suchte nach dem einen Gesicht, das ihm den Schlüssel zu seiner Rache geben würde.
Und da war er. Mr. Beast, der Titan der viralen Videos, umringt von einer Traube von Bewunderern, sein Lächeln so strahlend wie die Scheinwerfer über ihm. Nick spürte, wie ein eisiger Schauer seinen Rücken hinablief, eine Mischung aus Vorfreude und Hass. Er hatte Monate damit verbracht, seine Technik zu perfektionieren, die Kunst der Gehirnwäsche, die er an weniger wichtigen Persönlichkeiten getestet hatte, bis er sie zu einer feinen, unsichtbaren Waffe geschliffen hatte. Ein Flüstern hier, eine Berührung da, ein gezielter Blick, der tiefer ging als jede Kamera. Es war eine Symphonie der Manipulation, und heute Abend sollte sie ihre Premiere feiern.
Mit einer einstudierten Lässigkeit näherte sich Nick der Gruppe. Er wartete geduldig, bis sich eine kleine Lücke auftat, ein flüchtiger Moment, in dem Mr. Beasts Aufmerksamkeit nicht gefesselt war. "Eine beeindruckende Veranstaltung, nicht wahr?", sagte Nick mit einer Stimme, die er so moduliert hatte, dass sie Vertrauen und Autorität ausstrahlte. Mr. Beast wandte sich ihm zu, sein Lächeln immer noch präsent, aber ein Hauch von Neugier in seinen Augen. "In der Tat. Kennen wir uns?"
"Noch nicht", erwiderte Nick und streckte seine Hand aus. "Aber ich bin ein großer Bewunderer Ihrer Arbeit. Die Art und Weise, wie Sie die Massen bewegen, ist... inspirierend." Als Mr. Beast die Hand schüttelte, schloss sich die Falle. Nicks Daumen drückte kaum merklich auf einen Nervenpunkt an der Handwurzel, ein winziger Impuls, der eine Kaskade von unterbewussten Signalen auslöste. Gleichzeitig fixierte er Mr. Beasts Blick, seine Pupillen weiteten sich kaum merklich, während er eine Reihe von subliminalen Befehlen in die Tiefen des Bewusstseins seines Opfers sandte. Es war ein Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Wahrnehmung und Unterbewusstsein, ein Meisterwerk der psychologischen Kriegsführung.
Mr. Beasts Lächeln gefror. Seine Augen verloren ihren Glanz, wurden zu leeren, kalten Spiegeln. Die Bewunderer um ihn herum bemerkten nichts, zu sehr gefangen im Glanz des Augenblicks. Doch in diesem kurzen Moment hatte Nick die Kontrolle übernommen. Er hatte den Willen des Mannes gebrochen und ihn zu einer leeren Hülle gemacht, bereit, mit seinen eigenen, finsteren Absichten gefüllt zu werden. "Kommen Sie", flüsterte Nick, seine Stimme nun ein leises Zischen. "Wir haben Wichtigeres zu besprechen."
Wie eine Marionette, deren Fäden gezogen wurden, folgte Mr. Beast ihm widerstandslos in einen abgelegenen Bereich des Gartens, weg von den neugierigen Blicken. Die Nachtluft war kühl, aber nicht so kalt wie die Leere in Mr. Beasts Augen. Nick nahm seine Maske ab und offenbarte das vernarbte, entstellte Gesicht, das Kaiser Horst ihm hinterlassen hatte. "Sieh mich an", befahl er. "Sieh das Gesicht deines neuen Meisters."
Mr. Beast starrte ihn an, ohne eine Regung zu zeigen. Keine Angst, kein Schock, nur eine kalte, emotionslose Leere. Die Gehirnwäsche war vollständig. Nick lächelte, ein grausames, triumphierendes Lächeln. "Du wirst mir helfen, meinen Plan zu vollenden. Du wirst mir helfen, Kaiser Horst endgültig zu vernichten."
Er trat näher und legte seine Hand auf Mr. Beasts Schulter. "Wir werden ihn nicht töten. Das wäre zu gnädig. Nein, wir werden ihn an einen Ort schicken, aus dem es kein Entkommen gibt. Eine fremde, dystopische Parallelwelt, ein Gefängnis für seine Seele. Er wird dort für immer gefangen sein, allein mit seinen Ängsten, während die Welt ihn vergisst."
Nicks Augen funkelten vor Bosheit. "Du wirst ihn dorthin locken. Mit deinem Lächeln, deinem Charme, deiner Reichweite. Er wird dir vertrauen, so wie Millionen andere es tun. Und wenn er in der Falle sitzt, werden wir den Köder auswechseln und ihn in die ewige Verdammnis stürzen." Mr. Beast nickte langsam, eine kalte, emotionslose Marionette, bereit, den Willen ihres Meisters auszuführen. Der Plan war in Bewegung gesetzt. Die Jagd auf Kaiser Horst hatte eine neue, schreckliche Dimension erreicht.
Ein Gefühl von unendlicher Macht durchströmte Nick. Es war berauschender als jeder Rausch, süßer als jede Rache, die er sich je erträumt hatte. Er hatte nicht nur einen Mann gebrochen, er hatte eine Ikone, ein Symbol der Hoffnung und des Guten, in sein eigenes, verdorbenes Spiegelbild verwandelt. Mr. Beasts leere Augen waren der Beweis für seine Überlegenheit, für die Perfektion seiner Kunst. Er war nicht länger nur ein Opfer, ein Gedemütigter. Er war ein Schöpfer, ein Gott in seiner eigenen, dunklen Welt. Und diese Welt würde bald Kaiser Horst verschlingen.
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Die Nachricht traf Kaiser Horst wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eine direkte, persönliche Einladung von Mr. Beast. Dem Mr. Beast. Dem Mann, der das Internet mit seinen wahnwitzigen Aktionen und seiner unfassbaren Großzügigkeit im Sturm erobert hatte. Horst starrte ungläubig auf den Bildschirm seines Smartphones, auf dem die Nachricht prangte, gesendet von einem verifizierten Account, dessen Echtheit außer Frage stand. Mr. Beast lud ihn zu einem exklusiven Event in einer geheimen Location ein, einem Treffen der größten Influencer der Welt. Ein Gipfeltreffen der digitalen Giganten.
Horst fühlte sich geschmeichelt, ja geradezu euphorisch. Nach den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit, dem Verrat durch Nick Lustig und dem schmerzhaften Wiederaufbau seiner Existenz, war dies die Anerkennung, nach der er sich gesehnt hatte. Eine Bestätigung, dass er wieder an der Spitze angekommen war, dass sein Name wieder Gewicht hatte in der schillernden Welt der sozialen Medien. Er las die Nachricht immer wieder, die Worte tanzten vor seinen Augen. „Exklusiv“, „handverlesen“, „eine Ehre“.
Seine Freunde teilten seine Begeisterung nicht. „Eine Falle“, knurrte Jason, dessen hitziges Temperament sich sofort Bahn brach. „Das stinkt doch zum Himmel. Niemand lädt dich einfach so zu einem geheimen Treffen ein, nicht nach allem, was passiert ist.“ Maria, die immer auf die emotionalen Schwingungen achtete, spürte eine Kälte, die von der Nachricht ausging. „Ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, Horst. Es fühlt sich nicht richtig an.“
Am vehementesten war jedoch Paul, der Stratege der Gruppe. Er hatte die Nachricht analysiert, die Formulierungen zerlegt und jedes Detail geprüft. „Denk doch mal nach, Horst“, sagte er mit ruhiger, aber eindringlicher Stimme. „Mr. Beast ist bekannt für seine öffentlichen Spektakel. Warum sollte er ein geheimes Treffen veranstalten? Und warum in einer ‚geheimen Location‘? Das passt nicht zu seinem Stil. Es ist zu riskant, zu unberechenbar.“
Doch Horst wollte nicht hören. Er war berauscht von der Vorstellung, an der Seite von Legenden wie Mr. Beast zu stehen. Er wiegelte die Bedenken seiner Freunde ab, nannte sie paranoid und übervorsichtig. „Ihr seht Gespenster“, sagte er lachend. „Nick Lustig ist weg. Besiegt. Wir haben gewonnen. Das hier ist die Belohnung. Die Chance, alles hinter uns zu lassen und nach vorne zu blicken.“ Er traf seine Entscheidung. Er würde gehen. Alleine.
Die Adresse, die ihm Mr. Beast kurz vor dem Event schickte, führte ihn in ein verlassenes Industriegebiet am Rande der Stadt. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Verrostete Zäune, zerbrochene Fensterscheiben und das unheimliche Heulen des Windes, der durch die leeren Fabrikhallen pfiff. Horst spürte ein erstes, leises Unbehagen. Die Euphorie der letzten Tage begann zu verblassen und einer nagenden Unsicherheit Platz zu machen. Er parkte seinen Wagen vor einer riesigen, heruntergekommenen Lagerhalle, deren Tore weit offen standen und in eine gähnende Dunkelheit führten. Kein roter Teppich, keine Scheinwerfer, keine Musik. Nur Stille.
Zögernd stieg er aus und ging auf den Eingang zu. „Hallo?“, rief er, seine Stimme klang brüchig in der unheimlichen Atmosphäre. „Mr. Beast?“ Als Antwort hörte er nur das Echo seiner eigenen Worte. Er trat ein und seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Die Halle war riesig und leer, bis auf einen einzelnen Scheinwerfer, der auf einen Stuhl in der Mitte des Raumes gerichtet war. Auf dem Stuhl saß eine Gestalt. Groß, kräftig, mit einem freundlichen Gesicht, das er aus unzähligen Videos kannte. Es war Mr. Beast.
„Willkommen, Kaiser Horst“, sagte Mr. Beast mit seiner typischen, enthusiastischen Stimme. Doch etwas war anders. Seine Augen, normalerweise voller Schalk und Lebensfreude, waren kalt und leer. Ein lebloser Blick, der Horst bis ins Mark erschütterte. „Schön, dass du meiner Einladung gefolgt bist.“
In diesem Moment wusste Horst, dass seine Freunde Recht gehabt hatten. Die Warnungen von Paul hallten in seinem Kopf wider. Dies war keine Feier. Dies war kein Gipfeltreffen. Dies war eine Falle. Und er war geradewegs hineingetappt. Hinter ihm fielen mit einem ohrenbetäubenden Knall die schweren Eisentore der Lagerhalle ins Schloss und stürzten den Raum in völlige Finsternis. Das letzte, was Horst sah, war das kalte, gefühllose Lächeln auf dem Gesicht von Mr. Beast, einer Marionette in den Händen eines unsichtbaren Meisters.
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Die Luft in der alten Lagerhalle war schwer und roch nach modrigem Holz und kaltem Metall. Einzig das surrende Geräusch einer seltsamen Apparatur durchbrach die Stille. Kaiser Horst, dessen Herz ihm bis zum Hals schlug, starrte auf die Maschine in der Mitte des Raumes. Es war ein Ungetüm aus glänzendem Chrom und pulsierenden Lichtern, das eine unheilvolle Energie ausstrahlte. Die Lichter tanzten in einem hypnotisierenden Rhythmus, und das Summen schwoll an und ab wie der Atem eines lauernden Raubtiers. Neben der Maschine stand Mr. Beast, dessen Gesicht zu einer emotionslosen Maske erstarrt war. Seine Augen, einst voller Leben, waren nun leer und kalt, fixiert auf die Kontrollen des Geräts. Er wirkte wie eine Marionette, gelenkt von einem unsichtbaren Meister.
Horst wusste, dass er fliehen musste. Jeder Instinkt schrie danach, wegzulaufen. Er machte einen Schritt zurück, dann noch einen, langsam und bedächtig. Der kalte Schweiß lief ihm den Rücken hinunter. Doch es war zu spät. Mr. Beast hatte ihn bemerkt. Mit übermenschlicher Geschwindigkeit war er bei ihm und packte ihn am Arm. Der Griff war wie ein Schraubstock aus Stahl. Horst zuckte zusammen. „Du bleibst hier, Kaiser“, sagte Mr. Beast mit einer monotonen Stimme, die nicht mehr seine eigene zu sein schien, ein hohler Klang in der Stille der Halle.
In diesem Moment aktivierte Mr. Beast das Portal-Gerät. Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllte die Halle, und ein gleißendes, weißes Licht schoss aus der Apparatur. Es war so hell, dass Horst die Augen schließen musste. Die Energie, die vom Portal ausging, war überwältigend. Sie zerrte an ihm, zog an seiner Kleidung und seinen Haaren. Ein starker Wind fegte durch den Raum und wirbelte Staub auf. Horst wehrte sich mit aller Kraft, stemmte die Füße in den Betonboden und versuchte, sich aus dem eisernen Griff zu befreien. Er wand sich und zog, doch es war vergeblich. Die Gehirnwäsche hatte Mr. Beast eine unnatürliche, rohe Stärke verliehen, gegen die Horst nichts ausrichten konnte.
„Willkommen in deinem neuen Zuhause, Kaiser.“
Die Stimme kam aus den Schatten. Sie war rau und höhnisch, was Horst das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er kannte diese Stimme. Langsam trat eine Gestalt aus der Dunkelheit. Das Gesicht war eine groteske Fratze aus vernarbtem, verbranntem Fleisch, doch das bösartige Grinsen war unverkennbar. Es war Nick Lustig.
„Nick!“, keuchte Horst, eine Mischung aus Unglauben und purem Entsetzen. Er hatte gehofft, diesen Mann nie wiedersehen zu müssen. Der Anblick seines Peinigers ließ eine Welle der Wut und Verzweiflung in ihm hochkochen. „Was… was hast du vor?“, stieß er hervor, seine Stimme zitternd.
Nick lachte, ein trockenes, rasselndes Geräusch. „Ich schenke dir nur ein neues Leben, Horst. Ein Leben in einer Welt, in der du niemanden hast. Keine Freunde, die dich retten. Keine Supporter, die dich anfeuern. Nur dich, allein mit deinen Gedanken und Ängsten.“ Sein Grinsen wurde breiter, als er die Hoffnung in Horsts Augen erlöschen sah. Er genoss die Qual seines Opfers. „Stell dir die Stille vor, Horst. Die endlose, erdrückende Stille. Niemand wird deinen Namen rufen. Niemand wird nach dir suchen. Du wirst einfach... verschwunden sein.“ Er machte eine Pause. „Mr. Beast, schick ihn auf die Reise.“
Der Griff um Horsts Arm wurde fester, und mit einem gewaltigen Ruck wurde er auf das Portal zugeschleudert. Die Welt um ihn herum verschwamm zu einem Strudel aus Licht und Farben. Er spürte, wie sein Körper gedehnt und verzerrt wurde, als er die Schwelle zur fremden Dimension durchbrach. Es war ein Gefühl, als würde jede Zelle seines Körpers auseinandergerissen und wieder zusammengesetzt. Ein letzter, verzweifelter Schrei entkam seinen Lippen, verschluckt vom Lärm des Portals, bevor er vollständig vom Licht verschluckt wurde. Dann schloss sich das Portal. Die Lagerhalle wurde wieder in Dunkelheit getaucht, nur das leise Nachglühen der Maschine und der Geruch von Ozon blieben zurück.
Nick Lustig starrte auf die Stelle, an der sein Erzfeind verschwunden war. Ein triumphierendes Lachen entrang sich seiner Kehle, das von den Wänden der leeren Halle widerhallte. Es war der Klang des puren Bösen. Er hatte es geschafft. Kaiser Horst war weg, verbannt in eine fremde Welt, aus der es kein Entkommen gab. Der erste Schritt seines Racheplans war vollendet. Und es war erst der Anfang. Sein Blick fiel auf Mr. Beast, der regungslos dastand. „Gute Arbeit, meine Marionette“, flüsterte Nick. „Unsere Arbeit hier ist getan. Fürs Erste.“
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Ein stechender Schmerz riss Horst aus der Dunkelheit. Er keuchte, seine Lungen füllten sich mit einer Luft, die so kalt und metallisch schmeckte, dass er husten musste. Als er die Augen öffnete, war die vertraute Dunkelheit seines Schlafzimmers verschwunden. Stattdessen starrte er in einen Himmel von der Farbe geronnenen Blutes. Ein tiefes, unheilvolles Rot, das von keiner Sonne und keinem Mond erzeugt wurde, sondern aus sich selbst heraus zu leuchten schien.
Horst setzte sich auf und spürte den rauen, kalten Boden unter seinen Händen. Er war nicht in seinem Bett. Er war nicht einmal in seiner Welt. Um ihn herum erstreckte sich eine Landschaft, die einem Albtraum entsprungen schien. Die Gebäude, die einst stolz in den Himmel geragt haben mochten, waren nun zerfallene Skelette aus Beton und Stahl. Ihre leeren Fensterhöhlen starrten ihn an wie die Augen von Toten. Alles war in ein tristes Grau getaucht, das von dem unheimlichen roten Himmel nur noch verstärkt wurde. Kein Grün, kein Blau, keine Farbe des Lebens – nur der Tod und der Verfall.
Eine Welle der Panik drohte ihn zu überwältigen. Wo war er? Wie war er hierhergekommen? Die letzten Erinnerungen waren verschwommen. Er erinnerte sich an einen grellen Lichtblitz, ein ohrenbetäubendes Geräusch, und dann... nichts. Nur diese endlose, erstickende Leere. Er rief nach seinen Freunden, nach Jason, Paul, Maria, Alex. Seine Stimme verhallte ungehört in der Stille. Hier gab es keine Antwort, nur das leise Pfeifen eines Windes, der durch die Ruinen strich und den Staub der Vergessenheit mit sich trug.
Plötzlich hörte er ein Geräusch. Ein Kratzen, ein Scharren, das nicht vom Wind kam. Es kam aus den Schatten einer der Ruinen. Horst erstarrte. Sein Herz hämmerte ihm gegen die Rippen. Er war nicht allein. Langsam, ganz langsam, kroch eine Kreatur aus der Dunkelheit. Sie war eine groteske Mischung aus Insekt und Reptil, mit zu vielen Gliedmaßen, die sich in unnatürlichen Winkeln bewegten. Ihre Haut war von der gleichen grauen Farbe wie die Umgebung, und ihre Augen glühten mit einem bösartigen, roten Licht. Sie zischte, und ein fauliger Gestank schlug ihm entgegen.
Der Überlebensinstinkt übernahm die Kontrolle. Horst sprang auf und rannte. Er rannte, ohne zu wissen, wohin, getrieben von der reinen, unverfälschten Angst. Er stolperte über Trümmer, seine Füße fanden kaum Halt auf dem unebenen Boden. Das Zischen der Kreatur verfolgte ihn, kam näher. Er wagte einen Blick zurück und sah, dass sie ihm mit einer erschreckenden Geschwindigkeit folgte. Er musste einen Unterschlupf finden, irgendetwas, das ihm Schutz bieten konnte.
Vor ihm ragte die Fassade eines ehemals imposanten Gebäudes auf. Eine schwere Stahltür hing nur noch an einem Scharnier. Mit letzter Kraft warf er sich dagegen. Die Tür quietschte protestierend, gab aber nach. Er schlüpfte hindurch und presste sich in die Dunkelheit des Inneren. Mit aller Macht zog er die schwere Tür zu, gerade als die Kreatur mit ihrem Körper dagegen krachte. Ein ohrenbetäubender Lärm, dann Stille. Er hatte es geschafft. Vorerst.
Zitternd lehnte er an der kalten Stahltür und lauschte in die Dunkelheit. Das Innere des Gebäudes war genauso trostlos wie die Welt draußen. Staub und Schutt bedeckten den Boden. Durch die zerbrochenen Fenster fiel das blutrote Licht und malte unheimliche Muster an die Wände. Er war allein, verängstigt und an einem Ort, der jenseits aller Vorstellungskraft lag. Aber er lebte. Dieser Gedanke war wie ein Funke in der Dunkelheit. Die Angst wich langsam einer kalten Entschlossenheit. Er wusste nicht, wo er war, oder wie er hierhergekommen war. Aber er wusste eines: Er würde nicht aufgeben. Er würde überleben. Er würde einen Weg finden, diesen Albtraum zu verstehen und einen Weg zurück nach Hause zu finden. Kaiser Horst war gefallen, aber hier, in dieser fremden, toten Welt, würde er wieder aufstehen. Er musste. Denn aufgeben war keine Option. Niemals.
Nachdem sein Herzschlag sich wieder beruhigt hatte, begann er, seine Umgebung vorsichtig zu erkunden. Er musste verstehen, wo er gelandet war. War dies eine andere Dimension, eine ferne Zukunft oder eine Art Fegefeuer? Jeder Schritt knirschte auf dem Schutt, der den Boden bedeckte. Er fand eine schwere Eisenstange, die gut in seiner Hand lag – eine primitive, aber beruhigende Waffe. Mit dieser neuen Sicherheit bewegte er sich tiefer in das Gebäude hinein, weg von der Tür und dem unbekannten Schrecken dahinter. Die Dunkelheit war fast absolut, nur durchbrochen von den blutroten Streifen, die durch die Risse in der Decke fielen. Er war ein Fremder in einem fremden Land, ein Überlebender in einer Welt, die tot schien. Doch in ihm brannte ein Wille aus Stahl, geschmiedet im Feuer der Intrigen und des Verrats. Er würde sich anpassen. Er würde kämpfen. Und er würde einen Weg zurückfinden. Das war sein einziger Gedanke, sein einziges Ziel in diesem endlosen, roten Dämmerlicht.
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Die Stille in der Kommandozentrale war ohrenbetäubend. Normalerweise war dieser Ort, das pulsierende Herz von Kaiser Horsts Operationen, erfüllt von Gelächter, strategischen Diskussionen und dem ständigen Klicken von Tastaturen. Doch heute herrschte eine angespannte Ruhe, die schwerer wog als jedes gesprochene Wort. Jason, der Hitzkopf der Gruppe, dessen Geduld so kurz war wie seine Zündschnur, tigerte unruhig auf und ab. Sein Blick wanderte immer wieder zur Tür, als erwarte er, dass Horst jeden Moment hereinkommen und die Stille mit seiner gewohnt charismatischen Art brechen würde. Aber die Tür blieb geschlossen.
„Das ist nicht normal“, knurrte Jason und fuhr sich durch die Haare. „Horst hätte sich schon längst gemeldet. Er weiß, dass wir uns Sorgen machen.“
Paul, der Stratege, saß am großen Konferenztisch und starrte auf einen leeren Bildschirm. Seine Finger trommelten einen unregelmäßigen Rhythmus auf die polierte Oberfläche. „Du hast recht. Selbst wenn etwas dazwischengekommen wäre, hätte er eine Nachricht geschickt. Eine kurze, knappe Info. Irgendetwas.“
Maria, die Seele der Gruppe, deren emotionale Antennen immer auf Empfang standen, umarmte sich selbst, als ob ihr kalt wäre. „Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Es fühlt sich an wie damals, als Nick…“ Sie brach ab, unfähig, den Satz zu beenden. Die Erinnerung an Nicks Verrat und die schrecklichen Ereignisse, die darauf folgten, war immer noch eine offene Wunde.
Alex, der Technikexperte, der sonst immer eine Lösung parat hatte, saß still an seiner Konsole. Seine Finger schwebten über der Tastatur, aber er tippte nicht. Er lauschte in die digitale Welt, durchforstete die Netzwerke, suchte nach einem Lebenszeichen, einem digitalen Fußabdruck von Horst. Aber da war nichts. Absolut nichts. „Er ist offline“, sagte Alex leise, und seine Worte hingen wie eine dunkle Wolke im Raum. „Sein Handy ist aus, seine Social-Media-Kanäle sind stumm. Es ist, als hätte er sich in Luft aufgelöst.“
Die vier Freunde sahen sich an, und in ihren Augen spiegelte sich die gleiche, nagende Angst. Schweigend trafen sie eine Entscheidung. Es war Zeit, zu handeln. Ohne weitere Worte erhoben sie sich und verließen die Kommandozentrale. Ihr Ziel war die alte Lagerhalle am Rande der Stadt, der letzte bekannte Aufenthaltsort von Horst. Die Fahrt dorthin war eine Qual. Jeder Kilometer, der sie näher an ihr Ziel brachte, schien die Vorahnung des Unheils zu verstärken.
Als sie die Lagerhalle erreichten, fanden sie die schweren Eisentore unverschlossen vor. Ein kalter Schauer lief ihnen über den Rücken. Horst war immer vorsichtig. Zu vorsichtig, um eine Tür offen stehen zu lassen. Im Inneren der Halle war es düster und still. Der einzige Lichtschein kam von einem seltsamen Gerät, das in der Mitte des Raumes stand. Es war ein komplexes Gebilde aus Metall, Kabeln und unbekannten Legierungen, das ein schwaches, pulsierendes Licht ausstrahlte. Aber es war deaktiviert. Die pulsierende Energie, die es normalerweise ausstrahlte, war erloschen.
Alex trat als Erster näher. Seine Augen weiteten sich, als er die komplizierte Anordnung der Komponenten erkannte. Er zog ein Analysegerät aus seiner Tasche und begann, das Gerät zu scannen. Die Daten, die auf dem kleinen Bildschirm erschienen, ließen ihn erstarren. „Das ist unmöglich“, flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
„Was ist los, Alex?“, fragte Paul und trat neben ihn. „Was ist das für ein Ding?“
Alex schüttelte ungläubig den Kopf. „Das ist keine Technologie von dieser Welt. Die Energie Signaturen, die Materialien… das ist interdimensional. Dieses Gerät… es ist ein Portal.“
Die Worte hingen in der Luft, schwer und unheilvoll. Ein Portal. Interdimensionale Technologie. Die Implikationen waren schwindelerregend. Jason ballte die Fäuste. „Willst du damit sagen, dass Horst…“
„Ich weiß nicht, was ich sagen will“, unterbrach ihn Alex. „Aber ich weiß, dass wir Hilfe brauchen. Und zwar sofort.“
Die Gruppe war wie vom Donner gerührt. Die Realität ihrer Situation traf sie mit voller Wucht. Horst war nicht einfach nur verschwunden. Er war möglicherweise an einem Ort, der jenseits ihrer Vorstellungskraft lag. Paul zückte sein Handy. „Ich rufe die anderen an. Luca, Knossi, Monte, Speed. Sie müssen sofort herkommen. Die Lage ist ernster, als wir je gedacht hätten.“ Während Paul telefonierte, starrten die anderen weiter auf das stumme, unheimliche Gerät. Die Saga von Kaiser Horst hatte eine neue, furchterregende Wendung genommen. Und sie hatten keine Ahnung, was sie auf der anderen Seite des Portals erwartete.
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Die Luft im Hauptquartier war zum Schneiden dick. Ein bleiernes Schweigen lag über der Gruppe, jeder in seinen eigenen düsteren Gedanken gefangen. Die jüngsten Angriffe hatten ihre Spuren hinterlassen, nicht nur an den Fassaden der Gebäude, sondern auch in den Seelen derer, die Kaiser Horst die Treue geschworen hatten. Die schiere Bösartigkeit und die unsichtbare Hand, die sie lenkte, zehrten an ihren Nerven. Knossi, sonst ein Fels in der Brandung, spürte die Last der Verantwortung schwerer als je zuvor. Er blickte in die Gesichter seiner Freunde – Jason, dessen aufbrausendes Temperament einer ungewohnten Stille gewichen war, Paul, der Stratege, dessen Pläne immer wieder durchkreuzt wurden, und Maria, deren emotionale Stärke Risse bekam. Alex, der Technikexperte, arbeitete unermüdlich, doch auch er stieß an seine Grenzen.
In einem Moment der Verzweiflung, als die Hoffnung zu schwinden drohte, fasste Knossi einen Entschluss. Es gab noch jemanden, eine letzte Karte, die er ausspielen konnte. Ein alter Freund, ein Weggefährte aus einer Zeit, als die Welt noch einfacher schien, als ihre größten Sorgen darin bestanden, welches Spiel sie als Nächstes spielen sollten. Er zögerte, denn sie hatten lange nicht mehr gesprochen, aber die Notlage ließ ihm keine andere Wahl. Er griff zum Telefon, seine Finger zitterten leicht, als er die Nummer wählte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine vertraute Stimme, fröhlich und energiegeladen, ein starker Kontrast zu der düsteren Stimmung, die Knossi umgab. "Paluten?", fragte Knossi, und seine eigene Stimme klang brüchig.
Paluten, einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, war überrascht, von seinem alten Freund zu hören. Doch als Knossi mit stockenden Worten die Ereignisse der letzten Monate schilderte – den Aufstieg und Fall von Kaiser Horst, die perfiden Machenschaften von Nick Lustig, die Gehirnwäsche ihrer gemeinsamen Freunde und die neue, unsichtbare Bedrohung – wich die anfängliche Freude einer tiefen Besorgnis. Paluten hatte die Schlagzeilen verfolgt, die Gerüchte gehört, die wie ein Lauffeuer durch die Community gingen, aber die ganze Wahrheit aus dem Mund seines Freundes zu hören, verlieh der Geschichte eine schreckliche, greifbare Realität. Er unterbrach Knossi nicht, hörte geduldig zu, und als dieser geendet hatte, war es für einen Moment still. Dann sagte Paluten mit einer Entschlossenheit, die keine Widerrede duldete: "Ich bin dabei. Sag mir nur, wo und wann."
Er zögerte keine Sekunde. Für Paluten war Freundschaft keine leere Worthülse, sondern ein heiliges Versprechen. Er wusste, dass Knossi ihn nicht ohne triftigen Grund um Hilfe bitten würde. Die Tatsache, dass ihre gemeinsamen Freunde Monte, Luca und Speed ebenfalls in die Fänge von Nick Lustig geraten waren, machte die Sache für ihn persönlich. Er packte sofort seine Sachen, organisierte seine Reise und machte sich auf den Weg. Er war nicht nur ein weiterer Mitstreiter; er war bekannt für seinen scharfen Verstand, seinen unerschütterlichen Mut und seine weitreichenden Verbindungen in der digitalen und realen Welt. Er war eine Kraft, mit der man rechnen musste.
Palutens Ankunft war wie ein frischer Wind in der stickigen Atmosphäre des Hauptquartiers. Er brachte nicht nur seine Entschlossenheit und seinen Optimismus mit, sondern auch etwas viel Wertvolleres: Informationen. Nachdem er die Gruppe begrüßt und sich einen Überblick über die Lage verschafft hatte, versammelte er alle um den großen Tisch im Besprechungsraum. "Ich habe in den letzten Wochen ein paar Dinge gehört", begann er mit ernster Miene. "Gerüchte, die ich zunächst nicht ernst genommen habe, die aber jetzt, wo ich die ganze Geschichte kenne, einen unheimlichen Sinn ergeben." Er machte eine kurze Pause, um die Wirkung seiner Worte zu verstärken. "Es heißt, Nick Lustig sei nicht tot. Es heißt, er sei zurück, entstellter und hasserfüllter als je zuvor. Und er soll nicht allein sein. Er soll eine neue Marionette haben, jemanden, der ihm blind gehorcht."
Ein Schock ging durch die Runde. Die Vorstellung, dass Nick Lustig, das personifizierte Böse, das sie mit vereinten Kräften besiegt zu haben glaubten, noch am Leben war, war ein Schlag ins Gesicht. Doch Palutens Worte enthielten auch einen Funken Hoffnung. Sie waren nicht länger im Dunkeln. Sie hatten einen Namen, eine Richtung, in die sie ihre Anstrengungen lenken konnten. Palutens Informationen, auch wenn sie beunruhigend waren, gaben ihnen ein Ziel. Die Gruppe hatte einen neuen, starken Verbündeten gewonnen, und mit ihm kam ein neues Gefühl der Entschlossenheit. Der Kampf war noch lange nicht vorbei, aber sie waren nicht mehr allein. Mit Paluten an ihrer Seite fühlten sie sich stärker, geeinter und bereit, sich der Dunkelheit erneut zu stellen, egal was sie kosten würde.
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Die Luft in Alex’ Werkstatt knisterte vor Anspannung. Ein Durcheinander aus Kabeln, Platinen und halb zerlegten Geräten bedeckte jede Oberfläche und bildete ein Labyrinth aus Technologie, in dessen Zentrum das seltsame Portal-Gerät stand. Es war ein stummes, metallisches Rätsel, das seit seiner Entdeckung nach dem Einsturz von Nicks Anwesen keine Reaktion mehr gezeigt hatte. Alex, der Technikexperte der Gruppe, hatte unzählige Stunden damit verbracht, seine Geheimnisse zu entschlüsseln, doch bisher ohne Erfolg. Seine Finger tanzten über die Tastatur seines Laptops, während er komplexe Diagnosen durchführte, die Augenbrauen über seinen konzentrierten Augen zusammengezogen.
Paluten, der neu zur Gruppe gestoßen war, stand mit verschränkten Armen daneben und beobachtete das Gerät mit einer Mischung aus Faszination und Besorgnis. Als Freund von Knossi, Monte, Luca und Speed hatte er aus erster Hand erfahren, wozu Nick Lustig fähig war, und er hatte geschworen, Kaiser Horst bei der Abwehr dieser neuen, unsichtbaren Bedrohung zu helfen. „Irgendeine Idee, was das Ding ist?“, fragte er und durchbrach die Stille. Seine Stimme war ruhig, aber man spürte die Dringlichkeit dahinter.
Alex seufzte und fuhr sich durch die Haare. „Es ist mehr als nur eine Maschine“, antwortete er, ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden. „Die Architektur ist... fremdartig. Fast so, als wäre sie nicht von dieser Welt. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Die Schaltkreise sind auf eine Weise miteinander verwoben, die allen bekannten physikalischen Gesetzen widerspricht.“ Er deutete auf eine Reihe von Symbolen, die in das Gehäuse des Geräts eingraviert waren. „Und diese Glyphen. Sie ähneln keiner bekannten Sprache. Es ist, als würde man versuchen, die Gedanken eines Außerirdischen zu lesen.“
Nach einer weiteren Stunde intensiver Analyse stieß Alex auf eine entscheidende Entdeckung. Ein verstecktes Energiefach, kunstvoll in das Design integriert und für das ungeübte Auge unsichtbar. „Ich glaube, ich habe etwas“, murmelte er und seine Finger flogen über die Konsole. Ein leises Klicken ertönte, und eine kleine Klappe an der Seite des Geräts sprang auf. Dahinter verbarg sich ein leerer Behälter, ausgekleidet mit einem unbekannten, kristallinen Material. „Es braucht eine Energiequelle“, erklärte Alex. „Aber keine gewöhnliche Batterie. Die Zusammensetzung des Materials deutet darauf hin, dass es eine enorme Energiemenge benötigt, um überhaupt eine Reaktion hervorzurufen. Eine Energie, die wir nicht einfach im Supermarkt kaufen können.“
Während sie überlegten, woher sie eine solch außergewöhnliche Energiequelle bekommen könnten, ploppte auf Alex’ Hauptbildschirm eine verschlüsselte Nachricht auf. Sie stammte von einer seiner geheimen Quellen aus dem Darknet, einem Informanten, der ihm schon in der Vergangenheit geholfen hatte, Nicks Machenschaften aufzudecken. Alex entschlüsselte die Nachricht und sein Gesicht wurde blass. „Oh nein“, flüsterte er.
„Was ist los?“, fragte Paluten alarmiert.
Alex drehte den Bildschirm zu ihm. Die Nachricht war kurz, aber ihr Inhalt war erschütternd. Nick Lustig hatte seine ehemaligen Verbündeten kontaktiert. Isabella, seine rachsüchtige Ex-Frau. Lilith, das manipulative junge Mädchen mit der dunklen Vergangenheit. Und Sabine und Melanie, zwei weitere Figuren aus Nicks Schattenreich, die bisher im Hintergrund agiert hatten. Doch die Nachricht enthielt eine unerwartete Wendung. „Sie arbeiten nicht zusammen“, las Alex laut vor. „Nick hat sie einzeln aktiviert. Jede von ihnen verfolgt ihre eigene Agenda, ihren eigenen Plan, um die Mission zu sabotieren. Sie sind unberechenbare Einzelgängerinnen, getrieben von ihren eigenen Dämonen.“
Ein kalter Schauer lief Paluten über den Rücken. Ein gemeinsamer Feind war eine Sache, aber vier einzelne, unkoordinierte Gegner, die aus dem Schatten heraus operierten, waren eine ganz andere Art von Bedrohung. Jede von ihnen war für sich genommen schon gefährlich, aber ihre Unberechenbarkeit machte sie zu einer tickenden Zeitbombe. Isabella, die auf persönliche Rache sann. Lilith, deren Motive im Dunkeln lagen. Sabine und Melanie, deren Fähigkeiten und Ziele völlig unbekannt waren. Sie waren wie vier Schlangen, die in verschiedene Richtungen davonkrochen, aber alle das gleiche Ziel hatten: Chaos zu stiften und die Rettung von Kaiser Horst zu verhindern.
Alex und Paluten sahen sich an, die neue Erkenntnis lastete schwer auf ihnen. Die Suche nach der Energiequelle für das Portal-Gerät war plötzlich nicht mehr ihre einzige Sorge. Sie befanden sich nun in einem Wettlauf gegen die Zeit, nicht nur um ein technologisches Rätsel zu lösen, sondern auch, um vier separate Verschwörungen aufzudecken, bevor es zu spät war. Die Suche hatte gerade erst begonnen, aber der Weg war bereits mit mehr Gefahren gepflastert, als sie sich je hätten vorstellen können. Der Schatten von Nick Lustig war länger und dunkler als je zuvor, und seine Marionetten hatten begonnen, an den Fäden zu ziehen.
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In den kalten, betonierten Tiefen seines unterirdischen Bunkers, umgeben von einem flackernden Meer aus Monitoren, saß Nick Lustig. Sein Gesicht, eine groteske Maske aus vernarbtem Gewebe, spiegelte sich im unheilvollen Glanz der Bildschirme wider. Jeder Monitor zeigte eine andere Szene aus dem Leben seiner Feinde, eine andere Facette ihres verzweifelten Kampfes. Er sah Jason, dessen hitziges Temperament ihn immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Er sah Paul, den Strategen, wie er versuchte, einen kühlen Kopf zu bewahren und einen Plan zu schmieden. Er sah Maria, deren emotionale Ausbrüche die Gruppe zu zerreißen drohten, und Alex, den Technikexperten, der fieberhaft an dem Portal arbeitete, das sie in eine andere Welt führen sollte – eine Welt, von der sie sich Rettung erhofften. Doch Nick wusste es besser. Rettung war eine Illusion, ein süßes Gift, das er ihnen selbst verabreicht hatte.
Neben ihm stand regungslos eine Gestalt, deren Gesicht in der Dunkelheit kaum zu erkennen war. Es war Mr. Beast, der einst so charismatische und lebensfrohe YouTuber, nun eine leere Hülle, eine Marionette in Nicks perfidem Spiel. Seine Augen, einst voller Schalk und Güte, waren nun kalt und leer, fixiert auf die Monitore, ohne eine einzige Regung zu zeigen. Er war Nicks Meisterstück, der ultimative Beweis seiner Macht, einen Menschen seines Willens und seiner Seele zu berauben. Nick legte eine Hand auf die Schulter seines willenlosen Begleiters. „Siehst du, mein Freund?“, flüsterte er, seine Stimme ein heiseres Krächzen. „Sie tanzen nach meiner Pfeife. Jeder einzelne Schritt, den sie tun, ist von mir vorherbestimmt.“
Ein diabolisches Lächeln verzog Nicks vernarbtes Gesicht. „Sie glauben, das Portal sei ihre Rettung. Sie glauben, in dieser anderen Welt fänden sie die Mittel, um mich zu besiegen.“ Er lachte, ein trockenes, freudloses Geräusch, das von den Betonwänden widerhallte. „Die Narren. Sie ahnen nicht, dass ich diese Welt erschaffen habe. Jeder Baum, jeder Stein, jeder Grashalm ist eine Falle. Ich habe ihre tiefsten Ängste studiert und sie in dieser Welt manifestiert. Wenn sie das Portal durchschreiten, betreten sie ihre persönliche Hölle.“
Er wandte sich wieder den Monitoren zu, seine Finger tanzten über eine Konsole und schalteten zwischen den verschiedenen Übertragungen hin und her. „Und während sie in meiner Falle zappeln, wird mein Netz hier, in ihrer eigenen Welt, enger gezogen.“ Er zoomte auf ein Bild von Isabella, seiner Ex-Frau, die sich an Leon, einen alten Freund von Horst, heranmachte. „Isabella, die Meisterin der Manipulation. Sie wird Leon um den Finger wickeln und ihn zu einem Werkzeug meines Willens machen. Er wird ihre Marionette sein, so wie du meine bist“, sagte er und tätschelte Mr. Beasts Wange, der keine Reaktion zeigte.
Ein weiterer Klick, und das Bild wechselte zu Lilith. Das vierzehnjährige Mädchen, dessen unschuldige Fassade eine dunkle und rachsüchtige Seele verbarg. Sie saß vor einem Computer, ihre Finger flogen über die Tastatur. „Lilith, mein kleines technisches Genie. Sie wird ihre Systeme infiltrieren, ihre Kommunikation stören und das Portal von innen heraus sabotieren. Alex wird nicht wissen, wie ihm geschieht.“
Nick schaltete weiter. Sabine, eine ehemalige Supporterin von Horst, die er auf seine Seite gezogen hatte, war in einem Café zu sehen, im Gespräch mit einem anderen Mitglied der Gruppe. „Sabine, die Zwietrachtsäerin. Mit gezielten Gerüchten und Lügen wird sie die Gruppe spalten, Misstrauen säen und ihre Freundschaft vergiften. Sie werden sich gegenseitig zerfleischen, bevor sie überhaupt in die Nähe meines Bunkers kommen.“
Zuletzt zeigte er Melanie, eine weitere abtrünnige Anhängerin, die in einem Büro saß und Dokumente sichtete. „Und Melanie, meine Fälscherin. Sie wird Beweise fabrizieren, die Horst als den wahren Bösewicht dastehen lassen. Die Öffentlichkeit wird sich gegen ihn wenden, seine letzten verbliebenen Verbündeten werden ihn im Stich lassen.“
Nick lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Ein Gefühl der unbesiegbaren Überlegenheit durchströmte ihn. Sein Plan war perfekt, ein Meisterwerk der Intrige und des Verrats. Jeder seiner Feinde hatte eine Rolle in seinem großen Theaterstück, und er war der Regisseur, der Puppenspieler, der Gott in seiner eigenen, düsteren Welt. „Sie haben keine Chance“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Mr. Beast. „Sie sind gefangen in meinem Netz, und es gibt kein Entkommen.“
Doch in seinem Triumph, in seiner absoluten Gewissheit des Sieges, übersah er eine winzige, unscheinbare Variable. Weit entfernt, in den glitzernden Welten des Ruhms und des Sports, wurden zwei Legenden auf das Geschehen aufmerksam. Zwei Superstars, deren Macht und Einfluss weit über das hinausgingen, was Nick sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte. Cristiano Ronaldo und Erling Haaland, zwei Namen, die bald in das Schicksal von Kaiser Horst eingreifen und Nicks perfekt gesponnenes Netz zerreißen würden. Aber davon ahnte der Mann in den Schatten noch nichts. Er wog sich in Sicherheit, während sich am Horizont bereits die Retter formierten.
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