Die Nachricht von Richter Holds Tod verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Medien berichteten rund um die Uhr, die Polizei leitete eine Untersuchung ein, und die Öffentlichkeit war schockiert. Ein Richter, ermordet in seinem eigenen Büro, ohne Spuren, ohne Zeugen. Es war beispiellos.
Kaiser Horst, der zu Hause bei Leon war, als er die Nachricht hörte, fühlte sich, als wäre ihm der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Richter Hold war einer der wenigen Menschen gewesen, die ihm wirklich geglaubt hatten, die seine Geschichte ernst genommen hatten. Und nun war er tot. Wegen Nick. Wegen der Wahrheit.
Leon, der neben seinem Vater saß, sah die Tränen in Horsts Augen. „Papa, was ist los?" Horst wischte sich die Augen, versuchte stark zu sein. „Ein guter Mann ist gestorben, Leon. Ein Mann, der für die Gerechtigkeit gekämpft hat. Und ich fühle mich schuldig, weil er wegen mir gestorben ist."
Leon schüttelte den Kopf. „Das ist nicht deine Schuld, Papa. Das ist Nicks Schuld. Er ist das Monster, nicht du." Horst zog seinen Sohn in eine Umarmung. „Danke, Leon. Danke, dass du immer an mich glaubst."
Aber die Umarmung wurde unterbrochen durch einen Anruf. Es war Markus Weber, der Staatsanwalt, der Richter Holds Bericht erhalten hatte. „Herr Horst, wir müssen reden. Ich habe Informationen, die Sie sehen müssen. Können Sie zu meinem Büro kommen?"
Horst zögerte. Er wollte Leon nicht allein lassen, nicht jetzt, nicht mit Nick da draußen. Aber Markus klang dringend. „Ich komme", sagte Horst. „Aber ich bringe meinen Sohn mit. Ich lasse ihn nicht allein." Markus stimmte zu.
Eine Stunde später saßen Horst und Leon in Markus' Büro, lasen den Bericht, den Richter Hold verfasst hatte. Es war erschütternd. Detaillierte Beschreibungen von Nicks Verbrechen, von der Parallelwelt, von den Opfern. Und am Ende eine Warnung: „Nick Lustig ist nicht nur ein Verbrecher. Er ist eine existenzielle Bedrohung. Wenn er nicht gestoppt wird, wird er die Welt zerstören."
Horst schloss die Augen, die Last der Verantwortung drückte auf ihm. „Was soll ich tun?", fragte er leise. Markus lehnte sich zurück. „Wir müssen die Öffentlichkeit informieren. Wir müssen die Regierung einschalten. Wir müssen eine Task Force bilden, die Nick jagt und stoppt."
Aber bevor Horst antworten konnte, ging der Alarm los. Markus' Computer flackerte, und auf dem Bildschirm erschien eine Nachricht, geschrieben in der gleichen schwarzen Tinte wie in Richter Holds Büro: „Ihr könnt mich nicht stoppen. Ich bin überall. Ich bin die Dunkelheit. – N.L."
Markus sprang auf, griff nach seinem Telefon, aber es war tot. Die Lichter im Büro flackerten, dann gingen sie aus. Horst zog Leon an sich, sein Herz raste. „Wir müssen hier raus. Jetzt."
Sie rannten zur Tür, aber sie war verschlossen. Horst hämmerte dagegen, schrie um Hilfe, aber niemand kam. Dann hörten sie es. Ein Summen, das gleiche Summen, das Jason, Maria und Alex gehört hatten. Ein Portal öffnete sich, mitten im Büro, und aus ihm strömte die Dunkelheit.
Aber diesmal war Horst vorbereitet. Er hatte gelernt, hatte gekämpft, hatte überlebt. Er zog Leon hinter sich, stellte sich der Dunkelheit entgegen. „Nicht noch einmal, Nick! Nicht noch einmal!"
Und zu seiner Überraschung zögerte die Dunkelheit. Sie umkreiste ihn, testete ihn, aber griff nicht an. Dann hörte er Nicks Stimme, ein Flüstern in seinem Kopf. „Bald, Horst. Sehr bald. Aber noch nicht. Ich will, dass du leidest. Ich will, dass du zusehen musst, wie alles, was du liebst, zerstört wird. Und dann, erst dann, werde ich dich holen."
Die Dunkelheit zog sich zurück, das Portal schloss sich, und die Lichter gingen wieder an. Horst sank auf die Knie, zitternd, erschöpft. Markus stand da, bleich und schockiert. „Was... was war das?"
Horst blickte zu ihm auf. „Das war Nick. Und er kommt. Für uns alle."
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