Staffel 2: Die fremde Welt· Kapitel 27 von 31

Kapitel 36: Nick blutet

Die Stille nach dem Kampf war ohrenbetäubend. Wo eben noch Explosionen und Schreie die Luft zerrissen hatten, herrschte nun eine Ruhe, die fast unwirklich war. Die Lagerhalle war ein Trümmerfeld, Stahlträger ragten wie gebrochene Knochen aus dem Beton, und der Boden war übersät mit Schutt und Splittern. In der Mitte von allem lag Nick Lustig, reglos, in einer Lache aus schwarzem Blut.

Paul war der Erste, der sich näherte. Er kniete neben Nick nieder und legte zwei Finger an seinen Hals. Lange Sekunden vergingen, in denen niemand atmete. Dann blickte Paul auf, sein Gesicht war bleich. „Kein Puls", sagte er leise. „Er ist tot."

Die Worte hingen in der Luft wie Rauch nach einem Feuer. Tot. Nick Lustig war tot. Der Mann, der Kaiser Horsts Leben zerstört hatte, der Freunde manipuliert, Familien zerrissen und unschuldige Menschen in eine Parallelwelt verbannt hatte, war endlich besiegt. Für immer.

Jason sank auf die Knie, die Erschöpfung und der Schmerz seiner Verletzungen holten ihn ein. Maria, die trotz Pauls Anweisungen zur Lagerhalle gekommen war, rannte zu Jason und versorgte seine Wunde. Ronaldo lehnte sich gegen eine Wand, sein goldenes Licht war vollständig erloschen, und er sah aus wie ein normaler Mann, erschöpft und verwundet. Haaland stand still da, seine Eisrüstung schmolz langsam und tropfte auf den Boden.

Horst stand über Nicks Leiche und fühlte... nichts. Keine Freude, keinen Triumph, keine Erleichterung. Nur eine seltsame, hohle Leere. Er hatte sich diesen Moment so oft vorgestellt, hatte davon geträumt, wie es sich anfühlen würde, wenn Nick endlich besiegt war. Aber die Realität war anders als der Traum. Es gab keine Fanfaren, keine Feuerwerke. Nur einen toten Mann in einer Lache aus Blut und eine Gruppe von Menschen, die zu erschöpft waren, um zu feiern.

„Wir sollten die Polizei rufen", sagte Paul sachlich. „Und einen Krankenwagen. Jason braucht medizinische Versorgung, und Mr. Beast auch." Horst nickte stumm. Paul hatte recht. Es war Zeit, die Behörden einzuschalten, die Wahrheit zu erzählen, die Trümmer aufzuräumen. Es war Zeit, nach Hause zu gehen.

Aber als Paul sein Handy hervorholte und die Nummer wählte, bemerkte niemand, dass etwas Seltsames geschah. Nicks Blut, das schwarze, unnatürliche Blut, das aus seinen Wunden geflossen war, begann sich zu bewegen. Langsam, fast unmerklich, kroch es über den Boden, weg von der Leiche, in die Schatten der zerstörten Lagerhalle. Und mit ihm bewegte sich etwas anderes, etwas Unsichtbares, etwas, das kein menschliches Auge sehen konnte.

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