Kapitel 21: Liliths Zusammenbruch

Im Krankenhaus der Parallelwelt, einem düsteren Ort voller Schreie und Schatten, lag Lilith auf einem Bett, ihr Körper von Bandagen bedeckt. Die Ärzte, selbst Gefangene von Nick, taten ihr Bestes, um sie zu stabilisieren. Ihre Verletzungen waren schwer, aber nicht tödlich. Sie würde überleben. Aber sie würde nie wieder dieselbe sein.

Als Lilith erwachte, fühlte sie nur Schmerz. Physischen Schmerz von den Schlägen, aber auch emotionalen Schmerz von dem Verrat. Nick, der Mann, dem sie vertraut hatte, der ihr Macht und Zweck gegeben hatte, hatte sie fast getötet. Wegen eines Zweifels. Wegen eines Funkens Menschlichkeit.

Sie lag da, starrte an die Decke, und zum ersten Mal seit Monaten erlaubte sie sich zu weinen. Tränen liefen über ihr Gesicht, Tränen der Wut, der Trauer, der Reue. Sie hatte so viele Menschen verletzt, so viele Leben zerstört, alles im Namen von Nicks Rache. Und wofür? Um fast getötet zu werden von dem Mann, dem sie dienen wollte.

Dann hörte sie eine Stimme. Eine sanfte, vertraute Stimme. „Lilith?" Sie drehte den Kopf und sah Horst, der in der Tür stand, bewacht von zwei Klonen. Er sah müde aus, verletzt, aber in seinen Augen lag Mitgefühl.

„Horst?", flüsterte sie. „Warum bist du hier?" Horst trat näher, ignorierte die Wachen. „Weil ich wissen wollte, wie es dir geht. Weil ich dir helfen will." Lilith lachte bitter. „Mir helfen? Nach allem, was ich dir angetan habe?"

Horst setzte sich neben ihr Bett. „Du bist ein Kind, Lilith. Ein Kind, das manipuliert wurde, das missbraucht wurde. Du bist nicht das Monster. Nick ist das Monster." Lilith schüttelte den Kopf. „Ich habe schreckliche Dinge getan. Ich habe Menschen entführt, gehirngewaschen, verletzt. Ich verdiene keine Hilfe."

Horst nahm ihre Hand, vorsichtig, sanft. „Jeder verdient eine zweite Chance, Lilith. Jeder. Du musst nur den Mut haben, sie zu ergreifen." Lilith blickte in seine Augen, sah die Aufrichtigkeit, die Güte. Und in diesem Moment brach etwas in ihr. Die Mauern, die sie um ihr Herz gebaut hatte, die Dunkelheit, die sie umhüllt hatte, begannen zu bröckeln.

„Ich... ich will nicht mehr so sein", flüsterte sie. „Ich will nicht mehr für Nick arbeiten. Ich will... ich will frei sein." Horst lächelte. „Dann hilf uns. Hilf uns, Nick zu stoppen. Und wir helfen dir, frei zu sein."

Lilith nickte, Tränen liefen über ihr Gesicht. „Okay. Ich helfe euch. Aber ihr müsst schnell handeln. Nick plant, dich öffentlich hinzurichten. Morgen. Vor der ganzen Welt."

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