Kapitel 15: Stärken und Schwächen

Sie verbrachten die nächste Stunde damit, einen Plan zu entwickeln.

Horst führte das Gespräch — nicht weil er die stärkste Person im Raum war, sondern weil er mehr Erfahrung mit Nick hatte als irgendjemand sonst. Er kannte Nicks Muster, seine Denkweise, seine Fehler. Und Nick hatte Fehler. Jeder hatte Fehler.

„Nick hat eine Schwäche", sagte Horst. Er stand am Tisch und schaute auf die Karte der Stadt. „Er ist brilliant, aber er überschätzt sich. Er glaubt immer, dass er alle Variablen kontrolliert. Er plant perfekt, und weil er perfekt plant, geht er davon aus, dass der Plan perfekt funktioniert. Wenn wir eine Variable einführen, die er nicht vorhergesehen hat, macht er Fehler."

„Was für eine Variable?", fragte Sawo.

„Euch." Horst schaute das Superhelden-Team an — Tim, Moritz, Sawo, Ziegelstein und den Parallelwelt-Alex. „In unserer Welt hat Nick nie gegen Superhelden gekämpft. Er kennt eure Fähigkeiten nicht. Er hat sie vielleicht beobachtet, vielleicht Berichte gelesen, aber er hat nie gegen sie gekämpft. Das ist unser Vorteil. Das ist die Variable, die er nicht vollständig einkalkulieren kann."

„Aber er kennt die schwarze Masse", sagte Tim. „Und wir nicht."

„Moritz arbeitet daran", sagte Horst. „Bis er fertig ist, müssen wir Nick beschäftigen. Ihn ablenken. Ihn daran hindern, mehr Masse freizusetzen."

„Wie hält man jemanden auf, der eine biologische Waffe in sich trägt?", fragte Jason.

„Man kommt ihm nicht zu nahe", sagte Ziegelstein. Er hatte die entspannte Haltung aufgegeben und stand jetzt aufrecht, die Augen scharf. „Ich kann mit meiner Geschwindigkeit um ihn herummanövrieren, ohne in Reichweite der Masse zu kommen. Die Masse hat eine Reichweite von etwa drei Metern — ich kann in einem Meter Abstand agieren, wenn ich schnell genug bin."

„Und ich kann ihn mit Telekinese auf Distanz halten", sagte der Parallelwelt-Alex. „Ich muss ihn nicht berühren. Ich kann ihn bewegen, ohne in seine Nähe zu kommen."

„Gut." Horst nickte. „Dann ist der Plan: Tim hält uns unsichtbar, während wir Nick orten. Ziegelstein und der Parallelwelt-Alex halten ihn beschäftigt. Sawo schützt die Gruppe. Paul, Maria und ich koordinieren von außen. Und Moritz findet das Gegenmittel."

„Was ist mit Jason?", fragte Jason.

„Du bist bei mir", sagte Horst. „Du bist immer bei mir."

Jason nickte. Es war keine große Geste — aber es war genug.

Sie schauten sich alle an — zwei Gruppen, zwei Welten, ein Ziel. In diesem Moment, in diesem verlassenen Lagergebäude, mit dem Energiefeld, das sie schützte, und dem Körper von Alex, der in der Ecke lag, waren sie eine Einheit. Nicht weil sie sich kannten. Sondern weil sie dasselbe wollten.

Sawo räusperte sich. „Ich habe noch eine Frage."

„Ja?", sagte Horst.

„Nick — er hat zwölf Verbündete, hat Tim gesagt. Wer sind die?"

„Söldner, wahrscheinlich", sagte Paul. Er schaute auf seine Notizen. „Nick hat immer mit Söldnern gearbeitet. Menschen, die er bezahlt, nicht überzeugt. Das bedeutet, dass sie kämpfen, solange es sich lohnt — aber wenn Nick fällt, wenn die Situation sich wendet, werden sie nicht für ihn sterben."

„Das ist ein Vorteil", sagte Tim.

„Ja." Paul nickte. „Söldner sind gefährlich, aber berechenbar. Sie haben eine Grenze, an der sie aufhören. Überzeugungstäter haben diese Grenze nicht."

„Und Nick selbst?", fragte Ziegelstein.

„Nick ist ein Überzeugungstäter", sagte Horst. „Er glaubt an das, was er tut. Das macht ihn gefährlicher als die Söldner — aber auch vorhersehbarer. Er wird nicht fliehen. Er wird kämpfen, bis er nicht mehr kann."

„Dann müssen wir ihn schnell außer Gefecht setzen", sagte der Parallelwelt-Alex. „Bevor er die Masse erneut einsetzen kann."

„Genau." Horst schaute Moritz an. „Deshalb ist das Gegenmittel so wichtig. Nicht nur für die Infizierten — sondern um Nick selbst zu neutralisieren."

Moritz stand auf. „Dann sollte ich anfangen."

Er ging in seine Ecke. Die anderen schauten ihm nach.

„Er wird es schaffen", sagte der Parallelwelt-Alex leise.

„Ich weiß", sagte Horst.

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