Teil 3 von 6 · ~9 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 1: Staffel 1: Die Rückkehr des Bösen
Teil 3: Die ehrliche Feindin
Kapitel 10: Die Heimfahrt
Sie fuhren am nächsten Morgen in zwei Gruppen zurück in die Stadt. Horst, Jason, Paul,
Maria, Alex und Luca in einem Fahrzeug. Knossi, Monte, Speed und Paluten in einem
zweiten. Die Fußballspieler fuhren in ihren eigenen Autos, aber Ronaldo hatte darauf
bestanden, dass sie in Sichtweite blieben. 'Sicherheit in Zahlen', hatte er gesagt, und
niemand hatte widersprochen.
Die Fahrt dauerte anderthalb Stunden. Paul saß auf dem Beifahrersitz und arbeitete an
seinem Laptop, seine Finger bewegten sich über die Tastatur, seine Augen wanderten
zwischen dem Bildschirm und der Straße hin und her. Er hatte die Nacht damit verbracht,
Daten zu analysieren, und er hatte etwas gefunden, das ihn beschäftigte, aber er wollte es
erst verifizieren, bevor er es sagte.
Jason fuhr. Er war ein guter Fahrer, konzentriert und ruhig, was im Widerspruch zu seiner
sonstigen Impulsivität stand, aber Horst hatte gelernt, dass Jason hinter dem Steuer eine
andere Person war. Ruhiger. Überlegter.
Maria saß neben Horst auf der Rückbank und schaute aus dem Fenster. Sie sprach nicht
viel, aber das war in Ordnung. Manchmal war Schweigen die richtige Sprache.
Alex saß am anderen Fenster, Luca zwischen ihnen. Luca hatte die Augen geschlossen, nicht
weil er schlief, sondern weil er meditierte, eine Praxis, die er in den vergangenen Jahren
entwickelt hatte und die ihm half, in schwierigen Momenten zentriert zu bleiben.
'Paul', sagte Horst, 'was hast du gefunden?'
Paul zögerte einen Moment. Dann sagte er: 'Ich habe Kommunikationsmuster analysiert. In
den vergangenen drei Wochen gab es ungewöhnliche Aktivitäten in einem verschlüsselten
Netzwerk, das ich mit Liliths alten Accounts in Verbindung gebracht habe. Sie hat sich
vorbereitet. Schon lange vor dem Ausbruch.'
'Was hat sie vorbereitet?'
'Das weiß ich noch nicht genau. Aber die Datenmenge ist groß. Sie hat viel geplant.'
Jason schaute kurz in den Rückspiegel. 'Wie gefährlich ist sie wirklich? Ich meine, sie ist
siebzehn.'
'Alter ist irrelevant', sagte Paluten, der per Freisprechanlage zugeschaltet war. 'Lilith ist
gefährlicher als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Sie hat einen Verstand, der
Probleme auf eine Art löst, die andere Menschen nicht einmal als Möglichkeit in Betracht
ziehen.'
'Und sie hat drei Jahre Zeit gehabt, um zu planen', fügte Paul hinzu.
Die Fahrt verlief schweigend für eine Weile. Dann sagte Alex, ohne seinen Blick vom Fenster
zu nehmen: 'Tobias ist auch draußen.'
'Ja', sagte Horst.
'Er wird zu mir kommen. Nicht sofort. Er ist nicht impulsiv. Aber er wird kommen.'
'Dann sind wir bereit, wenn er kommt.'
Alex nickte. Luca öffnete die Augen und legte kurz die Hand auf Alex' Arm. Alex schaute ihn
an, und etwas in seinem Gesicht entspannte sich, nur ein wenig, aber es war da.
Kapitel 11: Das Gas
Es passierte auf der Autobahn, dreißig Minuten vor der Stadt. Horst bemerkte es zuerst als
einen leichten Schwindel, einen Moment der Desorientierung, der so schnell kam, dass er
ihn zunächst für Müdigkeit hielt. Dann sah er, wie Maria neben ihm die Augen schloss, wie
ihr Kopf zur Seite sank.
'Jason', sagte er, und seine Stimme klang seltsam, gedämpft, als käme sie von weit weg.
Jason antwortete nicht. Horst schaute nach vorne und sah, wie Jasons Hände vom Steuer
glitten.
Das Auto. Das Gas kam aus dem Auto.
Horst versuchte, die Tür zu öffnen, aber seine Finger gehorchten ihm nicht mehr. Er
versuchte, das Fenster herunterzukurbeln, aber die Kraft fehlte. Er sah, wie Alex neben ihm
einschlief, wie Luca, der meditiert hatte, langsam zur Seite sank. Paul auf dem Beifahrersitz
war bereits bewusstlos.
Das Letzte, was Horst sah, bevor er das Bewusstsein verlor, war ein schwarzes Fahrzeug,
das neben ihnen fuhr und dessen Fenster getönt waren.
Kapitel 12: Das Parkhaus
Horst wachte auf und wusste sofort, dass er nicht dort war, wo er sein sollte. Die Decke über
ihm war aus Beton, grau und fleckig. Die Luft roch nach Öl und Staub und der spezifischen
Kälte von Räumen, die lange nicht bewohnt worden waren.
Er richtete sich auf. Sein Kopf schmerzte, ein dumpfer, drückender Schmerz, der von den
Schläfen ausging. Er schaute sich um.
Ein Parkhaus. Verlassen, die Markierungen auf dem Boden verblasst, einige Fenster
eingeschlagen, das Licht der frühen Nachmittagssonne fiel in schrägen Strahlen durch die
Öffnungen. Neben ihm lagen Jason, Paul, Maria, Alex und Luca, alle bewusstlos, alle
atmend.
Horst stand auf, schwankend, und kniete neben Jason. 'Jason.' Er schüttelte ihn. 'Jason,
wach auf.'
Jason öffnete die Augen, blinzelte, schaute sich um. 'Was...' Er setzte sich auf. 'Was ist
passiert?'
'Gas im Auto', sagte Horst. 'Wir wurden betäubt.'
Jason fluchte leise. Dann stand er auf und half Horst, die anderen zu wecken. Paul war der
Nächste, dann Maria, dann Luca, dann Alex. Alle hatten denselben dumpfen Kopfschmerz,
alle brauchten einen Moment, um zu verstehen, wo sie waren.
'Wo sind die anderen?', fragte Knossi, und Horst drehte sich um. Knossi, Monte, Speed und
Paluten standen ein paar Meter entfernt, ebenfalls gerade aufgewacht, ebenfalls verwirrt.
Sie waren alle im selben Parkhaus.
'Wo sind die Fußballspieler?', fragte Neymar, und Horst drehte sich erneut um. Ronaldo,
Haaland, Messi, Neymar und Suárez standen am anderen Ende des Parkhauses, alle wach,
alle angespannt.
'Wir wurden auch betäubt', sagte Ronaldo. 'Unser Auto wurde von der Straße gedrängt, und
dann...' Er schüttelte den Kopf. 'Gas. Sehr schnell.'
'Nick', sagte Jason.
'Vielleicht', sagte Horst. Aber etwas stimmte nicht. Er schaute sich um, suchte nach
Hinweisen, nach Zeichen, die ihm sagten, wer das getan hatte und warum. Das Parkhaus
war verlassen, aber es war nicht zufällig ausgewählt worden. Es war sauber, trotz des
Verfalls. Keine Glasscherben auf dem Boden, keine Hindernisse. Jemand hatte es
vorbereitet.
Und dann hörte er es. Ein leises Geräusch, das von oben kam. Schritte. Leichte, schnelle
Schritte, die sich bewegten, als wäre die Person, die sie machte, es gewohnt, sich lautlos zu
bewegen.
Horst schaute nach oben.
Auf dem Betongeländer der nächsten Etage stand ein Mädchen.
Kapitel 13: Lilith
Sie war kleiner als Horst sie in Erinnerung hatte, aber das war eine Täuschung. In seiner
Erinnerung war sie vierzehn gewesen, ein Kind, wenn auch ein gefährliches. Jetzt war sie
siebzehn, und die drei Jahre hatten sie verändert. Nicht weicher, sondern schärfer. Nicht
verletzlicher, sondern gefestigter.
Sie trug dunkle Kleidung, die Haare zurückgebunden, einen Laptop unter dem Arm. Ihre
Augen, die er aus Band 1 kannte, waren dieselben: dunkel, kalt, berechnend. Sie schaute
auf die Gruppe unter ihr herab, ohne Eile, ohne Nervosität, wie jemand, der eine Situation
vollständig unter Kontrolle hat.
'Lilith', sagte Horst.
'Horst', sagte sie. Ihre Stimme war ruhiger als er erwartet hatte, tiefer. Drei Jahre hatten
auch das verändert.
'Du hast uns hierher gebracht.'
'Ja.'
'Warum?'
Sie schaute ihn an, und in ihrem Blick war etwas, das er nicht sofort einordnen konnte.
Nicht Hass, nicht Triumph. Etwas Kälteres. 'Weil ich es konnte', sagte sie. 'Und weil Nick es
wollte.'
Jason machte einen Schritt nach vorne. 'Was willst du von uns?'
'Nichts', sagte Lilith. 'Ich wollte euch nur zeigen, dass ich kann, was ich kann. Dass ihr nicht
so sicher seid, wie ihr denkt.' Sie schaute auf Paul. 'Deine Sicherheitssysteme sind gut, Paul.
Aber nicht gut genug.'
Paul schaute sie an, und in seinem Blick war etwas Seltenes: echte Überraschung. 'Wie hast
du das Gas ins Auto gebracht?'
'Ferngesteuert', sagte Lilith. 'Über das Fahrzeugsteuerungssystem. Dein Auto hat eine
Schwachstelle in der Software, Version 4.2.1. Ich habe sie vor sechs Monaten gefunden.'
Eine kurze Pause. 'Ich habe viel Zeit gehabt.'
Ronaldo schaute nach oben. 'Komm runter.'
'Nein', sagte Lilith, ohne zu zögern. 'Ihr kommt nicht an mich ran. Nicht hier, nicht jetzt. Ich
habe dieses Parkhaus seit drei Monaten vorbereitet. Ich kenne jeden Ausgang, jeden
Winkel, jeden Fluchtweg. Ihr nicht.'
Suárez machte einen Schritt zur Seite, als würde er die Umgebung einschätzen. Lilith
bemerkte es sofort. 'Suárez', sagte sie, 'der Ausgang hinter dir ist versperrt. Der auf der
linken Seite auch. Der einzige offene Weg führt durch die Hauptrampe, und die ist
überwacht.' Sie schaute ihn an. 'Ich sage das nicht, um euch zu bedrohen. Ich sage es,
damit ihr keine Energie verschwendet.'
Haaland schaute Horst an. Horst schüttelte leicht den Kopf. Nicht jetzt.
'Was willst du wirklich, Lilith?', fragte Horst.
'Ich habe euch bereits gesagt, was ich will', sagte sie. 'Nichts. Das hier ist eine
Demonstration. Nick wollte, dass ihr wisst, dass wir zurück sind. Dass wir vorbereitet sind.
Dass ihr nicht sicher seid.' Sie machte einen Schritt zurück, weg vom Geländer. 'Ihr könnt
jetzt gehen. Die Hauptrampe ist offen.'
'Warte', sagte Horst.
Aber Lilith war bereits weg. Keine Schritte, kein Geräusch. Sie war einfach verschwunden,
als wäre sie nie da gewesen.
Kapitel 14: Die Flucht aus dem Parkhaus
Die Gruppe stand in der Stille des verlassenen Parkhauses und verarbeitete, was gerade
passiert war.
'Sie hat uns gehen lassen', sagte Jason. 'Warum?'
'Weil sie es konnte', sagte Paluten. Er schaute sich um, seine Augen bewegten sich schnell,
analytisch. 'Das war keine Geiselnahme. Das war eine Machtdemonstration. Sie wollte uns
zeigen, dass sie Kontrolle hat. Dass sie uns jederzeit hätte schaden können, aber
entschieden hat, es nicht zu tun. Das ist psychologische Kriegsführung.'
'Sehr effektiv', sagte Messi leise.
'Zu effektiv', sagte Paul. Er hatte seinen Laptop geöffnet, irgendwo hatte er ihn gefunden,
vielleicht war er im Parkhaus gewesen. 'Sie hat mein System analysiert. Sie kennt meine
Schwachstellen. Das bedeutet, sie hat Zugang zu Informationen, die sie nur haben kann,
wenn...' Er hörte auf zu tippen. 'Wenn sie schon vor dem Ausbruch Zugang zu externen
Netzwerken hatte.'
'Jemand hat ihr geholfen', sagte Horst. 'Von außen. Jemand hat ihr Geräte reingebracht,
Verbindungen ermöglicht.'
'Valentinas Netzwerk', sagte Paluten. 'Es ist nicht vollständig ausgehoben worden. Es gibt
Reste, Verbindungen, die wir nicht gefunden haben.'
Ronaldo schaute zur Hauptrampe. 'Gehen wir. Hier ist es nicht sicher.'
Sie gingen. Die Hauptrampe war tatsächlich offen, wie Lilith gesagt hatte. Draußen war die
Sonne, die Stadt, der Lärm des Verkehrs. Normale Dinge, die sich seltsam anfühlten nach
dem Halbdunkel des Parkhauses.
Horst rief Dr. Wagner an. 'Wir brauchen neue Fahrzeuge', sagte er. 'Unsere sind
kompromittiert.' Er hörte Dr. Wagners Reaktion, dann sagte er: 'Ja. Alle. Und wir brauchen
einen neuen sicheren Ort.'