Staffel 2: Die fremde Welt· Kapitel 5 von 31

Kapitel 14: Das Portal öffnen

Alex hatte das Portal-Gerät in seiner Werkstatt auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, mindestens ein Dutzend Mal. Jedes Mal verstand er ein bisschen mehr von der unglaublichen Technologie, die Nick Lustig irgendwie in die Hände bekommen hatte. Es war keine irdische Technologie, so viel war klar. Die Materialien, die Schaltkreise, die Energiemuster, alles deutete auf etwas hin, das jenseits des menschlichen Verständnisses lag. Aber Alex war nicht umsonst der Technikexperte der Gruppe. Was er nicht verstand, analysierte er, bis er es verstand.

Das Hauptproblem war die Energiequelle. Das Gerät benötigte eine enorme Menge an Energie, um ein stabiles Portal zu öffnen, eine Energie, die nicht aus einer gewöhnlichen Steckdose kommen konnte. Alex hatte die Energiesignatur analysiert und festgestellt, dass das Gerät mit einer Art kristalliner Resonanzenergie betrieben wurde. Es brauchte einen speziellen Kristall, der auf einer bestimmten Frequenz schwang und dabei genug Energie freisetzte, um die Barriere zwischen den Dimensionen zu durchbrechen.

Paluten, der neben Alex saß und fasziniert die Erklärungen verfolgte, schnippte plötzlich mit den Fingern. „Kristallenergie? Ich kenne jemanden, der sich damit auskennt. Einen alten Freund aus meiner Minecraft-Community, der inzwischen Physiker geworden ist. Er hat mal bei einem Livestream von seinen Experimenten mit piezoelektrischen Kristallen erzählt. Vielleicht kann er uns helfen." Alex blickte ihn ungläubig an. „Ein Minecraft-Spieler, der Physiker geworden ist?" Paluten zuckte die Schultern. „Die Gaming-Community ist voller Überraschungen."

Der Physiker, ein Mann namens Dr. Krause, war tatsächlich eine Goldgrube an Wissen. In einem langen Videotelefonat erklärte er Alex und Paluten die Grundlagen der Kristallresonanz und wies sie auf eine bestimmte Art von Kristall hin, den sogenannten Dimensionskristall, der in bestimmten geologischen Formationen vorkommen sollte. „Es gibt Gerüchte über solche Kristalle in einer alten Mine im Schwarzwald", sagte Dr. Krause. „Aber ich muss euch warnen: Wenn diese Kristalle wirklich existieren, sind sie extrem instabil und gefährlich."

Die Gruppe machte sich sofort auf den Weg. Jason fuhr den Transporter, Paul navigierte, und Knossi, Monte, Luca und Speed saßen auf der Ladefläche, bewaffnet mit Taschenlampen, Seilen und Werkzeug. Paluten hatte die Koordinaten der Mine auf seinem Tablet und führte sie durch die dichten Wälder des Schwarzwaldes. Es war eine nervenaufreibende Fahrt, denn die Straßen wurden immer schmaler und die Wälder immer dichter, bis sie schließlich vor dem Eingang einer verlassenen Mine standen.

Die Mine war ein finsteres Labyrinth aus engen Stollen und tiefen Schächten. Die Luft war feucht und kalt, und das einzige Geräusch war das Tropfen von Wasser und das Echo ihrer Schritte. Knossi, der unter Klaustrophobie litt, kämpfte tapfer gegen seine Angst an. Monte ging voraus, seine Taschenlampe durchschnitt die Dunkelheit wie ein Schwert. Luca und Speed sicherten die Flanken.

Nach Stunden des Suchens fanden sie es. Tief im Herzen der Mine, in einer Kammer, die von einem seltsamen, bläulichen Licht erfüllt war, ragte ein Kristall aus dem Felsen. Er war etwa so groß wie ein Fußball, transparent und doch voller Farben, die in seinem Inneren wirbelten wie ein gefangener Regenbogen. Das Summen, das von ihm ausging, war fast musikalisch, eine Melodie, die direkt in die Seele drang.

„Das ist er", flüsterte Paluten ehrfürchtig. „Der Dimensionskristall." Jason trat vor und griff nach dem Kristall. In dem Moment, als seine Finger die Oberfläche berührten, durchfuhr ihn ein elektrischer Schlag, der ihn zurückwarf. „Vorsicht!", rief Paul. „Dr. Krause hat gesagt, er ist instabil!" Mit äußerster Vorsicht, geschützt durch improvisierte Isolierhandschuhe, gelang es ihnen schließlich, den Kristall aus dem Felsen zu lösen und sicher zu transportieren.

Zurück in Alex' Werkstatt setzte der Technikexperte den Kristall in das Portal-Gerät ein. Das Summen des Kristalls und das Surren des Geräts verschmolzen zu einer Harmonie, die den ganzen Raum vibrieren ließ. Die Lichter auf dem Gerät begannen zu pulsieren, schneller und heller als je zuvor. „Es funktioniert", sagte Alex, und in seiner Stimme lag eine Mischung aus Triumph und Angst. „Wir können das Portal öffnen." Die Gruppe tauschte entschlossene Blicke. Der Weg in die fremde Welt war frei. Jetzt mussten sie nur noch den Mut aufbringen, ihn zu beschreiten.

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