Was dann geschah, war so schnell, dass niemand reagieren konnte.
Nick stand in der Mitte der Halle und schaute sie an. Er schaute jeden einzeln an — das Superhelden-Team, die Gruppe aus der Hauptwelt. Sein Blick war ruhig, fast gelangweilt, wie jemand, der ein Spiel spielt, das er schon tausendmal gespielt hat und dessen Ausgang er kennt.
„Ihr habt einen Plan", sagte Nick. Es war keine Frage.
„Ja", sagte Horst.
„Einen Hitzestrahler." Nick schaute auf Moritz. „Clever. Ich habe eure Kommunikation abgehört, seit ihr das Lagergebäude betreten habt. Ich wusste, was ihr plant."
Moritz erstarrte. Horst erstarrte. Die anderen erstarrten.
Nick lächelte. „Aber es spielt keine Rolle. Ihr kommt nicht nah genug heran."
Er öffnete den Mund — und atmete aus.
Aber es war kein normaler Atemzug. Aus seinem Mund strömte etwas Schwarzes, etwas, das wie Rauch aussah, aber dichter war, schwerer, mit einer Eigenbewegung, als wäre es lebendig. Es hatte keine definierte Form — es breitete sich aus wie Tinte in Wasser, aber schneller, mit einer Zielstrebigkeit, die nichts mit Zufall zu tun hatte. Es suchte. Es folgte Atemzügen, Wärme, dem Geruch von Lungen.
Die schwarze Masse breitete sich in Sekundenbruchteilen durch die Halle aus. Sie bewegte sich nicht gleichmäßig in alle Richtungen — sie suchte Wege, fand Spalten, folgte Luftströmungen. Sie war nicht dumm. Sie war nicht zufällig. Sie war eine Waffe, und sie kannte ihr Ziel.
Und sie fand Alex aus der Hauptwelt.
Er stand am nächsten an Nick — er hatte einen Schritt nach vorne gemacht, instinktiv, weil er das Gerät in der Hand hielt und versucht hatte, das Portal zu schließen. Er war drei Meter von Nick entfernt, als die Masse ihn erreichte. Drei Meter. Eine Entfernung, die man in einer Sekunde überbrückt. Eine Entfernung, die in diesem Moment wie eine Ewigkeit und wie ein Nichts gleichzeitig war.
Alex hustete. Einmal, scharf, überrascht. Dann noch einmal, tiefer, als käme der Husten aus einer anderen Stelle als normal — nicht aus dem Hals, sondern aus der Mitte der Brust, aus einem Ort, der nicht husten sollte. Er ließ das Gerät fallen. Es schlug auf dem Betonboden auf und rutschte weg. Seine Hände griffen an seine Brust, die Finger gespreizt, als könnte er den Schmerz von außen greifen und herausziehen.
„Alex!", rief Maria.
Aber Alex sackte bereits zusammen. Er fiel nicht — er sank, langsam, als würden seine Beine die Entscheidung treffen, bevor sein Kopf es verstand. Er sank auf die Knie, dann nach vorne, und Maria war bei ihm, bevor er den Boden berührte. Sie fing ihn auf, kniete neben ihm, hielt seinen Kopf.
Die schwarze Masse hatte seine Lungen erreicht. Die modifizierten Proteine banden sich sofort an das Lungengewebe und zerstörten es. Es war keine langsame Vergiftung, kein schleichendes Gift, das Zeit ließ, um zu reagieren oder zu kämpfen. Es war sofortig, brutal, endgültig. Wie eine Flamme, die Papier berührt.
Alex aus der Hauptwelt starb in Marias Armen, bevor irgendjemand etwas tun konnte.
Sein letzter Atemzug war ein leises Ausatmen, fast friedlich, als würde er einschlafen. Dann war er still.
Maria hielt ihn und schaute auf sein Gesicht. Ihre Augen waren trocken — nicht weil sie nicht trauerte, sondern weil der Schock noch nicht zugelassen hatte, dass die Trauer ankam. Der Schock war ein Schutzwall, und hinter dem Schutzwall wartete etwas, das sie noch nicht verarbeiten konnte.
Die schwarze Masse bewegte sich weiter. Sie suchte neue Ziele.