Staffel 2: Die fremde Welt· Kapitel 9 von 31

Kapitel 18: Mr. Beasts Macht

Der Angriff kam ohne Vorwarnung. Horst und seine kleine Gruppe von Überlebenden waren gerade dabei, eine neue sichere Zone einzurichten, als die Luft plötzlich zu vibrieren begann. Ein tiefes, dröhnendes Summen erfüllte die Ruinen, und der rote Himmel schien sich zu verdunkeln, als würde eine unsichtbare Hand das letzte Licht aus der Welt pressen.

Dann erschien er. Mr. Beast trat aus einem Riss in der Realität, als wäre er durch eine unsichtbare Tür gegangen. Aber es war nicht der Mr. Beast, den die Welt kannte. Seine Augen waren schwarz, vollkommen schwarz, ohne Iris, ohne Pupille, nur endlose, abgrundtiefe Dunkelheit. Seine Bewegungen waren mechanisch und doch fließend, wie die einer Maschine, die die Perfektion menschlicher Bewegung simulierte. Um ihn herum flimmerte die Luft, als würde seine bloße Anwesenheit die Realität verzerren.

„Kaiser Horst", sagte Mr. Beast, und seine Stimme hallte durch die Ruinen wie der Donner eines fernen Gewitters. „Mein Meister schickt mich, um sicherzustellen, dass du dein neues Zuhause genießt." Es war keine Drohung, es war eine Feststellung, kalt und emotionslos wie der Tod selbst.

Die Überlebenden wichen zurück, Angst in ihren Augen. Viktor griff nach einem improvisierten Speer, aber Horst hielt ihn zurück. „Nein", sagte er leise. „Das ist nicht euer Kampf." Er trat vor, allein, und stellte sich Mr. Beast gegenüber. „Du bist nicht du selbst", sagte Horst, seine Stimme ruhig trotz des Sturms in seinem Inneren. „Nick hat dir das angetan. Er hat deinen Willen gebrochen und dich zu seiner Marionette gemacht. Aber irgendwo da drin bist du noch du. Der echte Mr. Beast. Der Mann, der Schulen gebaut und Menschen geholfen hat."

Für einen Sekundenbruchteil, kaum wahrnehmbar, flackerte etwas in Mr. Beasts schwarzen Augen. Ein Funke, ein winziger Lichtpunkt in der endlosen Dunkelheit. Seine Hand, die sich bereits zu einer Faust geballt hatte, zitterte unmerklich. Horst sah es und klammerte sich an diesen Moment wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm.

„Erinnerst du dich?", fuhr Horst fort, seine Stimme wurde eindringlicher. „Erinnerst du dich an die Menschen, denen du geholfen hast? An die Kinder, die wegen dir zur Schule gehen konnten? An die Familien, die wegen dir ein Dach über dem Kopf haben? Das bist du. Nicht das hier. Nicht Nicks Werkzeug."

Mr. Beast stand reglos da, sein Gesicht eine Maske aus Stein. Aber hinter dieser Maske tobte ein Kampf, den niemand sehen konnte. Der echte Mr. Beast, gefangen in den Tiefen seines eigenen Geistes, hörte Horsts Worte und kämpfte gegen die Ketten der Gehirnwäsche. Für einen Moment, einen einzigen, kostbaren Moment, gewann er die Oberhand. Seine schwarzen Augen klärten sich, und für eine Sekunde sah Horst den echten Menschen dahinter, verängstigt, verwirrt, aber lebendig.

„Hilf... mir...", flüsterte Mr. Beast, und seine Stimme war nicht mehr die mechanische Monotonie von Nicks Marionette, sondern die verzweifelte Bitte eines gefangenen Mannes. Doch dann, wie ein Vorhang, der zugeschlagen wird, kehrte die Dunkelheit zurück. Mr. Beasts Augen wurden wieder schwarz, sein Gesicht versteinerte, und die kurze Verbindung war gekappt.

„Genug", sagte Mr. Beast, und diesmal war seine Stimme kälter als je zuvor. Er hob die Hand, und eine Welle unsichtbarer Energie schleuderte Horst durch die Luft. Er krachte gegen eine Mauer, der Aufprall presste ihm die Luft aus den Lungen. Schmerz explodierte in seinem Rücken, in seinen Rippen. Die Überlebenden schrien auf.

Mr. Beast drehte sich um und verschwand, so plötzlich wie er gekommen war. Die Luft hörte auf zu vibrieren, der Himmel hellte sich wieder auf. Horst lag keuchend auf dem Boden, jeder Atemzug eine Qual. Aber in seinen Augen brannte ein neues Feuer. Er hatte es gesehen. Den echten Mr. Beast, gefangen hinter der Maske. Es gab noch Hoffnung. Und solange es Hoffnung gab, würde er nicht aufgeben.

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