Zehn Minuten.
Zehn Minuten, um sich auf jemanden vorzubereiten, den Horst sieben Staffeln lang bekämpft hatte. Zehn Minuten, um einem Team, das Nick nicht kannte, zu erklären, wer er war und was er konnte. Zehn Minuten, um einen Plan zu entwickeln, der funktionieren musste, weil es keine zweite Chance gab.
Horst sprach schnell. Er sprach über Nick — nicht über die Geschichte, nicht über die Staffeln, nicht über alles, was passiert war. Er sprach über das Wichtigste: Nicks Denkweise, seine Schwächen, seine Fehler.
„Er überschätzt sich", sagte Horst. „Das ist sein größter Fehler. Er glaubt, dass er alle Variablen kontrolliert. Er plant perfekt, und weil er perfekt plant, geht er davon aus, dass der Plan perfekt funktioniert. Wenn wir eine Variable einführen, die er nicht vorhergesehen hat, macht er Fehler."
„Was für eine Variable?", fragte der Parallelwelt-Alex.
„Ihr." Horst schaute das Superhelden-Team an. „In unserer Welt hat Nick nie gegen Superhelden gekämpft. Er kennt eure Fähigkeiten nicht. Das ist unser Vorteil."
„Und die schwarze Masse?", fragte Tim.
„Bleibt auf Abstand. Drei Meter Mindestabstand. Die Masse hat eine begrenzte Reichweite — sie braucht direkten Kontakt mit der Lunge. Wenn ihr Abstand haltet, seid ihr sicher."
„Ich kann nicht infiziert werden", sagte Sawo.
„Das wissen wir. Du bist unser Schutzschild, wenn es nötig ist."
„Und die Zivilisten?", fragte Moritz. Er hatte nicht aufgehört zu tippen. „Das Industriegebiet ist verlassen, aber die Stadt ist nicht weit. Wenn Nick die Masse in der Luft verteilt—"
„Das ist das größte Risiko", sagte Horst. „Wir müssen ihn aufhalten, bevor er die Masse außerhalb des Industriegebiets freisetzen kann."
„Ich kann das Gebiet abriegeln", sagte Moritz. Er zeigte auf sein Tablet. „Die Lüftungssysteme der Stadt haben Notfallventile. Wenn ich sie aktiviere, kann ich den Luftstrom aus dem Industriegebiet heraus blockieren. Die Masse kann sich nicht über das Gebiet hinaus ausbreiten."
„Wie lange hält das?"
„Zwei Stunden. Vielleicht drei."
„Das muss reichen." Horst schaute auf die Uhr. „Wir haben noch sieben Minuten."
Alex aus der Hauptwelt stand auf. Er hatte die ganze Zeit still gesessen, das Gerät in der Hand, die Zahlen auf dem Bildschirm beobachtend. Jetzt schaute er auf.
„Ich gehe mit", sagte er.
„Nein", sagte Horst.
„Horst—"
„Nein." Horst schaute ihn an. „Du bist der Einzige, der das Portal bedienen kann. Wenn wir scheitern, wenn Nick gewinnt, wenn wir nicht zurückkommen — du musst das Portal schließen. Du musst sicherstellen, dass Nick nicht in unsere Welt zurückkommt. Das ist deine Aufgabe."
Alex schaute ihn an. Er wollte widersprechen — Horst sah es in seinem Gesicht, in der Art, wie er die Lippen zusammenpresste, in der Spannung in seinen Schultern. Aber er widersprach nicht.
„Gut", sagte er schließlich.
„Gut." Horst schaute die Gruppe an. „Dann gehen wir."