Teil 2 von 6 · ~10 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 1: Staffel 1: Die Rückkehr des Bösen
Teil 2: Rückkehr zu Kaiser Horst
Kapitel 5: Die Entscheidung
Die Nachricht von Nicks Ausbruch verbreitete sich schnell. Paul hatte sie zuerst gesehen,
dann Jason, dann alle anderen. Die Stimmung in der Wohnung kippte sofort. Die
Erleichterung des Livestreams war weg, ersetzt durch etwas Kälteres, Nüchterneres.
'Er ist weg', sagte Paul, seine Stimme ruhig, aber seine Augen hinter der Brille angespannt.
'Die Polizei hat bestätigt, dass er heute Nacht ausgebrochen ist. Keine Details über die
Methode, aber es war professionell. Kein Alarm, keine Spuren.'
'Professionell bedeutet Hilfe von außen', sagte Paluten. Er hatte seinen Laptop aufgeklappt
und tippte bereits. 'Jemand hat den Ausbruch geplant und finanziert. Das war kein
Spontanakt.'
Jason stand auf und begann, in der Wohnung auf und ab zu gehen. Das war seine Art, mit
Stress umzugehen. 'Wir müssen uns sammeln. Wir brauchen einen Plan.'
'Wir brauchen einen sicheren Ort', sagte Horst. Er schaute in die Runde. 'Meine Wohnung ist
bekannt. Wenn Nick Ressourcen hat, weiß er, wo ich wohne.' Er dachte kurz nach. 'Wir
fahren zu meinem Haus. Alle zusammen. Dort haben wir Platz, dort haben wir Sicherheit,
und dort können wir planen.'
Niemand widersprach.
Innerhalb von dreißig Minuten waren alle unterwegs. Pauls Laptop war eingepackt, Marias
Muffins waren aufgegessen, Knossis Chips waren weg. Die Fußballspieler folgten in eigenen
Autos, Ronaldo und Haaland in einem, Messi und Neymar in einem anderen, Suárez allein,
weil er sagte, er brauche manchmal die Stille.
Dr. Wagner rief Horst auf dem Weg an. 'Ich habe bereits mit der Polizei gesprochen', sagte
er. 'Sie nehmen die Bedrohung ernst. Aber sie brauchen Zeit, um Nicks Aufenthaltsort zu
ermitteln. Bis dahin empfehle ich, nicht allein zu sein.'
'Das bin ich nicht', sagte Horst.
Kapitel 6: Ankunft und Planung
Horsts Haus lag am Stadtrand, groß genug für alle, sicher genug für die nächsten Tage. Als
sie ankamen, war es fast zwei Uhr morgens, aber niemand dachte ans Schlafen. Maria ging
sofort in die Küche, was ihre Art war, in Krisenzeiten nützlich zu sein. Paul baute sein
Technik-Setup auf dem großen Esstisch auf. Jason und Paluten setzten sich zusammen und
begannen, eine Strategie zu entwickeln.
Die Fußballspieler verteilten sich im Haus. Ronaldo und Haaland übernahmen spontan die
Sicherung des Gebäudes, gingen durch alle Räume, überprüften Fenster und Türen. Messi
setzte sich neben Paul und schaute auf den Bildschirm, ohne zu sprechen, aber seine Augen
nahmen alles auf. Neymar half Maria in der Küche, was alle überraschte und was Neymar
mit einem Schulterzucken kommentierte: 'Ich koche gern. Das weiß nur niemand.' Suárez
stand am Fenster und schaute in die Nacht.
Alex und Luca setzten sich in eine Ecke und sprachen leise. Horst sah, wie Alex die Hände
zusammendrückte, ein Zeichen, das er kannte. Alex dachte an Tobias. Das war
unvermeidlich. Tobias war Alex' Cousin, zwei Jahre jünger, und er hatte Alex in Band 1
verraten, sich Nick angeschlossen, aus einem Neid, der so tief und so alt war, dass er sich in
Hass verwandelt hatte. Tobias saß jetzt im Gefängnis. Oder er hatte gesessen.
Horst trat zu Alex. 'Hast du Nachrichten über Tobias?'
Alex schüttelte den Kopf. 'Noch nicht. Aber wenn Nick ausgebrochen ist...'
'Dann hat er vielleicht auch andere rausgeholt', sagte Horst.
'Ja.' Alex schaute auf seine Hände. 'Tobias würde sofort mitmachen. Er hasst mich immer
noch. Das hat sich nicht geändert.'
Horst legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. 'Wir passen auf dich auf.'
Paul rief von seinem Laptop: 'Ich habe etwas.' Alle kamen zusammen. 'Die
Gefängnisdatenbank zeigt, dass in der Nacht von Nicks Ausbruch noch vier weitere
Gefangene entkommen sind. Tobias Brenner – das ist Alex' Cousin – sowie drei weitere
Mitglieder von Nicks altem Netzwerk: Stich, Erdnusszicke und...' Er zögerte. 'Lilith.'
Die Stille, die folgte, war anders als die vorherige. Schwerer.
'Lilith', sagte Horst leise.
'Lilith', bestätigte Paul. 'Sie war vierzehn, als sie verhaftet wurde. Jetzt ist sie siebzehn.'
Knossi, der normalerweise als Erster einen Witz machte, schwieg. Monte und Speed
tauschten einen Blick aus. Luca schloss kurz die Augen.
'Sie ist gefährlicher als Nick', sagte Paluten, und seine Stimme war ruhig und sachlich, wie
immer, wenn er etwas sagte, das niemand hören wollte. 'Nick ist impulsiv. Er lässt sich von
Emotionen leiten. Lilith nicht. Sie denkt drei Schritte voraus, und sie hat drei Jahre Zeit
gehabt, um zu planen.'
'Was machen wir?', fragte Neymar aus der Küchentür.
'Wir schlafen erst mal', sagte Maria, die mit einem Tablett voller Tassen auftauchte. 'Und
dann planen wir. Aber nicht jetzt. Jetzt trinkt ihr Tee und geht ins Bett.'
Niemand widersprach Maria.
Kapitel 7: Der nächste Morgen
Der nächste Morgen begann früh. Horst war um sechs Uhr wach, saß in der Küche und trank
Kaffee, als Messi hereinkam. Der argentinische Fußballstar setzte sich ihm gegenüber, ohne
zu sprechen, und das war in Ordnung. Messi war jemand, der Stille respektierte.
Nach einer Weile sagte Messi: 'In meiner Karriere habe ich gelernt, dass der gefährlichste
Gegner nicht der stärkste ist. Der gefährlichste Gegner ist der, der nichts zu verlieren hat.' Er
schaute Horst an. 'Nick hat alles verloren. Das macht ihn gefährlich. Aber Lilith hat nie
etwas gehabt. Das macht sie noch gefährlicher.'
Horst nickte. 'Was schlägst du vor?'
'Nicht reagieren', sagte Messi. 'Agieren. Den ersten Schritt machen, bevor sie es tun.'
Bis acht Uhr waren alle wach. Paul hatte die Nacht damit verbracht, Daten zu sammeln, und
präsentierte nun seine Ergebnisse. Er hatte mögliche Aufenthaltsorte für Nick und seine
Gruppe identifiziert, hatte Kommunikationsmuster analysiert, hatte Verbindungen
zwischen alten Netzwerkmitgliedern verfolgt. Die Arbeit war beeindruckend, und Paluten
nickte anerkennend.
'Wir brauchen mehr Zeit, um die Daten zu verifizieren', sagte Paul. 'Mindestens einen Tag.'
'Dann nutzen wir den Tag', sagte Horst. 'Wir planen, wir bereiten uns vor, und wir...' Er
zögerte, dann lächelte er. 'Wir entspannen uns. Weil wir das brauchen.'
Kapitel 8: Das Schwimmbad
Die Idee mit dem Schwimmbad kam von Knossi, was niemanden überraschte. 'Wir haben
ein Schwimmbad im Garten', sagte er, 'und wir sitzen hier drin und machen uns Sorgen. Das
ist falsch. Wir sollten das Schwimmbad benutzen.'
Horst dachte kurz nach. Dann sagte er: 'Gut.'
Was folgte, war einer der unerwartetsten Nachmittage, die Horst je erlebt hatte. Das
Schwimmbad war groß, und Knossi hatte spontan ein Hindernisrennen organisiert, mit
aufblasbaren Hindernissen, die er aus dem Keller geholt hatte, mit Regeln, die er sich
ausgedacht hatte und die niemand ganz verstand, und mit einem Enthusiasmus, der
ansteckend war.
Ronaldo war der Erste im Wasser, natürlich. Er schwamm mit der Eleganz und Präzision, die
er in alles einbrachte, was er tat, und er war schnell, sehr schnell. Haaland sprang mit
einem Jubel ins Wasser, der eine Welle auslöste, die Knossi traf und der Knossi dazu
brachte, laut zu protestieren. Messi schwamm ruhig und effizient, ohne Eile, aber er war
trotzdem schnell. Neymar machte Kunststücke im Wasser, Rollen und Drehungen, die
niemand von ihm erwartet hatte und die alle zum Lachen brachten. Suárez schwamm
verbissen und zielstrebig, ohne links oder rechts zu schauen, was seiner Persönlichkeit
entsprach.
Jason und Paluten machten mit, beide überraschend gut. Alex schwamm neben Luca, und
Horst sah, wie sich die Anspannung aus Alex' Schultern löste, zumindest für eine Weile.
Monte und Speed versuchten, das Hindernisrennen zu gewinnen, und scheiterten
spektakulär an einem aufblasbaren Flamingo, der sich nicht so verhielt, wie sie es erwartet
hatten. Maria saß am Rand und schaute zu, die Füße im Wasser, ein Lächeln auf dem
Gesicht, das echt war.
Dr. Wagner, der nicht schwimmen wollte, saß unter einem Sonnenschirm und telefonierte.
Er winkte gelegentlich, wenn jemand ihn anschaute.
Horst schwamm eine Runde, dann noch eine, dann ließ er sich auf dem Rücken treiben und
schaute in den Himmel. Die Sonne schien, die Luft war warm, das Wasser war kühl. Für
einen Moment, nur für einen Moment, war alles in Ordnung.
Dann klingelte Pauls Handy.
Paul, der am Rand gesessen und seinen Laptop beobachtet hatte, nahm ab. Sein Gesicht
veränderte sich. Er stand auf, trat ein paar Schritte vom Becken weg, sprach leise. Als er
zurückkam, war sein Ausdruck ernst.
'Was ist?', fragte Horst.
Paul schaute in die Runde. Alle hatten aufgehört zu schwimmen, alle schauten ihn an. 'Ich
habe gerade eine Benachrichtigung von meinem Überwachungssystem bekommen', sagte
er. 'Aus dem Gefängnis. Nicht nur Nick ist ausgebrochen.' Er hielt inne. 'In der vergangenen
Nacht sind weitere Gefangene entkommen. Valentinas gesamtes Netzwerk. Alle, die noch
einsaßen.'
'Tobias?', fragte Alex, und seine Stimme war sehr ruhig.
'Tobias', bestätigte Paul. 'Und Stich, Erdnusszicke, Lilith. Alle fünf in einer Nacht.'
Das Schwimmbad war plötzlich sehr still.
'Das war koordiniert', sagte Paluten. Er saß am Rand, die Beine im Wasser, und sein Blick
war scharf und analytisch. 'Fünf Ausbrüche in einer Nacht, aus demselben Gefängnis. Das
erfordert Planung, Ressourcen und Insider-Wissen. Nick hat das vorbereitet. Wahrscheinlich
schon seit Monaten.'
Suárez stieg aus dem Wasser und griff nach seinem Handtuch. 'Was macht Lilith gerade?'
'Das weiß ich noch nicht', sagte Paul. 'Aber ich arbeite daran.'
Horst stand auf und schaute in die Runde. Die Gesichter seiner Freunde, seiner
Verbündeten, der Fußballspieler, die zu mehr als Verbündeten geworden waren. Er sah
Entschlossenheit, er sah Sorge, er sah Bereitschaft.
'Wir fahren morgen früh zurück in die Stadt', sagte er. 'Heute Abend planen wir. Und heute
Nacht schlafen wir, weil wir ausgeruht sein müssen.'
Niemand widersprach.
Kapitel 9: Der Abend
Der Abend war ruhig, aber die Ruhe war angespannt, wie die Stille vor einem Gewitter. Paul
arbeitete an seinem Laptop, Paluten saß neben ihm und analysierte die Daten, die Paul
sammelte. Jason und Ronaldo sprachen leise in einer Ecke, eine Unterhaltung, die Horst
nicht hören konnte, aber die er an den Gesten der beiden einschätzen konnte: ernst,
konzentriert, aber nicht panisch.
Maria kochte Abendessen für alle, eine Pasta, die sie in großen Töpfen zubereitete und die
das ganze Haus mit einem Duft erfüllte, der tröstlich war. Neymar half ihr wieder, und
diesmal half auch Suárez, was alle überraschte und was Suárez damit kommentierte, dass
er zu Hause immer koche und das niemand wisse.
Haaland aß drei Portionen, was Knossi dazu veranlasste zu sagen, dass er sich Sorgen um
die Pasta-Vorräte mache. Messi aß eine Portion, langsam und bedächtig, und sprach dabei
mit Luca über Dinge, die Horst nicht hören konnte, aber die Luca zum Lächeln brachten.
Alex saß still an einem Ende des Tisches. Horst setzte sich neben ihn.
'Wie geht es dir?'
Alex schaute auf seinen Teller. 'Ich denke an Tobias. Ich denke daran, was er tun wird, wenn
er frei ist.' Er hob den Blick. 'Er hasst mich, Horst. Nicht wegen etwas Bestimmtem, das ich
getan habe. Er hasst mich, weil ich existiere und erfolgreich bin. Das ist der schlimmste
Hass. Den kann man nicht erklären, man kann nicht dagegen argumentieren.'
'Nein', sagte Horst. 'Aber man kann sich davor schützen.'
'Wie?'
'Indem man nicht allein ist.' Horst schaute in die Runde, auf die Menschen um den Tisch.
'Das hier ist dein Schutz.'
Alex nickte langsam. Dann aß er seine Pasta.
Später, als alle schlafen gegangen waren, saß Horst noch allein in der Küche. Er dachte an
Lilith. Siebzehn Jahre alt. Drei Jahre im Gefängnis. Drei Jahre, in denen sie geplant hatte,
vorbereitet hatte, gewartet hatte. Er hatte sie in Band 1 als gefährlich erlebt, als ein
Mädchen mit einem Verstand, der schärfer war als ein Rasiermesser, und einer Kälte, die
erschreckend war. Drei Jahre hatten das nicht gemildert. Drei Jahre hatten das geschärft.
Er löschte das Licht und ging schlafen.