Staffel 2: Die fremde Welt· Kapitel 28 von 31

Kapitel 37: Die verschwindende Leiche

Die Polizei traf zwanzig Minuten später ein, gefolgt von zwei Krankenwagen und einem Spezialeinsatzkommando. Die Beamten sicherten die Lagerhalle, die Sanitäter versorgten die Verletzten, und ein Ermittler begann, Zeugenaussagen aufzunehmen. Paul übernahm die Koordination, erklärte die Situation so sachlich und präzise wie möglich, wobei er die übernatürlichen Elemente diplomatisch ausließ.

Alles lief nach Plan, bis ein Polizist, der die Lagerhalle durchsuchte, plötzlich rief: „Wo ist die Leiche?" Alle erstarrten. Paul, Horst und Jason eilten zu der Stelle, an der Nick gelegen hatte. Die Lache aus schwarzem Blut war noch da, aber der Körper war verschwunden. Einfach weg. Keine Schleifspur, keine Fußabdrücke, kein Hinweis darauf, wohin er gegangen sein könnte.

„Das ist unmöglich", stammelte der Polizist. „Ich habe die Halle vor fünf Minuten gesichert. Niemand ist rein oder raus." Paul kniete sich hin und untersuchte den Boden. Das Blut war kalt, aber es hatte ein seltsames Muster, als wäre es in eine bestimmte Richtung geflossen, hin zu einer dunklen Ecke der Halle, in der die Schatten besonders dicht waren.

Ronaldo, der trotz seiner Erschöpfung sofort alarmiert war, trat neben Paul. „Er ist nicht tot", sagte er leise, so dass nur Paul und Horst es hören konnten. „Oder er war tot und ist es nicht mehr. Die dunkle Energie der Parallelwelt... sie hat ihn verändert. Vielleicht mehr, als wir dachten."

Haaland, der die Situation mit zusammengekniffenen Augen beobachtete, fügte hinzu: „In der Parallelwelt gelten andere Regeln. Tod ist dort nicht unbedingt endgültig. Wenn Nick sich tief genug mit dieser Welt verbunden hat, könnte er..." Er sprach den Satz nicht zu Ende, aber alle verstanden.

Horst spürte, wie die Leere in seinem Inneren von etwas anderem ersetzt wurde. Nicht Angst, nicht Panik, sondern eine müde, resignierte Erkenntnis. Es war nicht vorbei. Es würde vielleicht nie vorbei sein. Nick Lustig, ob lebendig oder untot, ob Mensch oder Monster, würde immer wiederkommen. Wie ein Albtraum, aus dem man nicht erwachen konnte.

Lilith, die über Funk zugehört hatte, meldete sich. „Ich habe die Energiesignatur analysiert", sagte sie, ihre Stimme angespannt. „Das Portal in der Lagerhalle ist geschlossen, aber es gibt eine Restsignatur, eine Art Echo. Etwas hat die Halle verlassen, etwas mit einer Energiesignatur, die Nicks ähnelt, aber nicht identisch ist. Es ist, als hätte sich Nick... aufgelöst und neu zusammengesetzt."

Die Polizei war ratlos. Eine verschwindende Leiche passte in kein Ermittlungsprotokoll. Der leitende Beamte kratzte sich am Kopf und murmelte etwas von „ungewöhnlichen Umständen". Paul nutzte die Verwirrung, um die Gruppe diskret aus der Lagerhalle zu führen. Es gab nichts mehr, was sie hier tun konnten.

Auf der Rückfahrt zum Hauptquartier herrschte bedrücktes Schweigen. Jason, dessen Wunde genäht worden war, starrte aus dem Fenster. Maria hielt seine Hand. Paluten und Speed saßen hinten und sprachen leise miteinander. Knossi, Monte und Luca waren in einem zweiten Fahrzeug. Ronaldo und Haaland fuhren allein, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken.

Nur Horst sprach. „Er kommt wieder", sagte er, und es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Paul, der neben ihm saß, nickte. „Wahrscheinlich. Aber nicht heute. Nicht morgen. Und wenn er kommt, werden wir bereit sein." Horst blickte aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Stadt, die im Licht der untergehenden Sonne golden leuchtete. „Ja", sagte er leise. „Wir werden bereit sein."

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