Während Nick seine Armee aufbaute, kämpfte Sandra einen anderen Kampf.
Sie saß in einem kleinen Café in der Innenstadt und trank ihren dritten Kaffee des Tages. Ihr Handy lag auf dem Tisch, der Bildschirm voller Nachrichten, die sie nicht beantworten wollte. Nachrichten von Menschen, die sie kannten, die Fragen stellten, die sie nicht beantworten konnte.
*Warst du wirklich bei Nick Lustig?* *Hast du wirklich gegen Kaiser Horst gearbeitet?* *Wie konntest du?*
Sandra legte das Handy umgedreht auf den Tisch. Sie wusste, dass sie Erklärungen schuldete. Aber Erklärungen waren schwer, wenn man selbst noch nicht ganz verstand, was passiert war.
Sie hatte Tobias geliebt. Das war die Wahrheit, und sie schämte sich nicht dafür. Sie hatte ihn geliebt, und weil sie ihn geliebt hatte, war sie mitgegangen, hatte weggeschaut, hatte Dinge getan, die sie jetzt bereute. Und dann hatte sie eine Grenze gesehen, eine Linie, die sie nicht überschreiten konnte, und sie hatte die Seiten gewechselt.
Aber die Helden vertrauten ihr nicht vollständig. Das verstand sie. Vertrauen musste verdient werden, und sie hatte es noch nicht verdient.
Sie trank ihren Kaffee aus und stand auf. Sie wusste, was sie tun musste. Sie musste Beweise liefern. Konkrete Beweise, dass Nick Lustig eine neue Armee aufbaute, dass er die Gefangenen befreit hatte, dass er einen neuen Plan hatte.
Sie zog ihr Handy heraus und tippte eine Nachricht an Maria: *Ich habe Informationen. Wichtige Informationen. Kann ich kommen?*
Die Antwort kam nach drei Minuten: *Wir hören dir zu.*
---