Kapitel 5: Nicks neues Team

Weit weg, in einem Lagerhaus am Stadtrand, das von außen aussah wie verlassen und von innen wie eine Kommandozentrale, saß Nick Lustig an einem langen Tisch und betrachtete seine neue Mannschaft.

Auf seiner rechten Seite saß Günther, sein Vater, der mit verschränkten Armen und einem Ausdruck stiller Zufriedenheit in die Runde blickte. Neben Günther saß Sabine, die Erdnusszicke, deren Augen mit der gleichen Intensität brannten wie immer. Sie hatte die letzten Monate damit verbracht, unterzutauchen und sich neu zu formieren, und die Erfahrung hatte sie nicht weicher gemacht.

Auf Nicks linker Seite saß Rüdiger Gamm, der Mathematiker, der Architekt der Pläne, der Mann, der aus Zahlen Waffen machte. Sein Notizbuch lag vor ihm, vollgeschrieben mit Gleichungen und Diagrammen, die für jeden anderen im Raum wie Hieroglyphen aussahen.

Und dann waren da die Neuen.

Tobias saß am Ende des Tisches und versuchte, nicht nervös zu wirken. Sandra war nicht dabei. Sie hatte sich geweigert zu kommen, hatte gesagt, sie müsse darüber nachdenken. Tobias hatte ihr Zeit gegeben, aber er war trotzdem hier. Neben ihm saß Jessy, die ihre Arme vor der Brust verschränkt hatte und mit einem Ausdruck in die Runde schaute, der sagte: Ich bin hier, aber ich bin noch nicht überzeugt.

Nick stand auf. Er war nicht mehr der Mann, der er einmal gewesen war. Die Narben auf seinem Gesicht, Überbleibsel aus früheren Kämpfen, hatten sich in sein Aussehen eingeschrieben wie Kapitel in einem Buch. Aber seine Augen waren noch genauso scharf, noch genauso kalt, noch genauso berechnend.

„Willkommen", sagte er. „Ich weiß, dass einige von euch Fragen haben. Ich weiß, dass einige von euch zweifeln. Das ist in Ordnung. Zweifel ist gesund. Aber ich möchte euch etwas sagen, bevor wir anfangen." Er machte eine Pause, ließ seinen Blick durch den Raum wandern. „Kaiser Horst hat jedem von euch etwas weggenommen. Jedem einzelnen. Tobias, er hat deinen Cousin zu einem Helden gemacht und dich zu einem Niemand. Jessy, er hat dein Geld genommen und dir nichts zurückgegeben. Sabine, Günther, ihr kennt eure Geschichte. Und ich..." Er lächelte, und das Lächeln war kalt wie Eis. „Ich habe alles verloren. Meine Karriere, meinen Ruf, meine Freiheit. Alles wegen eines Mannes, der sich Kaiser nennt, obwohl er nichts regiert außer der Dummheit seiner Fans."

Stille.

„Was ich euch anbiete", fuhr Nick fort, „ist keine Rache. Rache ist primitiv. Was ich euch anbiete, ist Gerechtigkeit. Und die Gelegenheit, endlich gehört zu werden."

Tobias schluckte. Jessy entfaltete ihre Arme.

Rüdiger Gamm öffnete sein Notizbuch.

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