Band 2 · Staffel 6 · Teil 22.515 Wörter · ~13 Min.

Teil 2: Getrennt

Lilith trennt die Gruppe. Klopf-Codes durch Wände. Gemeinsame Träume als Planungsbasis.

Teil 2 von 6 · ~13 Minuten Lesezeit

Band 2 – Staffel 6: Staffel 6: Die Roboter

einfachen Riegel hatte. Thomas schob den Riegel zurück. Die Tür öffnete sich in die Nacht.

Kalte Luft traf sie wie ein Schlag. Horst atmete tief ein und ließ die Luft langsam wieder

heraus.

„Laufen", sagte er.

Sie liefen.

Die Orientierungslosigkeit traf sie erst, als das Gebäude hinter ihnen verschwunden war. Sie

befanden sich in einer Industrieanlage – verlassene Hallen, rostige Zäune, unbefestigte

Wege, die in alle Richtungen führten. Kein Schild. Keine erkennbaren Orientierungspunkte.

Der Himmel war bewölkt, kein Stern sichtbar.

„Wo sind wir?", fragte Leon.

„Keine Ahnung", sagte Paul. „Aber weg von dort ist schon mal gut."

Sie liefen weiter, ohne Richtung, nur weg. Die Angst trieb sie an – nicht die Angst vor Lilith

oder den Robotern, sondern die tiefere, primitivere Angst vor dem Unbekannten, vor dem

Verloren-Sein. Esther stolperte einmal und wäre gefallen, wenn Rafael sie nicht aufgefangen

hätte. Jason hielt sich die Seite, wo eine Rippe gebrochen sein könnte. Maria lief

schweigend, ihr Gesicht ausdruckslos.

Horst lief an der Spitze und versuchte, einen Gedanken festzuhalten: Irgendwo gibt es eine

Straße. Irgendwo gibt es ein Licht.

Er fand beides nach zwanzig Minuten.

Eine Landstraße, kaum befahren, aber vorhanden. Und in der Ferne, kaum sichtbar, das

Leuchten einer Tankstelle.

„Dort", sagte er.

Sie gingen auf das Licht zu.

Die Tankstelle war klein und halb verlassen. Ein alter Mann saß hinter der Theke und sah sie

kommen – neun Menschen, zerlumpt und verletzt, mit Blut auf den Kleidern und

Erschöpfung in den Augen. Er sagte nichts. Er stand auf, ging in den hinteren Raum, und

kam mit einem Erste-Hilfe-Kasten und einer Flasche Wasser zurück.

„Setzt euch", sagte er.

Sie setzten sich.

Horst sah den Mann an. „Danke."

Der Mann nickte. „Ich frage nicht, was passiert ist. Aber ihr braucht einen Arzt."

„Wir brauchen Zeit", sagte Horst. „Und einen Ort, wo wir sicher sind."

Der Mann dachte einen Moment nach. Dann: „Mein Bruder hat eine Scheune. Fünf

Kilometer von hier. Er fragt nicht viel."

Es war kein perfekter Plan. Es war kein Plan überhaupt. Aber es war ein Anfang.

Sie verbrachten die nächsten drei Tage in der Scheune. Sie schliefen, aßen, verbanden ihre

Wunden. Thomas reparierte, was er konnte – Verbände, provisorische Schienen für Jasons

mögliche Rippe, eine Notlösung für Rafaels verstauchtes Handgelenk. Esther saß

stundenlang still und schrieb in ein kleines Notizbuch, das sie irgendwo gefunden hatte.

Und sie planten.

Horst sprach wenig. Er hörte zu, wenn die anderen redeten, und dachte nach. Er dachte an

Viktor, der irgendwo da draußen war. An Sandra und Kevin. An Lilith, die sie gefangen

gehalten hatte und die irgendwo nach ihnen suchte. An den unbekannten Mann mit der

tiefen Stimme, von dem Paul berichtet hatte.

Er dachte an Alex.

Am dritten Abend, als die anderen schliefen, saß er allein vor der Scheune und sah in den

Himmel. Die Wolken hatten sich aufgelöst. Die Sterne waren sichtbar.

Leon setzte sich neben ihn. Er sagte lange nichts.

„Du denkst an ihn", sagte Leon schließlich.

Horst nickte.

„Er ist noch da", sagte Leon. „Ich meine das nicht metaphorisch. Er ist noch da, weil wir

noch da sind."

Horst sah ihn an. Leon war siebzehn Jahre alt und sprach manchmal wie jemand, der viel

älter war. Horst wusste nicht, ob das ein Zeichen von Stärke oder von zu viel Schmerz war.

„Wir müssen einen Plan machen", sagte Horst.

„Ich weiß."

„Einen richtigen. Keinen, der auf der Hoffnung basiert, dass die anderen Fehler machen."

„Ich weiß." Leon sah ihn an. „Was brauchst du?"

„Informationen. Über Viktor. Über Sandra. Über den Mann, den Paul gehört hat."

„Und über Lilith?"

Horst zögerte. „Ja. Auch über Lilith."

Leon nickte langsam. „Dann fangen wir morgen an."

Sie saßen noch eine Weile in der Stille, bevor sie zurück in die Scheune gingen.

Teil 6.4 – Im Verborgenen

Während die Helden in der Scheune Kräfte sammelten, war die Welt da draußen nicht

stillgestanden.

Sandra Meinert – die Ex-Frau von Kaiser Horst, die Mutter von Leon und Stiefmutter von

Kevin – saß in einem Apartment in einer Stadt, die sie nicht nennen würde, und starrte auf

einen Bildschirm. Auf dem Bildschirm lief ein Video. Es zeigte Horst, wie er einen Mann

niederschlug. Das Video war ein Deepfake – gut gemacht, aber nicht perfekt. Sandra wusste

das. Sie hatte Kevin dabei geholfen, es zu produzieren.

Aber jetzt, in der Stille des Apartments, fragte sie sich, ob das ein Fehler gewesen war.

Sie dachte an Leon. Ihren Sohn. Der auf der anderen Seite stand – auf Horsts Seite, nicht auf

ihrer. Sie hatte versucht, ihn zu verstehen, und war gescheitert. Sie hatte versucht, ihn zu

manipulieren, und war gescheitert. Sie hatte versucht, ihn zu vergessen, und war

gescheitert.

Kevin trat ins Zimmer. Er trug seine Kopfhörer um den Hals – er nahm sie nie ganz ab, nur

wenn er redete – und sah sie mit einem Blick an, der schwer zu lesen war.

„Du denkst wieder an ihn", sagte er.

„An wen?"

„An Leon." Kevin setzte sich ihr gegenüber. „Du solltest aufhören."

„Er ist mein Sohn."

„Er hat sich entschieden." Kevins Stimme war ruhig, aber darunter lag etwas Härteres. „Er

hat sich für Horst entschieden. Nicht für dich."

Sandra schwieg.

Kevin lehnte sich vor. „Ich habe einen Plan. Einen, der funktioniert. Aber ich brauche dich

dabei. Vollständig. Nicht halb."

„Was für ein Plan?"

Kevin sah sie einen Moment an. Dann: „Leon ist Horsts Schwachstelle. Wenn wir Leon

haben, haben wir Horst."

Sandra schluckte. „Du meinst, ihn töten."

„Ich meine, ihn benutzen." Kevin stand auf. „Aber wenn es nötig wird, dann ja."

Er verließ den Raum. Sandra blieb sitzen und sah auf den Bildschirm, auf dem das

Deepfake-Video noch immer lief. Horsts Gesicht. Horsts Hände. Eine Lüge, die wie die

Wahrheit aussah.

Sie dachte an das, was Kevin gesagt hatte. Sie dachte an Leon.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit fragte sie sich, ob sie auf der richtigen Seite stand.

Gleichzeitig, in einem anderen Teil der Stadt, trafen sich Viktor Lustig und ein Mann, den die

meisten nur als „den Doktor" kannten.

Viktor war groß und breit, mit einem Gesicht, das Jahrzehnte der Gewalt trug. Er saß an

einem Tisch in einem Hinterzimmer und sah den Doktor an, der ihm gegenübersaß und

Nicks Akte durchblätterte.

„Es ist möglich", sagte der Doktor schließlich.

„Wie lange?"

„Schwer zu sagen. Das Medikament ist experimentell. Es wurde nie an einem Menschen

getestet."

„Aber es funktioniert?"

Der Doktor zögerte. „In der Theorie. Die Verbindungen im Gehirn, die durch den

Herzstillstand unterbrochen wurden, können unter bestimmten Bedingungen reaktiviert

werden. Wenn die Körpertemperatur schnell genug gesenkt wurde, wenn die Zellen nicht

zu stark geschädigt sind..."

„Nick wurde sofort nach dem Angriff in die Kühlung gebracht", sagte Viktor. „Ich habe dafür

gesorgt."

„Dann ist es möglich." Der Doktor schloss die Akte. „Aber ich muss Sie warnen: Wenn es

funktioniert, wird er nicht derselbe sein. Das Gehirn verändert sich. Die Persönlichkeit kann

sich verschieben."

Viktor lächelte. Es war kein freundliches Lächeln. „Das ist mir egal. Ich will Nick zurück. Was

danach mit ihm ist, ist eine andere Frage."

Der Doktor nickte langsam. „Dann beginnen wir."

Lilith saß in einem leeren Raum und dachte nach.

Sie hatte die Helden verloren. Das war eine Tatsache, die sie akzeptieren musste. Neun

Menschen, alle gefangen, alle überwacht – und trotzdem verschwunden. Jemand hatte

ihnen geholfen. Jemand von innen, oder jemand mit Wissen über das Gebäude.

Sie dachte an die Möglichkeiten. Dann dachte sie an Leon.

Er hatte keine Angst gehabt. Das hatte sie fasziniert. Und jetzt fragte sie sich, ob diese

Faszination ein Fehler gewesen war – ob sie ihn deswegen zu lange am Leben gelassen

hatte, zu lange beobachtet hatte, anstatt zu handeln.

Sie würde diesen Fehler nicht wiederholen.

Sie öffnete ihr Telefon und schrieb eine Nachricht. Kurz, präzise. Drei Wörter.

Findet sie alle.

Teil 6.5 – Die Vorbereitung

Die Scheune war kein guter Ort für Pläne. Sie war zu eng, zu dunkel, zu sehr nach Versteck.

Aber sie hatten nichts Besseres.

Horst hatte die Gruppe in zwei Teile aufgeteilt. Die einen – Jason, Thomas und Rafael –

kümmerten sich um Informationen. Sie hatten über den alten Mann an der Tankstelle

Kontakt zu jemandem aufgenommen, der Zugang zu Nachrichtenkanälen hatte. Die

anderen – Paul, Maria, Esther und Leon – arbeiteten an einem Plan.

Horst selbst saß in der Mitte und hörte beiden Gruppen zu.

„Viktor ist in der Stadt", sagte Rafael am zweiten Tag. „Er hat sich mit jemandem getroffen.

Wir wissen nicht, wer das ist."

„Der Doktor", sagte Paul. „Ich habe den Namen in Liliths Gespräch gehört. Jemand, der

medizinische Experimente macht."

„Experimente an wem?"

Paul sah Horst an. „An Nick."

Stille.

„Nick ist tot", sagte Jason.

„Vielleicht nicht mehr lange", sagte Paul. Er erklärte, was er gehört hatte. Die Kühlung. Das

experimentelle Medikament. Die Möglichkeit, dass Viktor Nick zurückbringen wollte.

Horst saß still und ließ die Worte auf sich wirken. Nick. Wieder. Nach allem, was passiert

war.

„Wenn das stimmt", sagte er schließlich, „dann haben wir weniger Zeit, als ich dachte."

„Wir müssen handeln", sagte Leon. „Bevor Nick zurückkommt. Bevor Viktor das schafft, was

er plant."

„Aber wie?", fragte Maria. „Wir sind neun Menschen ohne Ressourcen, ohne Waffen, ohne

Unterstützung. Gegen Viktor, Lilith, Sandra, Kevin, Stichzicke, Erdnusszicke und wer weiß

wen noch."

„Wir brauchen Verbündete", sagte Esther. Sie hatte kaum gesprochen seit ihrer Befreiung,

aber wenn sie sprach, hörten alle zu. „Nicht Kämpfer. Informationen. Menschen, die wissen,

was Viktor plant."

„Woher bekommen wir die?"

Esther sah Horst an. „Ich kenne jemanden. Jemanden, der Viktor kennt. Jemanden, der

schon länger beobachtet, was passiert."

„Wer?"

„Mein Vater."

Stille. Dann: „Dein Vater?"

„Er war früher Polizist. Er ist nicht mehr im Dienst, aber er hat Kontakte. Und er weiß Dinge,

die wir nicht wissen." Sie zögerte. „Ich habe ihn seit zwei Jahren nicht gesehen. Aber ich

glaube, er würde helfen."

Horst sah sie an. Er kannte Esther noch nicht gut genug, um ihr blind zu vertrauen. Aber er

kannte die Art, wie sie sprach – ruhig, präzise, ohne Übertreibung. Sie log nicht.

„Ruf ihn an", sagte er.

Stichzicke und Erdnusszicke hatten unterdessen ihren eigenen Plan umgesetzt.

Sie arbeiteten nicht für Viktor. Sie arbeiteten nicht für Lilith. Sie arbeiteten für sich selbst –

oder genauer gesagt, für ein Ziel, das sie schon lange verfolgt hatten: die vollständige

Zerstörung von allem, was Horst aufgebaut hatte.

Sie hatten die Wohnungen bereits zerstört. Das war einfach gewesen. Zu einfach, fast.

Schlösser aufgebrochen, Türen eingetreten, alles, was persönlich war, zertrümmert oder

verbrannt. Fotos. Möbel. Erinnerungen.

Aber das reichte ihnen nicht.

„Die Polizei", sagte Stichzicke. Sie saßen in einem Fahrzeug und beobachteten einen

Polizeipräsidium. „Wenn wir die Polizei auf unserer Seite haben, können wir alles

kontrollieren."

„Die Polizei ist nicht auf unserer Seite", sagte Erdnusszicke.

„Noch nicht."

Was sie planten, war nicht neu. Gehirnwäsche – das Wort klang dramatisch, aber die

Methode war simpel: Desinformation, gezielte Manipulation, falsche Beweise. Wenn genug

Polizisten in genug europäischen Ländern glaubten, dass Horst und seine Freunde

Kriminelle waren, würde jede Behörde gegen sie arbeiten.

Vier Jahre. Das war ihr Zeitplan. Vier Jahre, in denen die Polizei in Europa systematisch mit

falschen Informationen gefüttert werden würde.

„Das ist zu langsam", sagte Erdnusszicke.

„Es ist gründlich", sagte Stichzicke. „Und gründlich ist besser als schnell."

Sie begannen mit dem ersten Schritt.

Horst erfuhr von Stichzickes und Erdnusszickes Plan erst, als es zu spät war, ihn zu

verhindern.

Esthers Vater – ein Mann namens Heinrich, der in einem kleinen Haus am Stadtrand lebte

und aussah wie jemand, der schon zu viel gesehen hatte – empfing sie ohne Überraschung.

Als hätte er gewusst, dass sie kommen würden.

„Ich habe euch erwartet", sagte er. „Nicht heute. Aber irgendwann."

Er führte sie in sein Wohnzimmer, das halb Büro war – Akten auf dem Tisch, Karten an der

Wand, ein Computer, der nie ausgeschaltet zu sein schien. Er setzte sich und sah Horst an.

„Ich kenne Viktor Lustig seit zwanzig Jahren", sagte er. „Ich habe versucht, ihn

einzusperren. Zweimal. Beide Male ist er entkommen." Er machte eine Pause. „Ich weiß,

was er plant. Ich weiß auch, was Stichzicke und Erdnusszicke tun."

„Was tun sie?"

Heinrich stand auf und zeigte auf eine Karte an der Wand. Darauf waren Punkte markiert –

Städte in Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, Italien. „Sie haben bereits begonnen.

Falsche Berichte. Gefälschte Beweise. In drei Ländern gibt es bereits Haftbefehle gegen

euch."

Horst schluckte. „Gegen uns alle?"

„Gegen euch alle." Heinrich sah ihn an. „Ihr habt nicht mehr viel Zeit, bevor ihr nicht mehr

frei durch Europa reisen könnt."

„Was können wir tun?"

Heinrich setzte sich wieder. „Es gibt einen Weg. Aber er ist nicht einfach."

Er erklärte es ihnen. Es dauerte eine Stunde. Als er fertig war, war der Raum still.

„Das ist riskant", sagte Paul.

„Ja", sagte Heinrich.

„Sehr riskant", sagte Jason.

„Ja."

„Aber es ist der einzige Weg", sagte Horst.

Heinrich nickte. „Ja."

Teil 6.6 – Alex

Der Tag, an dem alles sich veränderte, begann wie die meisten schlechten Tage: unauffällig.

Sie hatten Heinrichs Plan akzeptiert und sich auf den Weg gemacht. Ziel war ein Treffen mit

Sandra – nicht um zu kämpfen, sondern um zu reden. Heinrich hatte Kontakt

aufgenommen, hatte ihr gesagt, dass es eine Möglichkeit gab, aus allem herauszukommen.

Sandra hatte zugestimmt, sich zu treffen.

Horst hatte gezögert. Er kannte Sandra. Er wusste, dass sie unberechenbar war. Aber

Heinrich hatte darauf bestanden, dass es die beste Chance war.

Sie trafen sich in einem Park, der zu dieser Tageszeit fast leer war. Sandra kam allein –

zumindest schien es so. Sie sah müde aus, älter als Horst sie in Erinnerung hatte. Sie sah

Leon an, und für einen Moment war ihr Gesicht offen, verletzlich.

„Leon", sagte sie.

„Mutter", sagte Leon. Sein Ton war neutral, aber Horst sah, wie sich seine Hände zu Fäusten

ballten.

Sandra wandte sich an Horst. „Heinrich sagt, es gibt einen Weg."

„Ja", sagte Horst. „Wenn du uns hilfst."

„Womit?"

„Mit Kevin. Mit dem, was er plant."

Sandra schwieg. Horst sah, wie sie kämpfte – mit sich selbst, mit einer Entscheidung, die sie

schon länger vor sich herschob.

Dann geschah es.

Kevin trat aus dem Gebüsch hervor. Er war nicht allein – zwei Männer standen hinter ihm,

und einer von ihnen hielt eine Waffe. Kevin sah seine Mutter an, und sein Gesicht war kalt.

„Ich wusste, dass du schwach bist", sagte er zu Sandra.

„Kevin—"

„Nein." Er hob die Hand. „Ich habe dir eine Chance gegeben. Du hast sie nicht genutzt."

Er wandte sich an den Mann mit der Waffe und nickte.

Die Waffe richtete sich auf Leon.

Was dann passierte, geschah in Sekunden, aber Horst würde es für den Rest seines Lebens

in Zeitlupe sehen.

Alex – der immer ruhige, immer bedachte Alex – bewegte sich. Er war schneller als Horst je

gedacht hätte. Er warf sich zwischen Leon und die Waffe, und der Schuss, der für Leon

bestimmt war, traf ihn.

Alex fiel.

Leon schrie.

Horst war bereits in Bewegung, aber es war zu spät. Kevin und seine Männer flohen. Sandra

stand wie erstarrt. Leon kniete neben Alex, hielt seine Hand, rief seinen Namen.

Horst kniete sich neben Alex. Er sah in sein Gesicht – ruhig, auch jetzt noch ruhig – und

wusste, bevor er die Wunde sah, was es bedeutete.