Sie begruben Alex aus der Hauptwelt in der Parallelwelt.
Es gab keinen anderen Ort — sie konnten seinen Körper nicht durch das Portal bringen, und in der Hauptwelt lebte er noch. Es war eine seltsame, schmerzhafte Situation, die keine einfache Lösung hatte: einen Menschen zu beerdigen, der gleichzeitig lebte. Eine Version zu beerdigen, während die andere weiterging.
Der Parallelwelt-Alex hatte einen Platz gefunden — einen kleinen Park am Rand des Industriegebiets, der in dieser Parallelwelt als Gedenkstätte für die Opfer vergangener Krisen genutzt wurde. Unter einem alten Baum, dessen Blätter im Morgenwind raschelten.
Sie standen alle dort: Horst, Jason, Paul, Maria, das Superhelden-Team. Niemand sprach lange. Es gab nicht viel zu sagen, das die Situation hätte besser machen können.
Horst sprach zuerst. „Alex war jemand, der immer einen Schritt nach vorne gemacht hat. Nicht weil er keine Angst hatte — er hatte Angst, wie wir alle. Sondern weil er wusste, dass der Schritt nach vorne wichtiger war als die Angst. Er hat uns hierher gebracht. Er hat das Portal geöffnet. Und er ist gestorben, weil er versucht hat, es zu schließen, um uns zu schützen." Er schluckte. „Das war Alex. Das wird immer Alex sein."
Der Parallelwelt-Alex stand lange am Grab, nachdem die anderen zurückgetreten waren. Er schaute auf den Grabstein — einfach, ohne viele Worte, nur ein Name und ein Datum.
„Er war ich", sagte er schließlich. „Aber er war auch jemand anderes. Er hat Dinge erlebt, die ich nie erlebt habe. Er hat Freunde gehabt, die ich nie hatte. Er hat eine Geschichte gelebt, die ich nie kannte." Er schaute Horst an. „Er war glücklich, oder?"
„Ja", sagte Horst. „Er war glücklich."
Der Parallelwelt-Alex nickte. „Das ist genug."
Er legte eine Hand auf den Grabstein. Eine kurze Geste, fast beiläufig. Dann drehte er sich um.
Horst war noch da. Die anderen waren ein paar Schritte zurückgetreten, um den beiden Raum zu geben.
„Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll", sagte der Parallelwelt-Alex. Er sprach leise, ohne Horst anzuschauen, den Blick auf den Grabstein gerichtet. „Ich habe Menschen verloren. Wir alle haben Menschen verloren. Aber das hier ist anders. Das ist... ich selbst. Eine Version von mir. Und ich weiß nicht, ob ich trauern soll oder ob das seltsam ist."
„Es ist nicht seltsam", sagte Horst.
„Nein?"
„Nein." Horst trat neben ihn. „Trauer ist Trauer. Es spielt keine Rolle, wie die Verbindung aussieht. Es spielt keine Rolle, ob es eine andere Version von dir ist oder ein Fremder. Wenn jemand stirbt, der dir wichtig war — auf welche Art auch immer — dann darfst du trauern."
Der Parallelwelt-Alex schwieg einen Moment. „Er war mir wichtig", sagte er schließlich. „Obwohl ich ihn kaum kannte. Obwohl wir nur ein paar Stunden zusammen waren."
„Manchmal reicht das."
„Ja." Der Parallelwelt-Alex schaute auf den Grabstein. „Manchmal reicht das."
Sie standen eine Weile nebeneinander, ohne zu sprechen. Der Morgenwind bewegte die Blätter des alten Baums. Irgendwo in der Stadt begann das Leben wieder — Fahrzeuge, die durch die Luft glitten, Menschen, die zur Arbeit gingen, eine Welt, die nicht wusste, wie nah sie dem Ende gewesen war.
„Er hat es gewusst", sagte Horst schließlich. „Er hat gewusst, dass es gefährlich war. Er hat das Portal geöffnet, obwohl er wusste, dass Nick folgen könnte. Er hat es trotzdem getan."
„Warum?"
„Weil er neugierig war." Horst lächelte leicht. „Das war das Wichtigste an Alex. Er war immer neugierig. Auf alles. Auf jede neue Entdeckung, jede neue Möglichkeit, jede neue Welt." Er schaute auf den Grabstein. „Er hat die Parallelwelt gesehen. Er hat euch kennengelernt. Er hat etwas erlebt, das kein anderer Mensch in unserer Welt erlebt hat. Das war sein letztes Abenteuer."
Der Parallelwelt-Alex nickte langsam. „Das klingt wie er."
„Ja." Horst trat einen Schritt zurück. „Das klingt wie er."
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