Teil 5 von 6 · ~6 Minuten Lesezeit
Band 2 – Staffel 1: Staffel 1: Die Rückkehr des Bösen
Teil 5: Die Entführungen
Kapitel 18: Der erste Schlag
Der Plan, Nick zu finden, begann gut. Paul hatte drei mögliche Standorte identifiziert,
Paluten hatte eine Strategie entwickelt, wie sie diese Standorte überwachen konnten, ohne
selbst aufzufallen. Dr. Wagner hatte Kontakt zur Polizei aufgenommen, die bereit war, bei
konkreten Hinweisen zu handeln.
Aber Nick handelte zuerst.
Es begann an einem Dienstagmorgen, vier Tage nach dem Parkhaus-Vorfall. Luca und
Knossi waren früh aufgestanden und hatten beschlossen, Frühstück zu holen, ein Bäcker
zwei Straßen entfernt, den sie kannten. Sie hatten Paul gesagt, wohin sie gingen. Sie hatten
ihre Handys dabei. Sie hatten alle Sicherheitsregeln befolgt.
Sie kamen nicht zurück.
Um neun Uhr, als sie nach vierzig Minuten noch nicht da waren, rief Horst Knossi an. Keine
Antwort. Er rief Luca an. Keine Antwort. Er schickte Nachrichten. Keine Reaktion.
'Paul', sagte er.
Paul war bereits am Laptop. 'Ich versuche, ihre Handys zu orten.' Seine Finger bewegten
sich schnell. 'Knossis Handy war zuletzt vor dreißig Minuten aktiv. Luca vor
fünfundzwanzig.' Er schaute auf den Bildschirm. 'Beide Signale sind an derselben Stelle. Ein
Parkplatz, eine Straße entfernt vom Bäcker.'
'Dann sind sie noch in der Nähe', sagte Jason.
'Nein', sagte Paul. 'Das Signal ist statisch. Die Handys liegen irgendwo, aber Luca und Knossi
sind nicht mehr dabei.'
Jason fluchte. 'Tobias.'
Horst dachte dasselbe, aber er sagte es nicht laut. Tobias, der Luca und Knossi entführt
hatte, weil er wusste, dass das Alex treffen würde. Weil Tobias immer wusste, wie er am
meisten schaden konnte.
Alex stand in der Tür und hatte alles gehört. Sein Gesicht war sehr ruhig, zu ruhig. 'Er hat sie
genommen, um mich zu treffen', sagte er.
'Wir wissen nicht, ob es Tobias war', sagte Horst.
'Doch', sagte Alex. 'Das weiß ich.'
Ronaldo stand auf. 'Was machen wir?'
'Wir finden sie', sagte Horst. 'Paul, was kannst du tun?'
'Ich analysiere die Kommunikationsmuster der vergangenen Stunden', sagte Paul. 'Wenn
Tobias Kontakt mit Nick oder Lilith hatte, gibt es vielleicht Spuren.' Er tippte. 'Aber das
dauert Zeit.'
'Wie viel Zeit?'
'Ich weiß es nicht. Eine Stunde, vielleicht zwei.'
'Dann fangen wir an.'
Kapitel 19: Stich und Erdnusszicke
Während Paul arbeitete, passierte das Nächste. Monte kam zu Horst und sagte, er könne
Speed nicht finden. Speed war vor einer Stunde in sein Zimmer gegangen, um zu schlafen,
und hatte nicht auf Klopfen reagiert. Als Monte die Tür geöffnet hatte, war das Zimmer leer.
Dann meldete sich Alex nicht mehr. Er war vor dreißig Minuten kurz weggegangen, hatte
gesagt, er brauche frische Luft, er würde nur kurz vor die Tür gehen. Horst hatte gezögert,
hatte ihn gehen lassen, weil Alex ein Erwachsener war und weil er nicht wollte, dass seine
Freunde sich wie Gefangene fühlten.
Jetzt war Alex weg.
Paul analysierte die Daten und fand Spuren. Stich und Erdnusszicke, zwei Mitglieder von
Nicks altem Netzwerk, hatten sich in der Nähe des Gebäudes aufgehalten. Stich, der
zögerliche Komplize, der in Band 1 zwischen den Fronten gestanden hatte, war offenbar
wieder auf Nicks Seite. Erdnusszicke, der immer nach Geld gesucht hatte, war es ebenfalls.
'Sie haben Alex, Monte und Speed', sagte Paul. Seine Stimme war ruhig, aber seine Hände
zitterten leicht. 'Koordinierter Angriff. Alle drei gleichzeitig.'
'Lilith koordiniert das', sagte Paluten. Er stand am Fenster und schaute auf die Straße. 'Das
ist ihr Stil. Nicht ein Angriff, sondern viele gleichzeitig, von verschiedenen Seiten, damit
man nicht weiß, wo man zuerst reagieren soll.'
Haaland schlug mit der Faust auf den Tisch, nicht aus Wut, sondern aus Frustration. 'Wir
müssen sie finden.'
'Ich weiß', sagte Horst. 'Paul, wie weit bist du?'
'Ich habe einen möglichen Standort', sagte Paul. 'Ein Lagerhaus im Industriegebiet. Lilith
hat es in den vergangenen Wochen mehrfach besucht, zumindest legen das die Daten
nahe.' Er zögerte. 'Aber es könnte eine Falle sein.'
'Wahrscheinlich ist es eine Falle', sagte Paluten.
'Dann gehen wir trotzdem', sagte Jason.
'Nicht sofort', sagte Horst. 'Wir gehen, wenn wir bereit sind. Nicht wenn wir wütend sind.'
Kapitel 20: Sandras Verrat
Bevor sie aufbrechen konnten, klingelte Horsts Handy. Eine Nummer, die er kannte. Sandra.
Nicks Ex-Frau, die in Band 1 eine ambivalente Rolle gespielt hatte, die zwischen Loyalität zu
Nick und dem Wunsch nach einem anderen Leben hin- und hergerissen gewesen war.
Er nahm ab. 'Sandra.'
'Horst.' Ihre Stimme klang angespannt, aber kontrolliert. 'Ich muss mit dir sprechen. Allein.
Kannst du kurz runterkommen?'
'Wohin?'
'Vor das Gebäude. Ich bin auf der anderen Straßenseite.'
Horst zögerte. Dann sagte er: 'Einen Moment.' Er legte die Hand auf das Mikrofon und
schaute Jason an. Jason schüttelte den Kopf. Horst schaute Paluten an. Paluten schüttelte
ebenfalls den Kopf.
'Ich gehe', sagte Horst.
'Horst', sagte Jason.
'Ich gehe', wiederholte Horst. 'Aber ich nehme Ronaldo mit.'
Er ging mit Ronaldo die Treppe hinunter. Draußen war die Straße belebt, normale
Menschen, normale Autos, normaler Lärm. Auf der anderen Straßenseite stand Sandra, eine
Frau in den Vierzigern, die Horst aus Band 1 kannte, die er nie ganz eingeschätzt hatte.
Sie winkte ihm zu. Er überquerte die Straße. Ronaldo blieb auf der anderen Seite,
beobachtete.
'Sandra', sagte Horst. 'Was ist?'
Sandra schaute ihn an, und in ihrem Blick war etwas, das er nicht sofort einordnen konnte.
Dann sagte sie: 'Es tut mir leid, Horst.'
Und dann kamen die Männer.
Sie kamen von beiden Seiten, schnell und professionell. Horst versuchte, sich zu wehren,
aber es waren zu viele, und sie hatten Gas, dasselbe Gas, das im Auto verwendet worden
war. Er sah noch, wie Ronaldo auf der anderen Straßenseite reagierte, wie er auf die Männer
zuging, wie er kämpfte, wie er gut kämpfte, sehr gut, aber es waren zu viele, auch für
Ronaldo.
Das Letzte, was Horst sah, bevor er das Bewusstsein verlor, war Sandras Gesicht. Sie
schaute weg.
Kapitel 21: Die Lage
Als Jason und die anderen merkten, dass Horst nicht zurückkam, reagierten sie sofort.
Haaland stürmte die Treppe hinunter, Messi und Neymar hinter ihm. Suárez blieb oben, um
Paul zu schützen, der die wichtigste Ressource war.
Auf der Straße fanden sie nichts. Keine Männer, keine Sandra, kein Horst, kein Ronaldo. Nur
die normale Straße, die normalen Menschen, die normalen Autos.
Jason rief Ronaldo an. Keine Antwort. Er rief Horst an. Keine Antwort.
Er ging zurück nach oben. Sein Gesicht war sehr ruhig, was bedeutete, dass er sehr wütend
war. 'Nick hat Horst', sagte er. 'Und Ronaldo.'
Paul tippte bereits. 'Ich weiß. Sandra hat ihn in eine Falle gelockt.' Er schaute auf den
Bildschirm. 'Sie hat ihr Handy noch. Ich kann sie orten.' Eine kurze Pause. 'Das Lagerhaus.
Dasselbe Lagerhaus.'
'Dann sind alle dort', sagte Haaland.
'Wahrscheinlich', sagte Paluten. Er schaute in die Runde. 'Das war der Plan. Alle auf einmal,
an einem Ort, damit wir kommen müssen. Damit wir keine Wahl haben.'
'Wir haben eine Wahl', sagte Jason. 'Wir können die Polizei rufen.'
'Wir haben keine Beweise', sagte Dr. Wagner, der die ganze Zeit still in einer Ecke gesessen
hatte. 'Nicht genug für einen Durchsuchungsbefehl. Nicht in dieser Zeit.'
'Dann gehen wir selbst', sagte Messi. Er stand auf, ruhig und entschlossen, wie er immer
war. 'Wir gehen, wir holen sie raus, und wir bringen Beweise mit.'
Jason schaute ihn an. Dann schaute er Paluten an. Dann schaute er Suárez an, der immer
noch am Fenster stand.
'Gut', sagte Jason. 'Dann planen wir.'