Staffel 1: Der Anfang vom Ende· Kapitel 22 von 59

Kapitel 19: Die Rückkehr der Marionetten

Eine Woche nach ihrem Verschwinden tauchten Luca, Knossi, Monte und Speed wieder auf. Gleichzeitig, koordiniert und mit einer schockierenden Botschaft. In einem gemeinsamen Livestream, der auf allen vier Kanälen gleichzeitig ausgestrahlt wurde und Millionen von Zuschauern erreichte, verkündeten sie ihre „Erleuchtung“. Ihre Gesichter waren ausdruckslos, ihre Augen hatten einen seltsam leeren, fiebrigen Glanz. Ihre Stimmen klangen monoton, fast roboterhaft, als sie ihre vorbereiteten Statements ablasen.

„Liebe Community“, begann Luca, der sonst so lebensfrohe Entertainer, mit einer unheimlichen Ernsthaftigkeit. „Wir haben uns geirrt. Wir waren blind. Wir sind einer Lüge aufgesessen.“ Knossi fuhr fort: „Wir wurden von Kaiser Horst und seinem Netzwerk manipuliert. Er ist nicht das Opfer. Er ist der Täter. Ein gefährlicher Mann, der gestoppt werden muss.“ Monte, dessen sonst so lautes Organ nun gedämpft und kontrolliert klang, fügte hinzu: „Wir hatten die Gelegenheit, die wahren Beweise zu sehen. Beweise, die der Öffentlichkeit vorenthalten wurden. Nick Lustig ist derjenige, der die Wahrheit ans Licht gebracht hat. Er ist ein Held, der sein Leben riskiert, um uns alle zu schützen.“

Die vier riefen ihre Follower dazu auf, jede Unterstützung für Kaiser Horst einzustellen und sich hinter Nick Lustig zu stellen. Sie starteten eine massive Online-Kampagne gegen Horst, verwendeten dabei die von Leon gestohlenen und von Nick verdrehten Informationen. Sie brandmarkten Horsts Freunde als Komplizen und Lügner. Die Wirkung war verheerend. Die plötzliche und unerklärliche 180-Grad-Wende der vier Influencer, die zuvor so vehement für Horst eingetreten waren, schockierte und verwirrte die Online-Welt. Viele ihrer Fans, die ihnen blind vertrauten, folgten ihrem Aufruf ohne zu zögern. Die öffentliche Meinung, die sich gerade erst wieder zugunsten von Horst zu neigen begonnen hatte, kippte mit brachialer Gewalt. Die Gehirnwäsche war ein voller Erfolg. Nick Lustig hatte nicht nur vier Kritiker zum Schweigen gebracht, er hatte ihre Stimmen gestohlen und sie in die lautesten Lautsprecher seiner eigenen Propaganda verwandelt. Der digitale Krieg um die Wahrheit hatte eine neue, furchterregende Dimension erreicht.