Nick saß Jessy gegenüber in einem kleinen Büro im Lagerhaus. Kein Tisch zwischen ihnen, nur zwei Stühle, fast wie ein Therapeutengespräch. Nick hatte gelernt, dass direkte Konfrontation selten funktionierte. Was funktionierte, war das Gefühl von Verständnis.
„Du bist wütend", sagte er.
„Ich bin nicht wütend", sagte Jessy. „Ich bin... enttäuscht."
„Von Horst?"
„Von der ganzen Situation." Sie verschränkte die Arme. „Ich habe Geld geliehen. Von Paul. Ich wollte es zurückzahlen, aber das Leben ist passiert, und jetzt fühle ich mich wie eine Schuldnerin, obwohl ich nie..." Sie brach ab.
„Obwohl du nie das Gefühl hattest, dass du wirklich dazugehörst", ergänzte Nick sanft.
Jessy sah ihn an. „Ja."
„Ich kenne dieses Gefühl", sagte Nick. „Ich habe Jahre damit verbracht, Horst zu unterstützen, seine Karriere aufzubauen, im Hintergrund zu arbeiten. Und was habe ich dafür bekommen? Nichts. Er hat mich benutzt und weggeworfen, wie er alle benutzt und wegwirft." Er machte eine Pause. „Du bist nicht allein, Jessy. Und du schuldest Paul nichts. Das Geld war keine Hilfe. Es war eine Investition in deine Loyalität."
Jessy schwieg lange. Dann sagte sie: „Was willst du von mir?"
„Nichts Gefährliches", sagte Nick. „Nur deine Geschichte. Deine Stimme. Du bist eine ehemalige Supporterin. Die Leute kennen dich. Wenn du sagst, dass Horst und seine Freunde nicht das sind, was sie zu sein scheinen, werden die Leute zuhören."
Es war eine Lüge, verpackt in Wahrheit. Aber Jessy hörte nur die Teile, die sich wahr anfühlten.
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