Die Befreiung von Mr. Beast war die schwierigste Aufgabe, die die Gruppe je in Angriff genommen hatte. Nick hatte seine Marionette mit mehreren Schichten von Gehirnwäsche gesichert, jede tiefer und komplexer als die vorherige. Es war wie eine Festung im Geist, mit Mauern aus Angst, Gräben aus Verwirrung und Türmen aus falschen Erinnerungen.
Lilith, die nun auf der Seite der Guten stand, war der Schlüssel. Sie kannte Nicks Methoden, hatte sie studiert und teilweise selbst angewandt. Sie wusste, wie die Gehirnwäsche funktionierte, und sie wusste, wie man sie rückgängig machen konnte. Aber es war gefährlich. Wenn sie einen Fehler machte, konnte Mr. Beasts Geist irreparabel beschädigt werden.
Mr. Beast war nach dem Kampf in der Parallelwelt geschwächt zurückgekehrt. Nick hatte ihn durch ein eigenes, kleineres Portal zurückgeholt, aber die Energie, die Ronaldo und Haaland ihm zugefügt hatten, hatte die Gehirnwäsche destabilisiert. Er irrte durch die Stadt, desorientiert und verwirrt, halb Marionette, halb Mensch. Knossi und Monte fanden ihn in einem Park, wo er auf einer Bank saß und ins Leere starrte.
Sie brachten ihn vorsichtig zum Hauptquartier. Ronaldo und Haaland standen bereit, falls Mr. Beast wieder in den Marionetten-Modus verfiel. Aber er war ruhig, fast apathisch. Seine Augen flackerten zwischen dem leeren Schwarz der Gehirnwäsche und seinem natürlichen Braun hin und her, als würden zwei Persönlichkeiten um die Kontrolle kämpfen.
Lilith setzte sich vor ihn und begann zu arbeiten. Sie sprach leise und beruhigend, verwendete Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, die sie sich selbst beigebracht hatte. Sie zeigte ihm Videos aus seinem früheren Leben, Clips von seinen berühmtesten Aktionen, von den Menschen, denen er geholfen hatte. Jedes Video war ein Hammer, der gegen die Mauern der Gehirnwäsche schlug.
Stunden vergingen. Die Gruppe wartete in angespanntem Schweigen. Maria brachte Tee, Paluten spielte leise Gitarre, um die Atmosphäre zu beruhigen. Horst saß neben Mr. Beast und sprach mit ihm, erzählte ihm von der Parallelwelt, von dem Moment, als der echte Mr. Beast für eine Sekunde durchgebrochen war. „Du hast mich um Hilfe gebeten", sagte Horst. „Erinnerst du dich? Du hast gesagt: Hilf mir. Und genau das tun wir jetzt."
Der Durchbruch kam gegen Mitternacht. Mr. Beasts Augen, die stundenlang zwischen Schwarz und Braun geflackert hatten, klärten sich plötzlich. Das Schwarz verschwand, und zurück blieben warme, braune Augen, voller Verwirrung, aber lebendig. Menschlich. „Wo... wo bin ich?", fragte er, und seine Stimme war nicht mehr die mechanische Monotonie der Marionette, sondern die eines verängstigten, verwirrten Mannes.
Lilith lehnte sich zurück, erschöpft aber triumphierend. „Du bist frei", sagte sie. „Die Gehirnwäsche ist gebrochen." Mr. Beast sah sich um, sah die Gesichter der Menschen, die ihn umgaben, und die Erinnerungen kamen zurück. Nicht die falschen, die Nick ihm eingepflanzt hatte, sondern die echten. Die Tränen, die über sein Gesicht liefen, waren die ehrlichsten, die er je geweint hatte.
„Es tut mir leid", flüsterte er. „Es tut mir so unendlich leid. Ich wusste nicht... ich konnte nicht..." Horst legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Nick hat dir das angetan, nicht du. Und jetzt bist du frei." Mr. Beast nickte, seine Lippen zitterten. Dann richtete er sich auf, und in seinen Augen erschien etwas Neues: Entschlossenheit. „Ich will helfen", sagte er. „Ich will Nick aufhalten. Für alles, was er mir angetan hat. Für alles, was er euch angetan hat." Die Gruppe hatte einen mächtigen neuen Verbündeten gewonnen.
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