Der Übergang durch das Portal war wie ein Sturz in einen Abgrund aus Farben und Geräuschen. Jason, Paul und Paluten wurden durch einen Tunnel aus wirbelndem Licht geschleudert, ihre Körper fühlten sich an, als würden sie gleichzeitig in alle Richtungen gezogen. Dann, so plötzlich wie es begonnen hatte, war es vorbei. Sie standen auf festem Boden, keuchend und desorientiert, in einer Welt, die nichts mit der ihren gemein hatte.
Der erste Eindruck war überwältigend. Der Himmel war ein einziges, pulsierendes Rot, als würde die Atmosphäre selbst bluten. Die Luft war schwer und roch nach Metall und etwas anderem, etwas Organischem, das sie nicht identifizieren konnten. Die Gebäude um sie herum waren Ruinen, aber keine gewöhnlichen Ruinen. Sie sahen aus, als wären sie gewachsen statt gebaut, organische Strukturen aus Stein und Metall, die sich in unmöglichen Winkeln in den Himmel reckten.
Jason, der als Erster seine Fassung wiederfand, blickte sich um. „Was zur Hölle ist das für ein Ort?" Seine Stimme klang gedämpft, als würde die Luft selbst die Schallwellen verschlucken. Paul, der bereits seine Karte hervorgeholt hatte, orientierte sich. „Laut Alex' Berechnungen sollte Horst sich in nordöstlicher Richtung befinden, etwa drei Kilometer von hier. Wir müssen uns beeilen."
Paluten, der die Umgebung mit großen Augen musterte, deutete auf etwas am Boden. „Seht mal. Fußspuren." Tatsächlich waren im Staub deutliche Abdrücke zu erkennen, menschliche Fußabdrücke, die in die Richtung führten, die Paul angegeben hatte. „Das könnte Horst sein", sagte Paluten. „Oder eine Falle", erwiderte Paul vorsichtig. „In dieser Welt ist nichts, wie es scheint."
Sie folgten den Spuren, vorsichtig und wachsam. Die Ruinenstadt war ein Labyrinth aus engen Gassen und weiten Plätzen, aus Brücken, die ins Nichts führten, und Treppen, die in den Boden versanken. Seltsame Geräusche hallten durch die Stille, ein Kratzen hier, ein Flüstern dort, als wäre die Stadt selbst lebendig und beobachtete sie.
Nach einer Stunde des Marschierens hörten sie es. Stimmen. Menschliche Stimmen, gedämpft und vorsichtig, aber unverkennbar real. Jason beschleunigte seinen Schritt, Paul hielt ihn zurück. „Vorsicht. Wir wissen nicht, wer das ist." Sie näherten sich leise und spähten um eine Ecke. Was sie sahen, ließ ihre Herzen höher schlagen.
In einer Art Innenhof, umgeben von halbverfallenen Mauern, hatte sich eine kleine Gruppe von Menschen versammelt. In ihrer Mitte stand ein Mann, der Anweisungen gab, der organisierte, der führte. Sein Gesicht war schmaler geworden, seine Kleidung zerrissen und schmutzig, aber es gab keinen Zweifel. Es war Kaiser Horst.
„Horst!", rief Jason, unfähig, sich zurückzuhalten. Horst fuhr herum, sein Gesicht eine Mischung aus Unglaube und überwältigender Freude. „Jason? Paul? Und... Paluten?" Er konnte es nicht fassen. Seine Freunde waren hier, in dieser Hölle, um ihn zu retten. Die Überlebenden um ihn herum wichen zurück, misstrauisch gegenüber den Neuankömmlingen, aber Horst beruhigte sie. „Das sind meine Freunde. Die, von denen ich euch erzählt habe. Sie sind gekommen."
Die Umarmung zwischen Horst und Jason war so fest, dass beiden die Luft wegblieb. Paul klopfte Horst auf die Schulter, seine Augen verdächtig feucht. Paluten, der Horst zum ersten Mal persönlich traf, streckte ihm die Hand entgegen. „Paluten. Freund von Knossi und den Jungs. Wir holen dich hier raus."
Doch die Freude war von kurzer Dauer. Paul blickte auf seine Uhr. „Wir haben noch viereinhalb Stunden, bevor das Portal sich schließt. Wir müssen sofort aufbrechen." Horst nickte, aber sein Blick wanderte zu den Überlebenden. Viktor, Elena und die anderen. Er konnte sie nicht zurücklassen. „Sie kommen mit", sagte er bestimmt. Paul zögerte. „Horst, wir wissen nicht, ob das Portal genug Kapazität hat für..." „Sie kommen mit", wiederholte Horst, und in seiner Stimme lag eine Autorität, die keinen Widerspruch duldete.
Die Gruppe machte sich auf den Weg zurück zum Portal. Doch sie kamen nicht weit. Ein Dröhnen erfüllte die Luft, der Boden bebte, und vor ihnen materialisierte sich eine Gestalt aus schwarzem Licht. Mr. Beast stand vor ihnen, seine leeren Augen fixierten die Gruppe wie ein Raubtier, das seine Beute ins Visier nimmt. „Niemand verlässt diese Welt", sagte er mit seiner mechanischen Stimme. „Mein Meister hat es so befohlen."
Jason trat vor, die Fäuste geballt. „Dann wird dein Meister enttäuscht sein." Der Kampf um die Freiheit hatte begonnen.
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