Teil 4 von 6 · ~7 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 1: Staffel 1: Die Rückkehr des Bösen
Teil 4: Das Ankündigungsvideo
Kapitel 15: Nicks neues Gesicht
Sie fanden einen neuen sicheren Ort, ein Bürogebäude, das Dr. Wagner kurzfristig gemietet
hatte, groß genug für alle, mit Sicherheitssystemen, die Paul sofort überprüfte und für gut
befand. Es war nicht so komfortabel wie Horsts Haus, aber es war sicher, und das war das
Einzige, was zählte.
Paul arbeitete sofort, nachdem sie angekommen waren. Er überprüfte alle Geräte auf
Schadsoftware, änderte alle Passwörter, aktualisierte alle Sicherheitseinstellungen. Es
dauerte drei Stunden, und in dieser Zeit saßen alle anderen und warteten, tranken Kaffee,
sprachen leise.
Haaland und Ronaldo machten Liegestütze in einer Ecke, weil sie sagten, sie könnten nicht
stillsitzen. Messi schaute zu, ohne etwas zu sagen. Neymar versuchte, Haaland zu
überreden, eine Pause zu machen, und scheiterte. Suárez schlief auf einem Sofa, was alle
überraschte, aber Suárez sagte, er könne überall schlafen, das sei eine Fähigkeit, die er im
Laufe seiner Karriere entwickelt habe.
Knossi versuchte, die Stimmung aufzuhellen, und diesmal funktionierte es nicht ganz, was
ungewöhnlich für Knossi war. Monte und Speed öffneten ihre Laptops und arbeiteten, weil
Arbeit für sie eine Form der Bewältigung war.
Dann, um achtzehn Uhr, klingelte Horsts Handy. Eine unbekannte Nummer. Eine Videodatei.
'Nicht öffnen', sagte Paul sofort. 'Nicht bevor ich es gescannt habe.'
Er scannte die Datei. Keine Schadsoftware. Dann öffnete er sie auf einem isolierten Gerät,
das nicht mit dem Netzwerk verbunden war.
Das Video zeigte Nick Lustig.
Er saß an einem Tisch, in einem Raum, den Horst nicht erkannte. Die Beleuchtung war
professionell, das Bild scharf. Nick trug ein dunkles Hemd, und sein Gesicht... sein Gesicht
war anders als Horst es in Erinnerung hatte.
Die Narben waren noch da. Die linke Seite seines Gesichts, die in Band 1 schwer verbrannt
worden war, war immer noch vernarbt. Aber die Narben sahen anders aus. Glatter. Weniger
rot. Jemand hatte an ihnen gearbeitet.
'Er hatte eine Hauttransplantation', sagte Paul leise. 'Teilweise. Die Narben sind besser, aber
nicht weg.'
Nick sprach in die Kamera, und seine Stimme war ruhig, fast freundlich, was schlimmer war
als Wut. 'Horst', sagte er. 'Ich hoffe, du hattest einen angenehmen Nachmittag in dem
Parkhaus. Lilith hat mir erzählt, dass ihr alle gut aussaht. Das freut mich. Ich möchte, dass
ihr in guter Verfassung seid, wenn wir uns wiedersehen.'
Er lehnte sich zurück. 'Drei Jahre habe ich nachgedacht. Drei Jahre habe ich geplant. Drei
Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Und ich habe viel gelernt. Ich habe gelernt,
dass ich Fehler gemacht habe. Fehler in der Planung, Fehler in der Ausführung, Fehler in der
Auswahl meiner Verbündeten.' Er schaute direkt in die Kamera. 'Diese Fehler werde ich
nicht wiederholen.'
Er hob die Hand, und Horst sah, dass die rechte Seite seines Gesichts, die unverbrannte
Seite, tatsächlich besser aussah als früher. Die Hauttransplantation hatte die schlimmsten
Narben auf der linken Seite gemildert, aber sie waren noch sichtbar, ein Muster aus
verblassten Wunden, das sein Gesicht in zwei Hälften zu teilen schien.
'Ich habe ein neues Team', fuhr Nick fort. 'Menschen, denen ich vertraue. Menschen, die ich
ausgewählt habe, weil sie Fähigkeiten haben, die ich brauche. Und ich habe Pläne.' Er
lächelte, und das Lächeln war das Unheimlichste an dem Video. 'Ihr werdet sie
kennenlernen. Bald.'
Das Video endete.
Kapitel 16: Die Hackerattacke
Die Stille nach dem Video dauerte vielleicht zehn Sekunden. Dann begann Pauls Laptop zu
piepen.
'Was ist das?', fragte Jason.
Paul schaute auf den Bildschirm, und sein Gesicht veränderte sich. 'Ein Angriff', sagte er.
'Auf alle unsere Systeme gleichzeitig.' Seine Finger bewegten sich über die Tastatur. 'Er hat
das Video als Ablenkung benutzt. Während wir zugeschaut haben, hat er...' Er tippte
schneller. 'Er ist in unsere Netzwerke eingedrungen. Alle gleichzeitig.'
'Wie viele?', fragte Paluten.
'Alle', sagte Paul. 'Jedes Gerät, das mit unserem Netzwerk verbunden ist. Handys, Laptops,
Tablets. Alles.'
'Trennt die Verbindungen', sagte Paluten sofort. 'Alle Geräte offline.'
Es war zu spät für einige. Paul konnte sehen, wie Daten abgezogen wurden, wie Passwörter
geändert wurden, wie Konten gesperrt wurden. Es war präzise und schnell, die Arbeit von
jemandem, der wusste, was er tat, und der lange darauf gewartet hatte.
Monte und Speed reagierten schnell. Sie hatten ihre Laptops sofort getrennt, als Paul das
Wort 'Angriff' gesagt hatte, und ihre Systeme waren sauber. Knossi hatte sein Handy in die
Luft gehalten und gefragt, ob er es ausschalten solle, und Paluten hatte 'Ja, sofort' gesagt.
Ronaldo, Haaland, Messi, Neymar und Suárez hatten ihre Handys ausgeschaltet, ohne
Fragen zu stellen. Das war die Disziplin von Profisportlern, die gewohnt waren,
Anweisungen zu folgen, wenn es darauf ankam.
Paul arbeitete dreißig Minuten lang, um den Schaden zu begrenzen. Als er fertig war, lehnte
er sich zurück und rieb sich die Augen. 'Er hat Zugang zu unseren Kommunikationskanälen
gehabt. E-Mails, Nachrichten, Kontakte. Er hat Kopien von allem.' Eine kurze Pause. 'Und er
hat Nachrichten in unserem Namen gesendet. An Medien, an Kontakte, an...' Er hörte auf.
'An Dr. Wagner.'
Horst rief Dr. Wagner sofort an. Der Anwalt nahm ab und klang angespannt. 'Ich habe
gerade eine Nachricht von dir bekommen, Horst. Sie sagte, du ziehst alle Anzeigen zurück
und willst mit Nick sprechen.'
'Das habe ich nicht geschrieben', sagte Horst.
'Das dachte ich mir.' Dr. Wagner atmete aus. 'Ich habe nicht geantwortet. Aber wenn diese
Nachricht an andere gegangen ist...'
'Sie ist gegangen', sagte Paul, der zugehört hatte. 'An mehrere Medien.'
Horst schloss kurz die Augen. Dann öffnete er sie wieder. 'Paul, was können wir tun?'
'Gegendarstellungen', sagte Paul. 'Sofort. Und wir müssen unsere Systeme komplett neu
aufsetzen. Das dauert Zeit.' Er schaute Horst an. 'Aber zuerst müssen wir verstehen, wie er
reingekommen ist.'
'Lilith', sagte Paluten. 'Sie hat die Schwachstelle gefunden, als sie uns im Parkhaus hatte.
Sie hat Zeit gehabt, unsere Geräte zu analysieren.'
'Aber unsere Geräte waren nicht bei ihr', sagte Jason.
'Nein', sagte Paul. 'Aber die Fahrzeuge waren es. Und die Fahrzeuge waren mit unseren
Handys verbunden. Über Bluetooth, über das Fahrzeugnetzwerk.' Er schüttelte den Kopf.
'Sie ist gut. Sehr gut.'
Kapitel 17: Der Gegenangriff
Paul arbeitete die ganze Nacht. Monte und Speed halfen ihm, ihre Gaming-Kenntnisse
erwiesen sich als überraschend nützlich bei der Analyse von Netzwerkstrukturen. Paluten
koordinierte, was nach außen kommuniziert wurde, und schrieb Gegendarstellungen, die er
an alle Medien schickte, die die gefälschten Nachrichten erhalten hatten.
Ronaldo und Haaland schliefen abwechselnd, einer immer wach, eine Gewohnheit, die sie
sich für Auswärtsspiele angewöhnt hatten. Messi saß bei Paul und schaute zu, ohne zu
stören, aber manchmal sagte er etwas, das Paul auf eine Idee brachte, die er sonst nicht
gehabt hätte. Neymar und Suárez schliefen.
Jason und Horst sprachen die halbe Nacht. Sie sprachen über Nick, über Lilith, über Tobias,
über die Situation, in der sie sich befanden. Sie sprachen über das, was als Nächstes
kommen würde, und über das, was sie tun konnten.
'Wir müssen offensiv werden', sagte Jason. 'Wir können nicht nur reagieren. Wir müssen
Nick finden, bevor er uns findet.'
'Paul hat mögliche Standorte', sagte Horst. 'Aber wir brauchen mehr Informationen.'
'Woher bekommen wir die?'
Horst dachte nach. 'Stich', sagte er. 'Stich ist ausgebrochen, aber er ist nicht wie Tobias oder
Lilith. Er ist kein Ideologe. Er macht mit, weil er muss, nicht weil er will. Wenn wir ihn
finden, bevor Nick ihn findet...'
'Dann haben wir einen Insider', sagte Jason.
'Vielleicht.'
Am nächsten Morgen, als die Sonne aufging und Paul endlich aufgehört hatte zu tippen und
seinen Kopf auf den Tisch gelegt hatte, um zu schlafen, hatte die Gruppe einen Plan. Keinen
perfekten Plan, aber einen Anfang.
Horst schaute auf die Menschen um ihn herum. Erschöpft, aber nicht gebrochen. Besorgt,
aber nicht panisch. Bereit.
'Wir fangen an', sagte er.