Staffel 2: Die fremde Welt· Kapitel 6 von 31

Kapitel 15: Isabellas Intrige

Isabella hatte geduldig gewartet. Während Sabine und Melanie ihre plumpen Angriffe gestartet und gescheitert waren, hatte sie im Hintergrund beobachtet, analysiert und ihren eigenen, weitaus subtileren Plan geschmiedet. Isabella war nicht wie die anderen. Sie war keine enttäuschte Fangirl, keine verbitterte Ex-Supporterin. Sie war Horsts Ex-Frau, die Mutter seines Sohnes, und sie kannte seine Schwachstellen besser als jeder andere Mensch auf dieser Welt. Und seine größte Schwachstelle war Leon.

Sie tauchte an einem Mittwochnachmittag auf, als Leon allein im Garten des Hauses saß, in dem die Gruppe ihr Hauptquartier eingerichtet hatte. Maria war drinnen und bereitete das Abendessen vor, die anderen waren in Alex' Werkstatt und arbeiteten am Portal. Leon saß auf einer Bank und starrte auf sein Handy, scrollte durch alte Fotos von sich und seinem Vater. Sein Gesicht war eine Maske aus unterdrücktem Schmerz.

„Hallo, Leon." Die Stimme kam aus dem Nichts, sanft und vertraut. Leon blickte auf und sah seine Mutter am Gartentor stehen. Sie trug ein elegantes Kleid, ihr Haar war perfekt frisiert, und ihr Lächeln war warm und einladend. Für einen Moment vergaß Leon alles, was geschehen war, all den Verrat, all die Manipulation. Er sah nur seine Mutter, die Frau, die ihn als Kind in den Schlaf gesungen hatte.

„Mama?" Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Isabella trat näher, setzte sich neben ihn auf die Bank und legte ihren Arm um seine Schulter. „Ich habe dich so vermisst, mein Schatz. Ich mache mir solche Sorgen um dich." Ihre Stimme war wie Honig, süß und beruhigend. „Ich habe gehört, was passiert ist. Dass dein Vater verschwunden ist. Das muss schrecklich für dich sein."

Leon nickte stumm. Die Tränen, die er so lange zurückgehalten hatte, begannen über seine Wangen zu laufen. Isabella zog ihn enger an sich und strich ihm über das Haar. „Weißt du, Leon, ich habe lange nachgedacht. Über deinen Vater, über uns, über alles. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dein Vater... dass er nicht der Mann ist, für den du ihn hältst." Sie sprach langsam, bedächtig, jedes Wort sorgfältig gewählt. „Er hat mich verlassen, Leon. Er hat uns verlassen. Für seinen Ruhm, für seine Fans, für sein Ego. Wir waren ihm nie wichtig genug."

Die Worte trafen Leon wie Messerstiche. Er wollte widersprechen, wollte seine Mutter anschreien, dass sie log. Aber ein Teil von ihm, der Teil, der noch immer unter den Nachwirkungen der Gehirnwäsche aus Staffel eins litt, begann zu zweifeln. Hatte sein Vater ihn wirklich geliebt? Oder war er nur ein Accessoire gewesen, ein niedliches Requisit für seine Videos?

Isabella spürte, dass ihre Worte wirkten, und setzte nach. „Ich sage nicht, dass er ein schlechter Mensch ist, Leon. Aber er ist ein egoistischer Mensch. Er hat sich immer nur um sich selbst gekümmert. Und jetzt ist er wieder verschwunden, und wer bleibt zurück? Du. Allein. Mit seinen Freunden, die sich mehr um ihn sorgen als um dich."

In diesem Moment öffnete sich die Hintertür, und Maria trat in den Garten. Sie sah Isabella und erstarrte. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, und ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Was machst du hier?", zischte sie. Isabella blickte auf, ihr Lächeln unverändert. „Ich besuche meinen Sohn. Ist das ein Verbrechen?"

Maria trat zwischen Isabella und Leon. „Du hast hier nichts zu suchen. Nicht nach allem, was du getan hast." Isabella stand langsam auf, ihre Fassade der Freundlichkeit bröckelte. „Du bist nicht seine Mutter, Maria. Du hast kein Recht, mich von meinem Sohn fernzuhalten." Die beiden Frauen standen sich gegenüber, die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar.

Leon saß zwischen ihnen, zerrissen und verwirrt. „Hört auf!", schrie er plötzlich. „Hört alle auf! Ich kann das nicht mehr!" Er sprang auf und rannte ins Haus, die Tür knallte hinter ihm zu. Maria wandte sich mit kalter Entschlossenheit an Isabella. „Verschwinde. Und wenn du noch einmal versuchst, Leon zu manipulieren, werde ich dafür sorgen, dass du es bereust." Isabella lachte leise, ein kaltes, berechnendes Lachen. „Wir werden sehen, Maria. Wir werden sehen." Dann drehte sie sich um und verschwand in der Dunkelheit. Aber der Samen des Zweifels war gesät, und er würde wachsen.

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